Angebot & Nachfrage

L’Arc de Triomphe, Wrapped, das letzte Kunstwerk von Christo und Jeanne Claude in Paris ist noch bis zum 3. Oktober zu erleben, auch im Live-Stream (YouTube).

Glattes Parkett für die Meinungsforschung. Angeblich wissen über 30 Prozent der Wahlberechtigten noch nicht, wem sie am Sonntag ihre Stimme geben werden. Das belegt die Verunsicherung in deutschen Landen, wo man es am liebsten hätte, wenn Mutti weitergemerkelt hätte. Weil keine:r der drei Kandidat:innen so richtig begeistert, liegt Olaf Scholz vorne; er suggeriert geschickt Kontinuitä, die es so aber nicht geben wird. Zum einen wird der Kanzler nicht direkt gewählt, zum anderen braucht der amtierende Vizekanzler zwei Koalitionspartner, um überhaupt regieren zu können. Auf Farbspekulationen möchte ich mich erst gar nicht einlassen. Über der alles dominierenden Bundestagswahl gerät leicht in Vergessenheit, dass auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt wird. In der Bundeshauptstadt hat das rot-grün-rote Bündnis (R2G) in den letzten fünf Jahren nicht viel zu Wege gebracht. Regieren zu dritt ist ein mühseliges Geschäft.

Nolens volens sind wir schon wieder mitten in der Pandemie. Bekanntlich hatte die Regierung im Februar verkündet, jede:r bekomme bis zum Ende des Sommers ein Angebot zur Erstimpfung. Man wollte gleich am Anfang dabei sein, es wurde gedrängelt und getrickst. Der Stoff war knapp, der Söder Markus aus Bayern wollte sogar das Sputnik-Vakzin aus Russland verkaufen. „Vor uns liegen also“, notierte ich am 05.02.21, „im besten Falle noch siebeneinhalb lange Monate der Pandemie. Dann aber müssen die Einschränkungen ein Ende haben. Spätestens dann möchte ich wieder meine Grundrechte ausüben können und ins Kino, Theater oder in die Oper gehen, mit anderen Geimpften versteht sich. Wir werden uns daran gewöhnen, dass wir mit jedem Ticket, ob für Veranstaltungen oder Flugreisen, den Impfpass vorlegen.“ So ist es tatsächlich gekommen. Allerdings hatte damals niemand auf dem Schirm, dass nicht der Impfstoff das Problem sein würde sondern seine Akzeptanz: ein gutes Drittel der Bevölkerung hierzulande ist noch nicht geimpft und lässt sich auch von einer drohenden “Pandemie der Ungeimpften“ nicht schrecken. Der Corona-Mord an einem jungen Mitarbeiter einer Tankstelle in Idar-Oberstein gibt Anlass zu den allerschlimmsten Befürchtungen.

Was tun? Den Druck auf die Impfverweigerer erhöhen und die Spaltung der Gesellschaft vertiefen? Oder pragmatisch anerkennen, dass Impfquoten von über 80% nicht zu schaffen sind. „Wir sollten uns in puncto Corona-Politik“, befindet die Oldenburger Nordwest-Zeitung, „an Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden orientieren. Die befürchtete Überlastung der Krankenhäuser ist dort bisher ausgeblieben. Das sollte Mut machen, diesen Schritt auch zu gehen. Wir müssen lernen, mit Corona zu leben.“ (20.09.21) Und wieder ins Theater gehen, etwa in die Berliner schaubühne. Anders als in den Zügen der Deutschen Bahn muss ich am Eingang Impfzertifikat & Perso vorlegen; im Theatersaal sitzt das Publikum dicht an dicht, aber mit FFP2-Masken. Gespielt wird „ödipus“. Die Kleinschreibung des Titels hätte man als Warnung lesen sollen – der antike Stoff wird von der Autorin Maja Zade zum Kleinen Fernsehspiel profanisiert, zu einem banalen Konversationsstück in einer schicken Unternehmervilla auf Kreta (Inszenierung: Thomas Ostermeier). Das Publikum klatschte freudig – uns erschienen die 130 Minuten (ohne Pause) quälend lang. Es genügt, wenn’s vergnügt? Nicht immer!

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