
Darauf hätten wir nicht gewettet. Mit ziemlich besten Freunden waren wir tatsächlich noch zweimal bei herrlichem Wetter im Langi schwimmen; so nennen die Einheimischen den Langbürgner See. Er “ist der mit etwa einem Quadratkilometer Fläche größte der 18 Seen im Naturschutzgebiet Eggstätt-Hemhofer Seenplatte nordwestlich des Chiemsees.” (Wikipedia) Trotz des zweitwärmsten Sommers seit Beginn der Aufzeichnungen war ich in diesem Jahr nur einmal im Freibad. Der subjektive Rückblick ist trügerisch, denn ich habe das Wetter als nicht so belastend empfunden. Die Schäden des Klimawandels, den einige nach wie vor hartnäckig leugnen, belaufen sich hierzulande auf rund 40 Milliarden Euro. Im hektischen Politik- und Medienalltag wird diese Tatsache genauso schnell vergessen wie die hitzebedingten Todesfälle; es sollen 15.000 Menschen gestorben sein. Diese Amnesie gleicht der alljährlichen Diskussion um das Böllerverbot und die damit verbundene Feinstaubbelastung zur Jahreswende. Im Jänner ist das Thema schon wieder vergessen.
Natürlich diskutieren wir in der bayerischen Idylle über die aktuelle Situation und spekulieren, wer wohl Merz nachfolgen könnte, wenn der Kanzlerwahlverein CDU einen neuen Kandidaten braucht. Ihre Ministerpräsidenten, etwa in NRW (Hendrik Wüst) und in Schleswig-Holstein (Daniel Günther), arbeiten geräuschlos in einer Koalition mit den Grünen und stehen 2027 vor Landtagswahlen. Dass wir uns plötzlich einig waren, dass der Söder Markus aus Bayern der richtige Mann sein könnte, um dem Siegeszug der AfD Einhalt zu gebieten, hätten wir uns vor kurzem nicht vorstellen können. Anders als Kanzler Merz verfügt er über Regierungserfahrung und Charisma. Der CSU-Politiker ist bundesweit bekannt, hat einen sicheren politischen Instinkt und bekennt sich zu unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Söder hätte sicher nicht nach den deprimierenden Wahl-Ergebnissen der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin die eigenen Parteianhänger brüskiert und die Ungerechtigkeit im deutschen Zwei-Klassen-Gesundheitssystem thematisiert.
Auf das Wahlergebnis in Berlin haben wir übrigens gewettet. Mit meinem Tipp liege ich bestimmt daneben. Fakt ist, dass die CDU/SPD-Koalition abgewählt wurde, weil diese beiden Parteien schlecht regiert und keine Zukunftsperspektiven für die Hauptstadt entwickelt haben. Gewonnen hat die Linke mit 25,7 % der Stimmen (+13,4) vor der AfD 16,3 (+7,2); CDU, SPD und Grüne haben zum Teil deutlich verloren. Die eindeutige Wahlsiegerin hat stark auf das Thema “Bezahlbare Mieten” gesetzt und will, so das rechtlich in Berlin überhaupt zu machen ist, die großen Immobilienkonzerne vergesellschaften. Das könnte schätzungsweise 38 Milliarden Euro kosten, ohne dass mit dieser gewaltigen Summe eine einzige neue Wohnung entstehen würde. Dass bei einer öffentlichen Wahlkampfparty der Linken der Chef des berüchtigten Remmo-Clans auftauchte, irritiert nicht weniger als der offene Antisemitismus im Neuköllner Kreisverband; wegen dieser Position haben viele prominente Mitglieder die Partei verlassen. Anke Myrrhe kommentierte im Tagesspiegel: “Verstörend, dass rund einem Viertel der Berlinerinnen und Berliner die Ausfälle der Linken offenbar egal sind – oder zumindest in Kauf genommen werden. Was kümmert uns der Judenhass? Wir suchen schließlich eine Wohnung.” (21.09.26) Der Herbst der Ernüchterung hat begonnen.











