Die Hoffnung stirbt nie!

Wolodymyr Selenskyj an Wladimir Putin: „Setz Dich zu mir, sag mir, wovor Du Angst hast.“ © Pixabay

Wir haben es nicht geschafft, leider! Wir waren nicht bei der größten Friedensdemonstration seit Jahrzehnten auf der Straße des 17. Juni in Berlin. Die Veranstalter meldeten eine halbe Million Teilnehmer:innen, die Polizei ging von über 100.000 Menschen aus, die gegen Putins Überfall auf die Ukraine demonstrierten. Mucksmäuschenstill sei es während der Schweigeminute gewesen; nur die Vögel hätten gezwitschert. Ein starkes Signal für die Ukraine, die nach einer Woche Krieg zunehmend in Bedrängnis gerät. Das UN-Flüchtlingshilfswerk rechnet mit 10 Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen werden; davon suchen vermutlich 6 Millionen einen sichereren Ort im Land. Die größte Flüchtlingswelle seit dem 2. Weltkrieg droht. Anders als 2015 zeigen sich dieses Mal auch Polen und Ungarn gastfreundlich und haben schon Hunderttausende aufgenommen. Die Hilfsbereitschaft ist im Moment (noch) beeindruckend. Jede:r überlegt, wie der Ukraine geholfen werden könnte. Morgen hat eine Mitarbeiterin Geburtstag und bittet in einem Facebook-Post, in diesem Jahr auf Geschenke zu verzichten – und zu spenden.

Unter Tränen berichtete eine Deutschlehrerin aus Kiew im Radio, es gebe in der Ukraine Gerüchte , die Russen wollten das AKW Tschernobyl in die Luft sprengen. Wir wollen es nicht glauben, wir wollen nicht wahrhaben, wozu Putin fähig ist. Nach dem Aufstehen mache ich morgens immer sofort das Radio an und höre mit Schrecken, das AKW Saporischschja wurde  bombardiert. Zwar ist keiner der sechs Reaktorblöcke des größten Atomkraftwerks in Europa getroffen, aber diese Nachricht ist dennoch schockierend. Inzwischen haben die Russen das AKW eingenommen. Offensichtlich wollen sie die Versorgungsinfrastruktur unter Kontrolle bringen und die Ukraine zur bedingungslosen Kapitulation zwingen. Wie es scheint, ist Putin nicht bereit, sich auf Gespräche einzulassen. Mit dem Mut der Verzweiflung wendet sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj  direkt an den russischen ‚Zaren‘: „Ich beiße nicht. Ich bin ein ganz normaler Typ. Setz Dich zu mir, sag mir, wovor Du Angst hast.“ (zitiert aus dem F.A.Z. Newsletter vom 04.03.22).

Wenn Rationalität und Verständigung nicht mehr möglich sind, wird es gefährlich – für uns alle. Wen auch immer ich treffe uff de Gass‘ oder in Geschäften: alle sind voller Sorge. Der Überfall auf die Ukraine betrifft uns jeden. Was die Menschen dort durchmachen, können wir uns nicht vorstellen. Anfang der Woche war für einige Zeit die Heizung ausgefallen, und ich saß in Decken gehüllt am Rechner; es wurde unangenehm frisch in meinem Zimmer. Nach ein paar Stunden war es wieder warm und alles wieder in Ordnung, wahrscheinlich dank russischer Rohstoffe. Nichts ist in Ordnung! Wie mag es den Bürger:innnen in Kiew gehen, die seit einer Woche Nacht für Nacht angsterfüllt in den kalten U-Bahn-Stationen kampieren? Kanzler Olaf Scholz hat recht mit seiner Diagnose einer Zeitenwende, manche sprechen gar von einem Epochenbruch. Was das bedeutet, weiß niemand. Wir sollten auch, aber nicht nur mit dem Schlimmsten rechnen. „Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, die Hoffnung stirbt nie!“ (Anonymous)

Realitätsschock

„Nach dem 11. September 2001 wird der 24. Februar 2022 als das zweitwichtigste Datum in die Geschichte des 21. Jahrhunderts eingehen: als Datum der Rückkehr des Krieges in Europa.“ (Le Parisien / Paris, 25.02.22) © Pixabay

