
„Wollen Sie auch mit dem Sprinter nach Berlin fahren”, fragt mich ein Herr auf dem Frankfurter Hauptbahnhof. Der ICE steht noch auf der Anzeigetafel, die App meldet einen Gleiswechsel. Was tun? Eile ist geboten. Also vertrauen wir dem Handy und sputen zur Unterführung. Tatsächlich steht dort “unser” Zug. Die Deutsche Bahn kämpft derzeit mit vielen Problemen, nicht zuletzt mit der Kommunikation. Die Zuganzeigen auf den Bahnsteigen erfolgen automatisch, ebenso die Durchsagen. Worauf sollen sich die Kunden verlassen? Auf den gesunden Menschenverstand. Ein verspäteter Zug nach München und ein pünktlicher nach Berlin zur gleichen Zeit am selben Gleis sind nicht möglich. Die Reisenden müssen heutzutage ständig auf der Hut sein – jede Fahrt ein Abenteuer. Kürzlich wurde ein Zug im Berliner Hauptbahnhof angekündigt, war in der App dann sogar “pünktlich” gestartet – ist aber nie losgefahren. Natürlich war niemand zur Stelle, den man hätte fragen können.
Das Chaos bei der Deutschen Bahn ist mittlerweile Standard. Der Konzern kündigte diese Woche ein Sofortprogramm an und will bis Ende nächsten Jahres 50 Millionen Euro in die Hand nehmen, um seine Kunden besser und schneller zu informieren. Das Geld ist gut angelegt. Vielleicht haben dann die Doppelbotschaften ein Ende, die man derzeit allerdings nicht nur bei der Deutschen Bahn gewärtigen muss. Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen vertritt strikt nationalistische Positionen, was sie indes nicht davon abhielt, Gelder der EU für Günstlinge einzusetzen; dafür ist sie rechtskräftig verurteilt worden. Ein Meister der Double-Bind-Jonglage ist der amerikanische Präsident. Während er seine Anhänger (noch) mit MAGA ködert, ist deren wirtschaftliche Situation durch den Krieg gegen den Iran und seine Zollpolitik deutlich schlechter geworden – die Inflation stieg in den USA im Mai auf ein Dreijahreshoch.
Während sich Trump an sinkenden Umfragewerten nicht zu stören scheint, gerät Berlins Regierender Bürgermeister von der CDU gerade mächtig unter Druck. Bekanntlich tauchte Kai Wegner beim terroristischen Anschlag auf das Stromnetz im Südwesten der Hauptstadt erst einmal ab – und spielte Tennis. Nun musste er einräumen, dass er die Öffentlichkeit sogar belogen hat und an diesem Vormittag keine dienstlichen Telefonate geführt hatte. Derzeit liegt die Berliner CDU bei Umfragen zur Wahl des Abgeordnetenhauses am 20. September bei 17% und damit auf dem vierten Platz; dahinter liegt noch die SPD mit 13% (infratest dimap). Kurz vor Veröffentlichung dieses Beitrags nun die Eilmeldung: Kai Wegner gibt seine Spitzenkandidatur auf! Für seine Partei wird sich dieser communication breakdown im September dennoch bitter rächen – unforced error heißt im Tennis ein solcher vermeidbarer Fehler.









