Dengue Demut

Am 11. November bekam ich das Denguefieber mit Schüttelfrost und Temperaturen über 40 Grad. Über zwei Tage fieberte und dämmerte ich vor mich hin, unfähig, irgendetwas zu machen. Zum Glück! Denn sonst hätte ich mit ein paar clicks im Netz gelesen, dass diese Virusinfektion mit sehr starken Kopf- und Gliederschmerzen einhergehen kann – deshalb wird diese Krankheit auch Knochenbrecherfieber genannt. Die Rückreise mit dieser Symptomatik wäre ein Albtraum geworden. Ohnehin wird der Flug eine Tortur, obwohl unsere Auslandskrankenversicherung das Upgrade in die Businessklasse nach etwas mühevollen Verhandlungen übernommen hat. 17,5 Stunden wird die Reise von Haus zu Haus dauern. Zum Glück habe ich mir nicht ausgemalt, welche Strapazen da auf mich zukommen, obwohl alles reibungslos lief. Nichtwissen kann manchmal entlasten! Es gibt eine Gnade der Naivität.

Allerdings war es reichlich naiv anzunehmen, dass Dengue nach 14 Tagen schon überstanden ist; es kann mehrere Wochen dauern, bis man wieder auf dem Damm ist. Immer wieder steigt die Temperatur, wenn ich mich an den Schreibtisch setze oder konzentriert im Liegen arbeite. Ich habe 5 Kilo abgenommen, bin kälteempfindlich, der Jetlag wirkt nach. Jeder Krankheitsverlauf ist anders. Hatte ich auf die Einschätzung des Arztes der Deutschen Botschaft in Delhi gehofft, ich müsse mich in der zweiten Woche nur noch ein bisschen schonen, so muss ich nun akzeptieren, dass ich noch längst nicht durch bin mit diesem indischen Andenken. So habe ich mittlerweile eine Dengue Demut entwickelt, habe erkannt, dass ich dieser Krankheit ihre Zeit lassen muss. Erzwingen lässt sich eine schnelle Genesung nicht. Inzwischen bin ich sehr dankbar, dass Dengue mich nicht voll erwischt hat, dass meine Einschränkungen gut auszuhalten sind. Warum ich? Ich hadere schon längst nicht mehr.

Dengue hatte mich die letzen beiden Wochen fast vollständig absorbiert. Nur mit großer Mühe habe ich meinen Job gemacht. Es war furchtbar anstrengend, ausgelaugt & schlapp die Weihnachtsausgabe zu planen, das normale Business zu erledigen und die Weichen für 2023 zu stellen. Für die Lektüre der Zeitung und fürs Radiohören fehlte die Kraft. Nach meiner Absenz sind die Nachrichten weiter bedrückend. 9 Monate dauert nun schon der Krieg in der Ukraine, und ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie die Menschen dort das Leben aushalten, wie sie immer wieder die Infrastruktur reparieren, die russische Bomben und Raketen zerstören. Der geschundenen Ukraine droht der schlimmste Winter seit 1945! Während ich komfortabel meine Infektion auskuriere, herrscht in Europa Krieg. Verhandlungen über ein Endes des Wahnsinns sind nicht in Sicht. Es ist zum Verzweifeln!

Indian Fever

Als Glühwurm erwacht – 39,6 Fieber. Plötzlich ist alles ganz anders. Die Weiterreise nach Goa können wir knicken, auf ein paar Tage Erholung am Meer hatten wir uns so gefreut. Stattdessen müssen wir im Hotel in Jodhpur bleiben; die nächsten beiden Tage dämmere ich hoch fiebernd im Bett. Die Krankheit, deren Namen ich noch nicht kenne, hat mich voll im Griff. Soll ich ins Krankenhaus gehen, wo auch die Royal Family des Ortes behandelt wird? Ich versuche es erst einmal mit Paracetamol, das auch der herbeigerufene Arzt verschreibt. Unser Plan ist, am Montag zurück nach Delhi zu fliegen und dann dann gleich zum Arzt der Deutschen Botschaft zu fahren, was sich als die richtige Entscheidung herausstellen wird. Keine Probleme mit dem Flug, wo übrigens eine strikte Maskenpflicht gilt. Ansonsten spielt der Mund-Nasen-Schutz keine Rolle mehr im indischen Alltag. Die Pandemie scheint längst vergessen.