Wir sind explizit gewarnt worden. Vor den heftigen Gewaltszenen in dem kasachischen Film „Baqyt“ (Happiness), der den Panorama Publikums-Preis (PPP) von radioeins und rbb Fernsehen bekommen hat. Mit Wucht erzählt die Regisseurin Askar Uzabayev vom Scheitern einer Ehe, dem Versuch einer Frau, aus der Hölle ihres Lebens auszubrechen. Als sie ihrem Mann mit Charme & List nahebringen will, er solle sich doch eine Jüngere suchen, rastet der vollkommen aus – sie muss ins Krankenhaus. Dass sie von ihrer Schwägerin, einer fiesen Apparatschik, dazu gedrängt wird, ihren Bruder nicht anzuzeigen, spiegelt die Verhältnisse im neuntgrößten Land (!) der Welt wider. Schließlich entlädt sich die über Jahrzehnte angestaute Wut der Frau (großartig: Laura Myrzakhmetova); wie von Sinnen schlägt sie mit einem Hammer auf den schlafenden Schläger ein. Am Ende von „Baqyt“ – bei der Berlinale uraufgeführt – bugsiert sie ihren Mann im Rollstuhl zurück in die Wohnung; vom Gericht dazu verurteilt, auf immer bei ihm zu bleiben. Die Gewalt hat ein Ende, die Hölle auf Erden nicht.

„Wir – Festivalmacher*innen, Künstler*innen, Filmemacher*innen… – sind in Gedanken bei unseren Freund*innen in der Ukraine und stehen ihnen in einem Aufruf zum Frieden zur Seite“. Das wurde gestern in einem Berlinale-Statement zur Situation der Ukraine per Mail verbreitet. „Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht“, sagte Außenministerin Annalena Baerbock nach einer Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt. Stimmt, aber über Nacht wurde die Welt keine andere. Seit Wochen informieren die Amerikaner über russische Truppenbewegungen, ihr Präsident Biden sprach aus, was Kanzler Scholz erst nicht über die Zunge gehen wollte: im Falle einer Invasion in der Ukraine wird Nord Stream 2 gestoppt. Seit Jahren wurden die deutschen Putin-Versteher von den NATO-Partnern dafür kritisiert, seit Jahren ist der Zustand der Bundeswehr bekannt. Jetzt rächt sich diese Naivität bitter. Ebenso ist es illusorisch zu glauben, Zar Putin hätte die Sanktionsdrohungen der EU nicht einkalkuliert. Schon bei der Aussetzung des Swift-Abkommens gibt es wieder keine Einigkeit in der EU. Angeblich verfügt Russland derzeit über fast 700 Milliarden Euro an Devisenreserven; auf Gas, Kohle und Öl von dort ist besonders Deutschland weiter angewiesen.

Zur Wahrheit zählt auch, dass die NATO ohne die Amerikaner nicht viel taugt. „Nur die USA garantieren die Sicherheit Europas“, hält die Magdeburger Volksstimme (19.02.22) fest. Heute zieht die kroatische Zeitung Jutarnji List aus Zagreb einen naheliegenden Vergleich und malt eine düstere Perspektive aus: „Putins Angriff auf die Ukraine ist eine Kopie von Hitlers Angriff auf Polen am 1. September 1939. Die transatlantische Allianz muss jetzt koordiniert und entschlossen Putin entgegentreten. Andernfalls wird es das Ende der liberalen Demokratie sein.“ (25.02.22) Diese Zitate habe ich der Internationalen Presseschau im Deutschlandfunk entnommen, die ich sehr empfehlen kann. Gerade hat der russische Außenminister Sergej Lawrow der ukrainischen Regierung die demokratische Legitimation abgesprochen. Zynischer geht’s nicht. Nicht auszudenken, was wäre, wenn der amerikanische Präsident noch Donald Trump hieße…

Bataclan

Céline (Noémie Merlant) und Ramón (Nahuel Pérez Biscayart) scheinen den Terroranschlag bewältigt zu haben. „Un año, una noche“ © Bambu Producciones, Mr. Field & Friends Cinema, La Termita Films, Noodles Productions

