
Endlich mal wieder schwimmen! Ich packe alles zusammen und bin kurz vor acht am Freibad – geschlossen. Plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich doch vorher noch im Netz nach den Öffnungszeiten geschaut hatte. Trotz der Hitzewelle macht das Sommerbad Wilmersdorf im Juni erst um 10h auf; das muss ich wohl in der Vorfreude sofort wieder verdrängt haben. Am nächsten Tag starte ich einen neuen Versuch. Vor der Kasse – 7 Euro kostet der Eintritt für Erwachsene – hat sich um kurz nach zehn eine lange Schlange gebildet. Niemand kommt in Berlin ins Freibad ohne Gepäckkontrolle und Vorlage eines gültigen Ausweises. Im letzten Jahr wurden rund 200 Straftaten registriert, darunter auch Körperverletzungen. An Kontrollen zur eigenen Sicherheit haben wir uns längst gewöhnt, vor Flügen oder großen Konzerten etwa. Um so erstaunlicher, dass jede:r in einen Zug der Deutschen Bahn einsteigen kann. In Spanien werden die Tics am Zugang gescannt; alle Gepäckstücke laufen durch einen Scanner. Davon kann die Deutsche Bahn nur träumen.
Der Staatskonzern überraschte seine Kundschaft in dieser Woche gleich zweimal. Am späten Dienstagabend stand der komplette Bahnverkehr in Deutschland still, weil der Zugfunk GSMR ausfiel; beide Sicherungssysteme konnten nicht übernehmen. Wieder einmal war die Kommunikation des Konzerns eine blanke Katastrophe. Die Personenzüge mussten im nächsten Bahnhof halten, die Fahrgäste blieben lange Zeit im Unklaren. Ein Fernpendler nahm den Gau in einer Radio-Reportage gelassen: “Ich lebe mit der Katastrophe”. Weil die Konzernführung ihrem Angebot selbst nicht mehr traut, entschied man sich zwei Tage später für eine bis dato unbekannte Warnung an die Kundschaft. Die Deutsche Bahn befürchtet wegen der aktuellen Hitzewelle “Störungen im Betriebsablauf”, rät von Reisen ab und bietet kostenlose Stornierungen an. Sicherheitshalber wurden sämtliche Züge nach Frankfurt heute in der App als ausgebucht angezeigt; nur Tics in der Ersten Klasse gab’s noch ab 365 Euro für eine einfache Fahrt.
Nächste Woche werden die Temperaturen wieder fallen, die Hitze mit immer neuen Rekorden verschwindet aus den Schlagzeilen, und vom Klimawandel will niemand mehr etwas hören. Wer möchte, kann sich auf der Homepage des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung informieren und kommt vielleicht ins Nachdenken oder Schaudern. Denn der Klimawandel, den Populisten wie Trump schlicht leugnen, lässt sich nicht mehr stoppen. Was jetzt ist, kann allenfalls verlangsamt werden; man kann nur versuchen, sich anzupassen – Paris meldete gestern eine Nachttemperatur von 36 Grad! „Die Zukunft, die Klimawandelforscher vorhergesagt haben”, heißt es im Tagesspiegel, “die Hitzeszenarien, sie sind längst Wirklichkeit. Zeitgleich verteilt die Bundesregierung fleißig Steuergeschenke auf fossile Emissionsträger, die genau zu dieser Erhitzung beitragen. Kaum endet zum Monatsende der Tankrabatt, sinkt Anfang Juli die Ticketsteuer im Flugverkehr. Diese Maßnahmen machen schmerzhaft deutlich, dass Deutschland die Augen vor der Realität verschließt.“ (26.06.26) Nach uns die Sintflut! Nicht zum ersten Mal schließe ich mit diesen Worten.