Nach der Ankunft in Delhi geht es gleich weiter zur Deutschen Botschaft. Wir kommen sofort dran. Der Arzt untersucht mich und nimmt Blut ab. Kurze Zeit später kommt er mit dem Resultat aus dem Labor: „Es ist Dengue“. Ruhig erklärt er, was in mir abläuft und wie es weitergehen wird. Nach 5 – 7 Tagen geht das Fieber zurück, dann mindestens nochmal so lange dauert die vollständige Genesung. Viel trinken und liegen sind seine Empfehlung; eine Einweisung ins Krankenhaus ist nicht notwendig. Sinnvollerweise hätte ich mich mit diesem Virus vertraut machen sollen. Indien ist Hochrisikogebiet. „Bei Denguefieber handelt es sich um die sich am schnellsten ausbreitende virale von Stechmücken übertragene Krankheit; die Fallzahlen haben sich von 1960 bis 2010 verdreißigfacht.“ (Wikipedia) Mit dieser Infektionskrankheit steckten sich 2013 fast 390 Millionen Menschen an, schätzte die Zeitschrift „Nature“.

Ich bin also nicht allein und zudem in den allerbesten Händen. Die Tage verlaufen im Gleichmaß. Waren die ersten zwei Wochen der Reise prall gefüllt mit Eindrücken und Erlebnissen, herrscht jetzt ein Stillstand des Immergleichen. Trotzdem geht die Zeit voran. Wir besuchen noch einmal den Botschaftsarzt. Er ist mit dem Verlauf meiner Genesung zufrieden. „Dann kommt der Ausschlag, d.h. der Körper hat gesiegt.“ Ich beklage, dass ich von drei Wochen Indien eine im Bett verbringen musste. „Dafür haben Sie Denguefieber gehabt“, tröstet mich der lebenskluge Botschaftsarzt. So kann man es auch wenden. Er hat viel von Indien verstanden. Um diese Erfahrung reicher, muss ich mich in Geduld üben. Ich habe kein Fieber mehr und insgesamt einen milden Verlauf des Denguefiebers erlebt. Die Genesung wird aber noch dauern. Die Reise der zwei Geschwindigkeiten geht zu Ende.

Rajasthan

Late Night Shopping in Jaipur. ©️ Karl Grünkopf

Lost in Time. Was haben wir vor vier Tagen, was vorgestern alles unternommen. Wenn ich nachts einmal wach liege, fahre ich die Tour noch einmal. Die Reise durch Rajasthan beginnt am letzten Freitag. Längst haben wir uns daran gewöhnt, dass auch auf den Autobahnen jeder fährt, wie er will. Mal überholen wir die Laster rechts, dann links, mal kommen uns Autos, Motorbikes oder Tuk Tuks (Motor-Rikshahs) entgegen. Selbstverständlich queren Bullen und Fußgänger den Indian Highway, Kamelkarawanen stören niemanden. Das Chaos ist Prinzip, und trotzdem rollt der Verkehr, ohne dass sich irgendjemand aufregt. In unserem Heritage Hotel treffen wir die Freunde wieder, die ein paar Tage mit uns unterwegs sind, obwohl oder weil ihre Zeit in Indien bald zu Ende geht. Sie haben mit ihrem Reisebüro diese Rundreise geplant, ohne sie wäre uns dieser faszinierende Subkontinent der vielen Klassen, Kulturen und Religionen noch fremder geblieben. Nichts verstehen wollen, hinnehmen und erleben.

Crash kurz vor dem Ziel. © Gitti Grünkopf

Im tosenden Verkehr schaukelt uns der Fahrer in die rote Altstadt von Jaipur. Ich lasse mir die Haare schneiden inklusive Kopfmassage; wir schlendern durch enge Gassen, Bikes rasen an uns vorbei, gemütlich quert auch mal eine Kuh unseren Weg. Tags darauf sehen wir das berühmte Fort und den Palast der Winde, dann geht‘s weiter nach Bundi. An Rindern, Hunden, Schweinen und Affen vorbei spazieren wir den Weg hinauf zu einem Fort, das kurz vor der abendlichen Schließung nur noch wenige Touristen sehen wollen, die meisten übrigens aus Indien. Die Freundin führt uns zu einem kleinen Laden eines Webers; wir warten geduldig in der Männerecke. Mit den letzten Rupies ins The Palace View Restaurant, wo der gerne lachende Wirt und seine Schwiegertochter wunderbar für uns kochen; irgendwo im Internet sind unsere Fotos zu sehen. Weiter über Chittorgarh ins schönste Hotel dieser Reise – der alte Maharadscha-Palast in Udaipur liegt direkt am See (Fototapetenbilder: kein Problem). Vor der Idylle fährt uns der Schrecken in die Glieder. Beim U-Turn kracht es. Ich sehe, wie die Leute panisch den anderen Wagen verlassen, aus Angst, weitere Fahrzeuge würden hineinfahren. Mit zwei Tuk Tuks weiter ins Hotel, der eingedellte Kotflügel unseres Toyota ist schon am nächsten Tag ausgebeult.