Wer wagt, gewinnt! Carlo Chatrian (Künstlerische Leitung) und Mariette Rissenbeek (Geschäftsführung) hatten ganz darauf gesetzt, dass die 72. Berlinale wieder als Live-Veranstaltung stattfindet. Was hatte man den beiden nicht alles um die Ohren gehauen. Teilnehmer:innen seien gezwungen, Russisch Roulette zu spielen; die Organisatoren würden „die bewusste Inkaufnahme einer Durchseuchung des eigenen Publikums“ riskieren. Geht’s noch ein bisschen apokalyptischer? Während der Berlinale sprang meine Corona-Warn-App wieder auf Grün, obwohl ich täglich im Seuchengebiet Kino unterwegs war. Das Hygienekonzept war für Journalist:innen strenger als für das normale Publikum; aber es hat funktioniert, obwohl die Omikron-Wand oder, etwas weniger dramatisch formuliert, die fünfte Welle der Pandemie Deutschland überrollte. Ein ganz starkes Signal für die Kultur – noch vor den Lockerungen, die nun schrittweise ab 4. März auch hierzulande kommen. Vertraut man berufenen & selbst ernannten Expert:innen, dann schwächt sich Corona zu einer Endemie ab, die indes alles andere als harmlos ist.

Ein Zurück in das alte, gewohnte Leben vor Corona wird es aber nicht geben, auch nicht für die Berlinale, der ein Sprung in die Digitalisierung gelungen ist. Vorbei die Zeiten, als die Fans am Potsdamer Platz eine ganze Nacht vor den Ticket-Shops ausharrten oder die Journalist:innen sich täglich aufs Neue wg Karten anstellen mussten. Das Online-Ticketing hat hervorragend funktioniert. Wir hatten uns schnell daran gewöhnt, morgens ab 7.30h buchen zu können. Weil’s so einfach war, haben wir so viele Filme wie noch nie bei einer Berlinale gesehen, Entdeckungen gemacht und bei manchen Filmen aber auch immer wieder auf die Uhr geschaut. Wann haben wir zuletzt einen Hitchcock (Mr. & Mrs. Smith) im Kino gesehen? Hätten wir je eine skurrile Trouvaille wie das missglückte Porträt des introvertierten Pianisten Thelonious Monk zu Gesicht bekommen. Für Entdeckungen jedweder Art ist die Berlinale immer gut, unabhängig von der Qualität des Wettbewerbs, die alle Jahre wieder reklamiert wird.

Nicht einmal nach der Uhrzeit schaute ich bei der französisch-spanischen Produktion „Un año, una noche“ (Ein Jahr, eine Nacht), obwohl davor noch lang & lieblos die European Shooting Stars ’22 gekürt wurden. Der Film erzählt die Geschichte eines Paares, das den Anschlag auf den Club Bataclan 2015 in Paris überlebt hat. Céline (Noémie Merlant) und Ramón (Nahuel Pérez Biscayart) – beide spielen, als würden sie nicht spielen – reagieren ganz unterschiedlich. Sie verdrängt, er versucht, das Grauen durch intensive Auseinandersetzung zu bannen. Der Regisseur Isaki Lacuesta hält die Angst der Besucher:innen nach dem Massaker fest, bei dem 89 Menschen ermordet wurden, und verzichtet ganz auf Schockeffekte. Nicht nach unten schauen, werden die Überlebenden angehalten, nicht nach unten schauen zu den Toten und Sterbenden. „Un año, una noche“ wurde von der Kritik mäßig aufgenommen und bekam keinen einzigen der vielen Berlinale Bären. Gewonnen hat in diesem Jahr der spanische Film „Alcarràs“, den wir uns zum Glück noch anschauen können, da die Publikumstage heuer verlängert wurden. Gut so!

Ich bin ein Berliner

Spannung am Morgen. Ab 7.30 Uhr kann man Pressekarten für die Berlinale buchen.

John F. Kennedy hat natürlich nie in Berlin gewohnt. Das wollen aber viele Menschen, ungeachtet der bekannt schlechten Verwaltung in der Stadt. Es knirscht immer wieder systematisch zwischen dem Senat und den Bezirken. Nun darf man sich diese nicht als Stadtteil vorstellen; viele Bezirke haben mehr Einwohner:innen als deutsche Mittelstädte. So hat Pankow über 400.000 Einwohner:innen, Mitte erreicht diese Zahl (noch) nicht ganz. Da man oft monatelang auf einen Termin beim Amt warten muss, hatte ich nicht viel Hoffnung, als ich mich an den Rechner setzte. Ich wollte meinen Wohnsitz verlegen – und bekam online für den gleichen Tag um 14.12h einen Termin zugeteilt. Pünktlich erschien ich im Bürgeramt, wurde etwas vor der Zeit aufgerufen – und war um 14.15h Berliner. Ich war begeistert, lobte die sichtlich erfreute Mitarbeiterin und vergab nur Bestnoten bei der Bewertung.

