
Das ist der Satz der Berlinale 2026. Sandra Hüller sagt ihn in dem beeindruckenden Film “Rose” von Markus Schleinzer. Erzählt wird die Geschichte einer Frau im 17. Jahrhundert, die sich inder Hose bessere Chancen im Leben verspricht und sich deshalb als Mann ausgibt. Nach Jahren im Krieg gelingt es Rose, sich ein baufälliges Haus und ein Stück Land zu sichern, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Rose ihr Grundstück vergrößern will und deshalb die Tochter eines Witwers heiraten muss. Gebannt verfolgt das Publikum diese in Schwarzweiß gedrehte Tragödie, aus der es kein Entrinnen gibt. Eine Abweichung von der Norm war damals nicht akzeptiert. Die Handlung wird durch die eindringlich fremde Märchenstimme von Marisa Growald aus dem Off begleitet, expressive Celloklänge grundieren das Geschehen. Sandra Hüller spielt wieder zum Niederknien, Caron Braun als ihre Frau Suzanna ist ihr durchaus ebenbürtig.
In der Bewertung bei sreendaily liegt “Rose” vorne, aber “Gelbe Briefe” oder “Everybody digs Bill Evans” von Grant Gee haben uns auch gefallen. Man sollte allerdings die Berlinale nicht auf den Wettbewerb reduzieren. In den vielen Reihen lassen sich allemal Entdeckungen machen. “Allegro Pastell” nach dem Bestseller von Leif Rand lief in der Sektion Panorama und beobachtet eine selbstbezügliche On-Off-Millennial-Beziehung. Eine echte Entdeckung ist die atemlose Nachwende-Komödie “Sunny Point” (Retrospektive), die unter großem Zeitdruck und mit noch größerem Enthusiasmus aller Mitwirkenden in einem Monat abgedreht wurde; keiner wollte dafür einen Pfennig haben. Der in schwarz-weiß gedrehte Film von Wolf Vogel war jahrelang verschollen und wurde erst per Zufall von der Kinemathek wiedergefunden. Und noch eine Entdeckung auf dem Festival, diesmal in der Sektion Perspectives: “Where To” von Assaf Machnes. In seinem Taxifilm erzählt der Regisseur die Begegnung eines jungen, schwulen Israeli mit einem palästinensischen Uberfahrer, die sich auf gemeinsamen Fahrten durch Berlin kennen und schätzen lernen.
Versöhnung könnte möglich sein – diesen Gedanken darf man in Zeiten wie diesen nicht aufgeben, ohne in fatale Naivität zu verfallen. Darauf hat das Straubinger Tagblatt in den Pressestimmen des Deutschlandfunks hingewiesen, das dort übrigens gerne zitiert wird: „Wer sich im Hinblick auf einen atomaren Schutzschirm heute blind auf Paris oder London verlässt, blendet aus, dass dort Kräfte wie Marine Le Pen und Nigel Farage an die Macht streben. Mit unabsehbaren Folgen für die EU, die NATO und die europäische Sicherheit. Wäre also einer ‚Eurobombe‘ der Vorzug zu geben? Eine EU, die sich schon nicht auf eine gemeinsame Armee einigen kann und noch immer im rüstungspolitischen Kleinklein verharrt, soll im Ernstfall in Minuten entscheiden, ob atomare Waffen eingesetzt werden? Das liegt fernab jeder strategischen Realität.“ (17.02.26) Wohl kaum dürfte die “Ostdeutsche Allgemeine Zeitung” im Dlf zitiertwerden, die ab dem 20. Februar als gedruckte Ausgabe immer freitags in einer Auflage von 43.000 Exemplaren erscheint. Als Herausgeber fungiert der umstrittene Holger Friedrich (Berliner Zeitung).