Blick von der Hotelterrasse über den See in Udaipur. © Gitti Grünkopf

Unsere Wege trennen sich wieder. Die Freunde reisen via Delhi nach Kalkutta; unsere letzte Station in Rajasthan heißt Jodhpur. Zwischendurch halten wir am weltberühmten Tempel der Jain aus dem 15. Jahrhundert. “Bekannt ist der Jainismus für das Ideal der Nichtverletzung von Lebewesen. Jainas ernähren sich so, dass keine Tiere dafür leiden oder sterben müssen und Pflanzen nur im unvermeidlichen Maß geschädigt werden.“ (Wikipedia) Unsere Rundreise durch Rajasthan voller Eindrücke und Erlebnisse nähert sich dem Ende. Die Einfahrt zum Fünf-Sterne-Haus nimmt sich wie das Entree beeindruckend aus, die Zimmer eher nicht. Erst das dritte (!) rechtfertigt den Hotelauftritt im Internet. Gut so! Denn von den letzten Besichtigungen komme ich mit Fieber zurück und sinke erschöpft ins Bett – 39,34 Grad. Zum Glück haben wir uns mit indischem Aspirin versorgt. 20 Tabletten Disprin kosten 22 Rupies, ungefähr 25 Cent. Das gegenwärtige Äon gilt den Jain übrigens als ein Zeitalter des Verfalls. Wer wollte ihnen da widersprechen,

Incredible India!

Das India Gate im weitläufigen Regierungsviertel. ©️ Gitti Grünkopf

Nichts geht mehr beim Check-In in Frankfurt. Ich komme gerade noch durch die Sicherheitskontrolle, dann werden die Bänder angehalten. Keiner weiß Bescheid, keine Durchsage nirgends. Nach einer guten Stunde laufen die Bänder wieder an. Keine Erklärung, keine Entschuldigung. Das Boarding geht dann reibungslos, wir sind mit unseren Plätzen sehr zufrieden. Der Flug nach Delhi soll acht Stunden dauern, aber die Zeit vergeht im Nu. Ein paar Szenen aus dem Film „The Outfitter“, ein paar Stunden Halbschlaf, am ganz frühen Morgen gibt es ein Frühstück, und auf einmal kann man schon die Mega-City mit über 30 Millionen Einwohnern unter uns sehen.. Bei der Passkontrolle brauchen wir noch eine gute Stunde, schnappen unsere Koffer und treffen in der Vorhalle den Freund, der uns ins Parkhaus lotst. Mitten auf dem Weg dorthin liegen Hunde – niemand stört sich an den Tieren. Sein Driver fährt uns seelenruhig durch den dichten Verkehr ins Diplomatenviertel, wo uns ein Doorman das Tor öffnet und das Gepäck auslädt. Wir sind in einer anderen Welt angekommen – und werden herzlich von unserer Freundin in Empfang genommen.

Anstrengend, bunt und laut: Old Delhi. ©️ Gitti Grünkopf

Europäer im diplomatischen Dienst haben ganz selbstverständlich Driver, Doorman 24h und eine Maid, die sich um alles im Haus kümmert. Reiche Inder haben weit mehr Dienerschaft. Ein Nachbar hat die größte Mercedes-Vertretung in Nordindien; ein eigener Koch ist nur für das Personal zuständig. Schärfer könnte der Kontrast zu Old Delhi nicht sein. Während wir abends nach unserer Ankunft durch die weitläufigen Anlagen ums India Gate streifen, führt uns die Freundin zwei Tage später durch enge, laute Gassen mit tosendem Verkehr und einem andauernden Gehupe – trotzdem regt sich niemand auf. Schilder & Ampeln gibt es kaum, die Rikschas, Motorroller und Fahrräder drängeln sich durch und teilen die schmalen Gassen noch mit Passanten und Händlern. Die hocken in Old Delhi meist in höhlenartigen Verschlägen und bieten ihre Waren an; es scheint fast alles zu geben hier, natürlich auch Obst und Gemüse oder Imbissstände. Der Lärm ist groß, die Feinstaubbelastung extrem – an diesem Morgen warnte die Wetter-App vor einer gefährlichen Luftqualität!

Blick vom Agra Fort auf das Taj Mahal im Feinstaubsmog bei sehr ungesunder Luftqualität. ©️ Karl Grünkopf

Das Abenteuer geht weiter. Wir fahren im vollbesetzten Zug nach Agra. Am Ende unseres Programms steht das Taj Mahal. Foreigners zahlen weit mehr als Inder und müssen deshalb niemals lange warten. Wir bekommen sogar einen Private Guide, der sich als guter Fotograf und durchtriebener Lockvogel erweist. Unsere kleinen Alter Egos werden mir bei der „Sicherheitskontrolle“ abgenommen; der Guide nimmt sie in Verwahrung. Am Ende der Tour wollen wir unsere Schleich-Figuren zurückhaben und zum Ausgang. Der Guide besteht hartnäckig auf einen Umweg und führt uns zu einem Shop mit Marmor-Artikeln. Wir weigern uns, den Laden zu betreten, und verlangen unser Eigenturm zurück. Endlich rückt ein Verkäufer die Figuren heraus; wir streben zum Ausgang und müssen noch jede Menge Verkaufsattacken abwehren. Bald kommt unser Driver, wir steigen erleichtert ein. Die Menschen, nicht die Affen machten uns bei unserem ersten & letzten Besuch des eindrucksvollen Taj Mahal zu schaffen. Nach dem Dinner im Hotel werden wir von einer Party in den Garten gelockt und sind plötzlich Teil einer fröhlichen Hochzeitsgesellschaft. Incredible India!