Die gibt’s natürlich nicht für den Wechselbalg Söder Markus, der das – auch von der CSU – verabschiedete Gesetz zur Impfpflicht für die Beschäftigten im Gesundheitswesen in Bayern erst einmal nicht anwenden möchte. Ob das rechtlich überhaupt haltbar ist, wird sich weisen – das politische Signal ist fatal. Nicht nur die Mitteldeutsche Zeitung ist entsetzt: „Die Ankündigung, das Gesetz nicht umsetzen zu wollen, wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die ‚Querdenker‘-Szene. Darüber hinaus gilt: Von demokratisch gewählten Parlamenten verabschiedete Gesetze binden Bürger und Staat in gleicher Weise. Das ist die Essenz des Rechtsstaates.“ (09.02.22) Dass man vor der Verabschiedung des Gesetzes seine Konsequenzen nicht bedachte, wirft kein gutes Licht auf die politische Klasse. Wer soll diese Impfpflicht kontrollieren? Etwa die überlasteten Gesundheitsämter? Was passiert, wenn noch mehr Mitarbeiter:innen ihren Job aufgeben oder wechseln. Geklatscht wird schon lange nicht mehr für diese Held:innen.

Umstritten ist nach wie vor, ob man angesichts immer neuer Rekorde und einer immer roten Corona-Warn-App überhaupt schon wieder Großveranstaltungen wagen sollte. Mit einem strengen Hygiene-Konzept und nur zur Hälfte besetzten Kinosälen geht die Berlinale in ihre 72. Auflage. Es gilt die 2G-plus-Regel mit Maske für das Publikum, die Journalist:innen müssen darüber hinaus täglich einen aktuellen Coronatest vorlegen. Im Vorfeld haben Carlo Chatrian (Künstlerischer Leiter) und Mariette Rissenbeek (Geschäftsführung) ganze Arbeit geleistet, damit das größte Publikumsfestival der Welt wieder stattfinden kann; anders als die Buchmesse in Leipzig, die erneut abgesagt wurde. Die Berlinale sendet ein positives Signal für die Filmwirtschaft, für die Kinos, die dramatische Umsatzrückgänge verkraften müssen, und für die Kultur insgesamt. Alles ist in diesem Jahr anders: die morgendliche Buchung der Tickets, die strengen Kontrollen beim Einlass, die halb leeren Säle bei den Vorführungen. Ein bisschen Wehmut kommt auf. Dagegen könnten gute Filme helfen. „Rimini“ von Ulrich Seidl, erstaunlicherweise im Wettbewerb gezeigt, gehört schon mal nicht dazu. Die Berlinale hat’s nicht leicht.

Rätselworte

ANTIKRIST, Regie: Ersan Mondtag, Premiere 30. Januar 2022 Deutsche Oper Berlin. © Thomas Aurin

Karte gesucht! Obwohl oder weil dieses Werk in der Deutschen Oper Berlin überhaupt erst das vierte Mal aufgeführt wird, ist das Interesse groß. Geschrieben und selbst überarbeitet hat der dänische Einzelgänger Rued Langgaard „Antikrist“ in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Zur Uraufführung kam es erst 1999 in Innsbruck, es schlossen sich bis dato nur noch Kopenhagen (2002) und Mainz (2018) an. Diese Zurückhaltung hat Gründe. Anders als in seiner „Sphärenmusik“, in der erstmals die Saiten in einem aufgeklappten Flügel angeschlagen wurden, erobert Langgaard im „Antikrist“ kein musikalisches Neuland. Spätromantische Klänge untermalen ein verschrobenes Libretto, in dem Luzifer und Gottes Stimme einen Pakt zur Rettung der verderbten Welt eingehen. „Rätselworte“ hören wir viele an diesem Abend. Die Sänger:innen und Ersan Mondtags bildstarke Inszenierung mit durchweg präsenten Tänzer:innen retten die „Kirchenoper“ in einer „Lärmes Kirchen Ödnis“, in der zum guten Schluss natürlich Luzifer dran glauben muss und ein androgyner Christus obsiegt. Die kundige ARD-Kulturkorrespondentin Maria Ossowski war von diesem „biblischen Roadmovie“ in 90 Minuten durchaus angetan.

