
Es braucht so wenig, um Menschen zu verzaubern. Seit 25 Jahren ist der US-Amerikaner Darren Burrell mit seiner Seifenblasen-Kunst unterwegs und fasziniert das Publikum mit seinen Wunderwerken, die so schnell wieder vergehen. Das ist beim Varieté Frühling im Neuen Theater Höchst nicht anders. Wir schauen dem Meister zu, staunen über die Seifenblasen, die er mit leichter Hand erschafft, und vergessen für ein paar Stunden die bedrohliche Weltlage. Die anderen Artist:innen stehen ihm in nichts nach, aber an diesem Abend berührt mich Darren Burrell am meisten. Könnte nur alles so leicht sein! Zusammengestellt hat das Programm wieder die Berliner Künstleragentur Paulsen & Konsorten mit sicherem Gespür für Abfolge und Timing. Durch den Abend führen Rick van Nöten und Ferdinand Fachblatt, die sich “Die Lonely Husband” nennen. Die beiden spielen sich nicht nur als Conférenciers die Bälle zu, sie können herrlich und selbstironisch blödeln, singen, spielen Gitarre oder nehmen die Mythen der Country Music aufs Korn.
Daran würde sich der amerikanische Präsident kaum erfreuen, der so gerne austeilt und über andere lacht. Da hätte es die Kunst seines Landsmanns Darren Burrell vermutlich schon leichter, solange Trump nicht dieselbe Assoziation zu Sprechblasen käme wie dem Autor dieser Zeilen. Klare Worte zur Strategie seines Krieges gegen den Iran sind jedenfalls bisher nicht zu hören. Im Weißen Haus wurde die Widerstandskraft des Mullah-Regimes falsch eingeschätzt. Ebenso hatten die amerikanischen Strategen offensichtlich nicht auf dem Schirm, dass es dem Iran gelingen könnte, die Straße von Hormus zu blockieren und damit weltweit die Energieversorgung zu gefährden. Wieder einmal profitiert Zar Putin von der Lage – Amerika hat das Embargo gegen russisches Erdöl (zeitweise) aufgehoben. Die weltweiten Reserven reichen nur drei Monate. Die Spritpreise gehen hierzulande schon jetzt durch die Decke, bei einer längeren Dauer des Krieges gegen den Iran wird in Deutschland die Inflation steigen und das erhoffte leichte Wirtschaftswachstum ausbleiben.
Zumindest funktionierte die Probewarnung im Land Hessen diese Woche zuverlässig. Allerdings dürften nur Prepper auf einen Ernstfall vorbereitet sein. Welche Vorräte brauche ich? Wo gibt es Schutzräume? Was sollte man unbedingt mitnehmen? Vor Monaten habe ich mir beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Broschüre “Vorsorgen für Krisen und Katastrophen” bestellt, sie jetzt erst ausgepackt und mir die Lektüre fest vorgenommen. Im Berliner Inforadio werden gerade Kurbelradios verlost; so könnte man sich im Katastrophenfall, wenn Strom und Internet ausfallen, zumindest informieren. Trotzdem werden wir eine Powerbank besorgen und mal die Checkliste der Broschüre durchgehen. Hoffentlich unterstützen uns in einem Krisenfall die Ukrainer, die seit über vier Jahren dem russischen Angriffskrieg standhalten. Ihre Drohnen-Spezialisten sind in der Golf-Region unterwegs und dort sehr gefragte Gesprächspartner. Das hätte sich 2022 niemand vorstellen können. Das Leben in einer Blase kann lebensgefährlich sein.