Amt & Bürde

Die unerwartete Intensität der rechten Hetze isoliert „Die Bürgermeisterin“ Claudia Voss (Anna Schudt) zunehmend. © ZDF/ Martin Valentin Menke

Und täglich lockt der Corona-Test, der natürlich aus China kommt. Längst sind die Handgriffe Routine geworden. Stäbchen auspacken, mit dem Abstrich aus der Nase ins Serum, dann zwei Tropfen auf den schicken Test-Streifen. Jetzt wird’s spannend. Zeigen sich zwei Striche, bist Du positiv, färbt sich nur einer, ist alles positiv und Du hast Corona für dieses Mal überstanden. Trotz überwundener Infektion und Doppel- oder gar Dreifach-Booster ist nicht ausgeschlossen, dass man sich wieder mit einer neuen Variante infiziert. Das müssen wir schicksalsergeben hinnehmen wie die Entscheidungen des Bundeskanzlers, der sich in der Koalition und in seiner eigenen Partei zunehmend isoliert. Teile eines Hamburger Container-Terminals werden – mit massiver Unterstützung von Olaf Scholz – an den chinesischen Staatskonzern COSCO vertickt, der schon an 13 europäischen Häfen, darunter Antwerpen und Rotterdam, beteiligt ist. Müssen wir derzeit nicht alle schmerzhaft erfahren, dass die kritische Infrastruktur niemals zur Disposition stehen darf?

Nun also endlich wieder negativ. Die Corona-Tage lassen sich in der Erinnerung kaum mehr voneinander unterscheiden. Am Anfang Bed-Office, dann Home-Office, ein paar gymnastische Übungen, nach der Mittagspause wieder an den Rechner – tagaus, tagein. Abends schauen wir im Heimkino Filme und stoßen einmal völlig überraschend auf „Die Bürgermeisterin“, ein TV-Drama im ZDF. Normalerweise gucken wir fast gar kein Fernsehen, und TV-Dramen schrecken besonders ab. Ein Vorurteil! Denn dieser Film erzählt mit ruhiger Hand, wie eine ehrenamtliche Ortsbürgermeisterin unter Druck gerät, als in ihrem Stadtteil ein Flüchtlingsheim entstehen soll. Claudia Voss (großartig: Anna Schudt) wird dafür verantwortlich gemacht, obwohl sie nur ausführen muss, was der Landkreis beschlossen hat. Das rechte Bürgertum und der rechte Mob arbeiten Hand in Hand und setzen der Bürgermeisterin und ihrer Familie offen und versteckt zu, bis sie am Ende ihrer Kraft sind. 4,2 Millionen Zuschauer sahen dieses überzeugende TV-Drama, das noch bis zum 14.10.23 im ZDF verfügbar ist.

Wie dicht der Film von Christiane Balthasar (Regie) und Magnus Vattrodt (Buch) an der Realität ist, belegt die anschließende Reportage „Engagiert und attackiert – Wenn Politiker zur Zielscheibe werden“. Die Zahlen sind erschreckend. „Zerstochene Reifen, Hass-Nachrichten, Morddrohungen: Mehr als die Hälfte der Bürgermeister in Deutschland hat das bereits erlebt. Immer häufiger werden sie zur Zielscheibe“, schreibt das ZDF auf seiner Homepage zu der Doku von Lisa-Marie Schnell (bis 17.10.24 in der ZDF-Mediathek). Von 11.500 Bürgermeister:innen (davon 8.000 übrigens im Ehrenamt) haben das 57% schon erlebt; 19% erwägen deshalb, sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen. Was Wunder, dass sich nur drei von ihnen vor der Kamera äußern wollten, u.a. Belit Onay. Den OB von Hannover erreichte nach seiner Wahl vor drei Jahren ein niederträchtiger Shitstorm. Es ist vieles, sehr vieles faul in deutschen Landen. Zumindest aber sind hierzulande unsere nächsten Verwandten im Tierreich recht fein artig – anders als in Indien. „Neu-Delhis Affenbande spielt verrückt“ titelt der Tagesspiegel. Morgen werden wir es vor Ort erleben. Namaste!

