
Mit dem Fahrrad mache ich mich auf den Weg zum Ahornsteig in den Berliner Tiergarten. Ein ruhiger, etwas windiger Sommertag. Nur die Blumen und Grußbotschaften gemahnen, dass hier am 25. Juli der 21-jährige Islamist Abdul Ballout mit einem Lieferwagen in den Park gerast war. Der deutsche Staatsbürger wollte Besucher:innen des Christpher Street Day umbringen, die auf dem Heimweg waren. Dabei tötete er eine Frau und verletzte 31 Menschen teils lebensgefährlich. Nach seiner Amokfahrt stach er auf die Flüchtenden noch mit einer Machete ein. Handschriftlich notiere ich nach diesem erneuten Anschlag in meinen “Leuchtturm”: NICHT AUFGEBEN. UNSER LEBEN. UNSERE GESELLSCHAFT VERTEIDIGEN!!! Vielleicht hätte man diesen Terroranschlag verhindern können, sicher ist hingegen, dass es in Deutschland mittlerweile über 9000 gewaltbereite Islamisten gibt; allein in Berlin sollen es laut Verfassungsschutzbericht aus dem letzten Jahr “1940 zumindest gewaltbereite Islamisten” (Tagesspiegel, 27.07.26) sein. Die Radikalisierung erfolgt immer früher. Zu klären ist, welche Rolle dabei Social Media, Hassprediger und ihre Gemeinden spielen.

Nachdenklich fahre ich weiter durch den wieder so friedlichen Tiergarten Richtung Brandenburger Tor. Immer wieder geht mir das Credo des späteren Bundespräsidenten Johannes Rau durch den Kopf. “Versöhnen statt spalten” war das Motto seiner Kanzlerkandidatur 1987; er holte damals 37% der Stimmen für die SPD. Helmut Kohl erreichte mit der Union 44,3% und konnte mit der FDP weiterregieren. Raus Vision ist heute wichtiger denn je – und unerreichbarer. Trotzdem müssen wir an dieser Vision festhalten. Vor dem Brandenburger Tor liegt ein riesiger Blumenteppich als Ausdruck der Trauer, aber auch des Lebens in unserer vielfältigen Gesellschaft, das es zu bewahren und verteidigen gilt. “DON’T LET THEM DIVIDE US”, hat jemand auf ein Pappschild am Ahornsteig geschrieben. Nichts weniger als die Demokratie steht auf dem Spiel, weltweit sind die Populisten auf dem Vormarsch. Ihre Ziele sind überall gleich: die unabhängigen Medien und Gerichte werden auf Linie gebracht, die zentralen Positionen in (kulturellen) Institutionen mit Gefolgsleuten besetzt, die Wirtschaftspolitik wird scheinbar patriotisch ausgerichtet, und die Eliten machen sich noch schamloser die Taschen voll.
Derzeit muss die AfD hierzulande nur zuwarten und die eigenen Richtungskämpfe (Nordrhein-Westfalen) unter den Teppich kehren. Ihre rückwärtsgewandten Konzepte (Ausstieg aus der EU, Wiedereinführung der DM, Rückkehr zur fossilen Partnerschaft mit Russland) haben keine Zukunft. Um so mehr ist dem unbeliebtesten Kanzler aller Zeiten zu wünschen, dass er mit seiner Koalition doch noch die Kurve kriegt und die wichtigen Landtagswahlen im Herbst nicht völlig in die Hose gehen. “Es ist ein Jammer”, befindet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, “wie er (Friedrich Merz) ohne Not die eigene Partei gegen sich aufbringt. Wie er einen Ministerwechsel versemmelt. Wie er aus einem im Kern überschaubaren Kabinettsumbau ein ernsthaftes Problem für seine CDU macht, das die Partei mancherorts bis ins Mark erschüttert und zugleich die eigene Position als Kanzler und Parteichef beschädigt. Und dies nicht zum ersten Mal.“ (29.07.26) Als überzeugter Anhänger unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung muss man Friedrich Merz Fortüne wünschen, es geht nicht nur um sein politisches Schicksal.