Positiv

Striche lügen nicht. © Rolf Hiller

Nun hat das Virus auch mich erwischt. Am Montag war ich noch negativ, tags drauf auf der Rückfahrt abends fühlte ich mich schlapp & schlapper, aß zu Hause noch Nudeln mit Mangold und fiel sofort ins Bett. Das Bistro im ICE war wieder einmal geschlossen – dieses Mal gab’s keine Beleuchtung. Vorsichtshalber hatte ich schon alle Termine am letzten Wochenende abgesagt; nun wurden die Verabredungen für diese Woche gestrichen. Das ist selbstverständlich; mir ist nicht nachvollziehbar, warum 10% aller Berufstätigen mit positivem Test zur Arbeit gehen. Zum Hausarzt habe ich mich allerdings nicht bemüht; das machen inzwischen die wenigsten Infizierten mit nur leicht grippalen Symptomen. Die Zahlen der Corona-Warn-App spiegeln deshalb nicht mehr annähernd die wahre Verbreitung der neuen Omikron-Variante wider, gegen die meine zweite Booster-Impfung aus dem Juli kaum wirkt. Es wird höchste Zeit, dass auch hierzulande ein flächendeckendes Abwasser-Monitoring eingeführt wird, was in vielen anderen europäischen Ländern längst passiert ist.

Durch unsere positiven Tests hat eine Selbstisolierung begonnen; wir verlassen kaum noch unsere Wohnung. Mit Skrupeln und Maske, versteht sich, die nötigsten Einkäufe machen? Darf man das überhaupt? Eine Recherche im Netz verschafft Klarheit: „Wer in Quarantäne oder Isolation geht, bleibt zu Hause und verlässt die Wohnung nicht – auch nicht zum Einkaufen.“ (rbb24.de) Ein Selbsttest genüge nicht zur Freitestung. Hält sich da jemand dran? Zum Glück lässt sich in digitalen Zeiten fast alles von zu Hause erledigen. Der Job, die noch notwendigen Besorgungen für unsere Reise nach Indien nächste Woche, die schon zweimal der Pandemie zum Opfer fiel. Einmal waren die Zahlen dort besonders hoch, im Frühjahr war es umgekehrt. Bis nächste Woche sind wir hoffentlich erst einmal durch mit dieser Infektion. Sicher ist das nicht. Freunde von uns – auch viermal geimpft – erkrankten fast zur gleichen Zeit wie wir, hatten über 39 Grad Fieber, hartnäckigen Husten und fühlen sich schlapp und kraftlos. Das macht diese Virusinfektion so unheimlich – man weiß nicht, wann und wie schlimm sie uns trifft und welche Folgen sie haben kann. Schätzungen gehen von einer halben Million Patient:innen mit Long Covid in Deutschland aus.

Die volkswirtschaftlichen Folgen der Pandemie lassen sich seriös noch überhaupt nicht abschätzen. Das gilt nicht minder für die Konsequenzen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, die uns im Herbst und Winter ganz unmittelbar treffen werden. Die Energiekosten gehen durch die Decke, die Inflation ist auf dem höchsten Stand seit 70 Jahren. Ein Sondervermögen von 200 Milliarden Euro, vulgo neue Schulden, sollen die schlimmsten Folgen der schlimmsten Krise der Bundesrepublik, in die das Land gerade taumelt, mildern. Strukturell ändern diese Mittel überhaupt nichts an der Abhängigkeit von fossilen Energien. Der Umbau der Energieversorgung wird noch Jahre dauern. Auf diesen Winter folgt der nächste. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Deutschland zu Unterbrechungen der Stromversorgung kommt. In weiten Teilen der Ukraine sind Strom und Wasser nur stundenweise verfügbar; viele Menschen verlassen ihre Heimat. In der Nähe von Wismar wurde ein Heim für ukrainische Flüchtlinge abgebrannt. Es ist eine Schande!

Sicherheit ist nirgends

„Das Ereignis“ mit der eindrucksvollen Hauptdarstellerin Anamaria Vartolomei ist eine kongeniale Verfilmung der literarischen Vorlage von Annie Ernaux. © Prokino

Schöne neue Welt. Wir freuen uns über den Literaturnobelpreis für die Französin Annie Ernaux, stöbern bei Prime Video von Amazon – und finden dort „Das Ereignis“, eine kongeniale Adaption ihres Werkes aus dem Jahr 2000. Der Film von Audrey Diwan mit der grandiosen Hauptdarstellerin Anamaria Vartolomei wurde im letzten Jahr bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet; im Wettbewerb der Berlinale sind Beiträge von solcher Wucht und Qualität leider nicht mehr zu erleben. Von einem Moment auf den anderen ändert sich das Leben einer jungen Frau. Sie ist ungewollt schwanger; auf Abtreibung steht in Frankreich 1963 eine Gefängnisstrafe. Diese Lage schildert Annie Ernaux in ihrer autofiktionalen Verdichtung auf 104 Seiten. Trotz ihrer Sympathie für den BDS interessiert mich diese Autorin. In einer nahe gelegenen Buchhandlung bekomme ich das letzte vorrätige Buch von Annie Ernaux und lese den schmalen Band „Das andere Mädchen“ in einem Rutsch.

Die Erfahrung, dass plötzlich alles ganz anders ist, machen wir derzeit alle. Eine glühende Wagner-Verehrerin musste während der Premiere der „Götterdämmerung“ wegen aufflammenden Fiebers fluchtartig die Berliner Staatsoper verlassen, meine Yoga-Stunde fiel wegen Corona aus, einen Geschäftspartner hat es erwischt – die Pandemie ist mit einer neuen Virus-Variante zurück, die Zahlen steigen rasant. Nun ist die Redakteurin dieser Zeilen positiv. Unsere Hausarztpraxis ist wegen Krankheit geschlossen, aber PCR-Tests werden ohnehin nicht mehr kostenlos gemacht, d.h. die in der Corona-Warn-App angezeigten Werte dürften deutlich höher liegen. Was tun? Ruhe bewahren und Masken tragen im öffentlichen Raum. Das machen wir schon immer, und unsere Freundin, die es ziemlich erwischt hat, hat sich vorgenommen: „Ich werde NIE wieder ohne FFP2 Maske irgendwo hin gehen. Vier Mal geimpft, ich dachte, ich bin auf der sicheren Seite. Ich schäme mich wirklich.“

Wenn es doch „nur“ die Pandemie wäre? Wohin man schaut, es türmen sich die Probleme. Der Ukrainekrieg dauert nun fast schon acht Monate, es kommen mehr Flüchtlinge nach Deutschland als 2015/2016, die Wirtschafts- und Energiekrise wird eine Sozialkrise auslösen, die Inflation ist da, die Rezession kommt, gleichzeitig werden händeringend Fachkräfte gesucht, und es werden zu wenig Wohnungen gebaut. Was denn noch? Durch die Wahl in Niedersachsen gerät die Ampel noch weiter unter Druck. Es passt noch weniger zusammen, als es beim Start vor einem Jahr zusammengepasst hat. In den Worten der Süddeutschen Zeitung: „Als FDP-Chef Christian Lindner nun seine Treue zur Koalition mit ’staatspolitischer Verantwortung‘ begründete, da dachte man an Eheleute, die es nur der Kinder wegen miteinander aushalten.“ (10.10.22) Zumindest scheint es eine Zukunft für das Neun-Euro-Ticket zu geben. Das brachte zwar ökologisch fast nichts, ist sozial unausgewogen, hat aber die Mobilität im bundesweiten Tarifdschungel des ÖPNV vereinfacht. Wenigstens das ist sicher.

Passion eines Dorfes

Die Geschichte ist bekannt und berührt immer wieder: Kreuzabnahme bei den Passionsspielen in Oberammergau © Birgit Gudjonsdottir

Wie vom Navi geplant, treffen wir pünktlich in Oberammergau ein. Wie von der Wetter-App angekündigt, beginnt es ebenso pünktlich zu regnen. Alles ist in dem kleinen bayerischen Dorf mit 5.400 Einwohner:innen bestens organisiert. Der Transfer im vollen Bus vom Parkplatz in den Ort klappt reibungslos. Im Dauerregen durch die Menschenmengen zum Festspielhaus. Bei der Einlasskontrolle werde ich mit meinem Stockschirm, den ich mir im Hotel geliehen hatte, zurückgewiesen und muss ihn in einem Gepäck-Container deponieren. Wir drängen uns unter dem kurzen Dach vor unserem Eingang – und sind endlich drin in der riesigen Halle, die über 4.500 Plätze bietet. Natürlich gibt es die üblichen Probleme bei Großveranstaltungen – die Frauen stehen in langen Reihen vor der Toilette. Eine scheint es besonders eilig zu haben, sie entert das Männerabteil mit dem Ruf „Ist eine Kabine frei?“ und gelobt „Ich gucke nicht, ich gucke nicht.“ Vorsorge aber ist in Oberammergau unbedingt von Nöten. Das Passionsspiel dauert fünf lange Stunden mit einer dreistündigen Pause nach der Hälfte der Zeit.

Wir sitzen hervorragend in der Mitte einer endlos langen Reihe auf Stühlen mit einem kleinen Polster. Trotzdem haben wir Decken & Kissen dabei und sind ansonsten ausgerüstet wie für eine winterliche Expedition. Ich stoße mit den Knien an den Vordersitz und fühle mich wie fixiert – das wird eine lange Passion. Ein frischer Wind ist zu spüren, denn hinter der Bühne ist es offen, wahrscheinlich um die vielen Mitwirkenden und die Tiere einzulassen. Die Atmosphäre ist einmalig, und längst sind die Passionsspiele eine weltweite Marke. Neben uns sitzt eine Familie, die eigens aus Hawaii angereist ist und – man höre & staune – das Münchner Oktoberfest nicht kennt. Die Aufführung, die einst 8 Stunden dauerte, ist ein Gesamtkunstwerk der ganz besonderen Art. Erwachsene dürfen nur mitmachen, wenn sie seit mindestens zwanzig Jahren in Oberammergau leben. Um so erstaunlicher, dass die Schauspieler:innen, die Sänger:innen, das Orchester und der Chor tatsächlich aus dem Dorf kommen und beileibe nicht wie eine Laienspielschar agieren.

Wir rätseln bei einer deftigen Mahlzeit im Wirtshaus, ob es eine spezielle Oberammergau-DNA gibt; es ist schier nicht nachvollziehbar, dass ein kleines Dorf solch ein kreatives Potenzial besitzt. Immerhin werden die Passionsspiele seit 1680 alle 10 Jahre aufgeführt, immerhin begeistert sich ein ganzer Ort für diese gemeinsame Sache. Viele stellen ihre Job- und Urlaubsplanung darauf ab und sind mächtig stolz, dabei sein zu dürfen. Fast ein Viertel der Einwohner:innen von Oberammergau war heuer bei den über 100 Veranstaltungen aktiv, die fast eine halbe Million Menschen aus aller Welt anzogen. Herausheben aus diesem Gesamtkunstwerk muss man Christian Stückl (61), der als Spielleiter seit 1986 im Amt ist und in seiner Zeit viele Neuerungen durchsetzen konnte. Die Faszination der Passionsspiele in Oberammergau, deren Gewinn bei der Gemeinde bleibt, ist ungebrochen; und wir waren nicht die einzigen, die heuer zum ersten Mal kamen. Liegt es daran, dass unsere Zukunft ungewisser denn je ist? „Erstmals wurde das Passionsspiel 1634 als Einlösung eines Gelübdes  nach der überstandenen Pest aufgeführt.“ (Wikipedia) Die Corona-Warn-App signalisierte nach dem Besuch in Oberammergau eine Begegnung mit erhöhtem Risiko. Schon geht die Rede von einer neuen Herbstwelle.

Lebendig ist, wer wach bleibt

Élise (Marion Barbeau) in dem so schönen wie wahren Film „Das Leben ein Tanz“ von Cédric Klapisch. © Studiocanal GmbH / Emmanuelle Jacobson-Roques

Es ist wie immer bei einer Premiere der Komischen Oper Berlin, und doch ist dieses Mal alles ganz anders. Das Publikum strömt ins Haus, schnappt sich eine aufwändig gestaltete Saisonbroschüre und sucht seine Plätze. Die neue Doppelintendanz Susanne Moser und Philip Bröking – beide schon lange am Haus – eröffnen ihre erste Spielzeit mit einem Paukenschlag: „Intolleranza 1960“ von Luigi Nono. Das ganze Haus wurde für die sechs Aufführungen umgebaut. Wo sonst die Zuschauer:innen sitzen, ist jetzt eine weiße Landschaft, in die wir uns mit weißen Umhängen wie beim Barbier einfügen (Regie: Marco Stormann). Das Orchester sitzt oben im Rang, der phantastische Chor ist mitten im Geschehen. „Nono nimmt in Intolleranza 1960 Bezug auf gesellschafts- und ökopolitische Katastrophen seiner Zeit“, lesen wir im informativen Programmheft und werden doch nur von der Zwölfton-Musik mit ganz viel Schlagzeug und vor allem von Sean Panikkar (ein Flüchtling) und Gloria Rehm (seine Gefährtin) gebannt.

Die Inszenierung verliert sich im weißen Raum, findet für die Textvorlagen keine starken Bilder; zudem wird „Intolleranza 1960“ mittendrin angehalten – Ilse Ritter trägt einen politisch korrekten Text von Carolin Emcke vor. „Das ist ja wie bei der documenta“, zischelt es treffend. Das sollte sich mal jemand bei einer Wagner-Oper trauen! Dennoch Standing Ovations für einen mutigen Auftakt in der Komischen Oper. Die hätte auch der grandiose Film „Das Leben ein Tanz“ verdient. Cédric Klapisch erzählt die Geschichte einer klassischen Balletttänzerin, die sich nach einem Sturz in ein neues Leben kämpft. Marion Barbeau, eine professionelle Tänzerin, spielt Élise so authentisch, als würde sie wie alle anderen gar nicht spielen, sondern leben. En passant wird der Unterschied zwischen dem klassischen Ballett, das schwerelos zum Himmel strebt, und dem Modern Dance deutlich, dessen Bodenhaftung den Menschen nimmt, wie er ist. Geleitet wird die Kompanie im Film vom israelischen Choreographen Hofesh Shechter. Er macht Élise Mut. Durch ihn, eine neue Liebe und eine weise Ratgeberin findet sie zurück: in ihr Leben als Tänzerin.

Ganz beseelt verlassen wir das Kiez-Kino, das noch nummerierte Eintrittskarten von der Rolle verkauft und unseren Besuch mit 2 Stempeln auf einer Bonuskarte belohnt. Diese kleinen Häuser mit langer Tradition und dem Charme einer besseren Zeit stemmen sich gegen den Trend. „2021 generierten in Deutschland zehn Titel 56 Prozent aller Kinoeinnahmen.“ (Tagesspiegel, 24.09.22). Der Strukturwandel und die drastischen Umsatzrückgänge infolge der Pandemie treffen die kleinen Häuser besonders hart. Sie haben keine Rücklagen, um höhere Energiekosten und eine Rezession zu überstehen. Hier steht nicht bloß ein Geschäftsmodell zur Disposition, hier droht eine ganze Kultur unterzugehen. Was das bedeutet, haben wir bei unserem Besuch in Los Angeles vor vier Jahren erlebt. „Lebendig ist, wer wach bleibt“, schrieb der Dichter Angelo Maria Ripellino und inspirierte Luigi Nono zu seinem ersten Musiktheaterwerk. Lebendig bleibt, wer ins Kino geht.

Freedom

Der Krieg in der Ukraine geht in eine neue Phase – Ausgang weiterhin ungewiss. © Brigitte Werner auf Pixabay

Was für ein furioser Abschluss des Musikfests Berlin! Die BigBand der Deutschen Oper spielte Charles Mingus‘ spektakuläre, über zwei Stunden dauernde Suite „Epitaph“, um die sich manche Geschichten & Mythen ranken. Zu Lebzeiten des genialen Bassisten & Komponisten wurde das Werk nicht mehr aufgeführt. Nach einer öffentlichen Generalprobe im Jahr 1962 – später als „Town Hall Concert“ veröffentlicht – kam es zu Tumulten, und Mingus warf seine unvollendete Arbeit in die Ecke. Unter der Federführung von Gunther Schuller wurde Epitaph erst wieder 1989 aufgeführt – zehn Jahre nach Mingus‘ Tod. Mit dabei war damals der Trompeter Randy Brecker, den das Publikum jetzt in der Philharmonie bejubelt. Die um Musiker:innen des Jazz-Instituts Berlin verstärkte BigBand unter der Leitung von Titus Engel kommt immer besser ins Spiel und findet jenen unverwechselbaren Mingus-Sound. Standing Ovations für ein Sonderkonzert der Extraklasse. Es ist wie früher, als in dieser Konzerthalle noch die Berliner Jazztage stattfanden.

Im zweiten Teil der Suite gibt es das Stück „Freedom“, das mit den Worten schließt – „but no freedom for me“. Freiheit wünscht Mingus allen und weiß doch, dass es für ihn keine geben wird. „Charles Mingus junior war wie sein Vater relativ hellhäutig und sollte später als ‚Mischling‘ besonders sensibel auf die bis in die 1960er Jahre virulenten Rassenkonflikte reagieren.“ (Wikipedia) Diesen tiefen Pessimismus teilt er mit dem italienischen Komponisten Luigi Dallapiccola (1904 – 1975), der die Erzählung „Die Marter der Hoffnung“ von Auguste de Villiers de L’Isle-Adam als Vorlage zu seiner 45-minütigen, selten gespielten Oper „Der Gefangene“ nutzte, die weniger musikalisch als philosophisch beeindruckt und ebenfalls im Rahmen des Musikfests Berlin aufgeführt wurde. Selbst die Hoffnung eines Häftlings wird als sublimes Instrument der Folter genutzt – es gibt kein Entrinnen nirgends. Das Werk Dallapiccolas entstand im Banne der Gräueltaten des deutschen und italienischen Faschismus. Man muss seine negative Anthropologie nicht teilen, aber im Lichte des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist seine Dystopie nicht so einfach abzutun.

Mit der Teilmobilisierung russischer Reservisten und den sog. Volksabstimmungen in den besetzten Gebieten der Ukraine geht der Krieg in eine neue Phase – Ausgang weiterhin ungewiss. Das mag ein „Akt der Verzweiflung“ (Olaf Scholz) von Präsident Putin sein, macht die Situation aber um so unberechenbarer. Wie fest sitzt Putin noch im Sattel? Was würde passieren, wenn er stürzt? Was würde er tun, um seinen Sturz zu verhindern? Es ist nicht ausgeschlossen, dass dann noch üblere Revanchisten die Macht übernehmen. Dass China, Indien und die Türkei inzwischen von Russland abzurücken scheinen und Verhandlungen anmahnen, macht dagegen Mut. Putin muss weiter isoliert werden; trotzdem müssen Gespräche mit ihm jederzeit möglich sein. Diese Doppelstrategie ist mit einem EU-Mitglied nicht denkbar. Wenn die Umfragen sich bestätigen, wird die 45-jährige Römerin Giorgia Meloni mit ihrer postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia die Wahlen am Sonntag gewinnen und könnte zur ersten Ministerpräsidentin werden. Che ne sarà dell’Italia?