Nach dieser Wiederentdeckung steht zwei Tage später die nächste an: „Mein Name sei Gantenbein“ im Berliner Ensemble. Der Intendant Oliver Reese hat diesen Roman von Max Frisch für die Bühne eingerichtet und mit Matthias Brandt einen wunderbaren Schauspieler gefunden, der seit 20 Jahren das erste Mal wieder im Theater zu erleben ist. Natürlich sind alle Vorstellungen ausverkauft. In knapp zwei kurzen Stunden nimmt Brandt verschiedene Identitäten an. Wenige Requisiten und sparsame Gesten reichen ihm allemal, um in ein „neues“ Leben zu schlüpfen. „Erkenntnisgewinn durch das Hineintreten in andere Identitäten“ sei das Wesen des Schauspielerns, stellte er in einem Gespräch mit Ute Büsing im Inforadio fest. Mit minimalen, aber effektiven Mitteln kommen auch Inszenierung und Bühnenbild aus. Es wechselt der Rahmen aus Neonröhren oder die Musik – schon schafft Matthias Brandt eine ganz neue Situation. „Ich probiere Geschichten an wie Kleider“, heißt ein gern zitierter Satz aus dem 1964 erschienenen Roman, der heute, wo man sich beliebig im Netz in anderen Identitäten verstecken kann, so wahr ist wie ehedem. Lang anhaltender Applaus für diese Soloperformance. Jammerschade, dass Matthias Brandt derzeit keine weiteren Theaterpläne hat.

Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing‘. Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, ein gut bezahlter Lobbyist von Putins Gnaden, verstörte wieder einmal die Öffentlichkeit mit seinen bizarren Äußerungen zur Ukraine-Krise und gewahrte in dem Land, das von russischen Soldaten umzingelt ist, ein „Säbelrasseln“. Seine Partei bringt er damit erneut in die Bredouille – wo steht eigentlich die SPD in dieser Krise? Das Lavieren des Kanzlers wirkt sich schon in den Umfragen aus; bei Nord Stream 2, bei der Bekämpfung der Pandemie oder bei der Haltung zu den Olympischen Spielen macht Olaf Scholz keine gute Figur. Der Politiker, der Führung versprochen hatte, scheint nach zwei Monaten im Amt noch immer nicht angekommen zu sein und wirkt seltsam blass. Beim aktuellen ARD-DeutschlandTrend liegt die SPD mit 22% deutlich hinter der CDU/CSU (27%); mit der Arbeit von Olaf Scholz sind nur noch 43% zufrieden. Heute beginnen in Peking die Olympischen Spiele. Ohne mich, versteht sich!

Das Ende naht

Ganz großes Theater: „Eurotrash“ von Christian Kracht. Regie: Jan Bosse mit Angela Winkler und Joachim Meyerhoff in der Berliner schaubühne. © Fabian Schellhorn

Bis auf den letzten Platz ist das Theater gefüllt. In der schaubühne müssen alle Besucher:innen während der Vorstellung eine FFP2-Maske tragen; und es gilt die 2G-Plus-Regelung. Man muss also einen tagesaktuellen Negativ-Test vorweisen, oder man ist geboostert. Ohne Planung geht gar nichts in der Kultur, aber das Publikum nimmt diese Umstände in Kauf – schließlich stehen Angela Winkler und Joachim Meyerhoff auf der Bühne. Knapp zweieinhalb Stunden (ohne Pause) dauert das Theaterereignis, das den komplexen Roman „Eurotrash“ von Christian Kracht schlüssig verdichtet. Dieses Kunststück ist dem Regisseur Jan Bosse und Bettina Ehrlich gelungen. Sie haben die autofiktionale Mutter-Sohn-Geschichte geschickt reduziert, den Personen allerdings auch viel von ihrer Komplexität genommen. Angela Winkler gibt eine kapriziöse alte Dame, nicht ein tabletten- und alkoholsüchtiges Wrack, das vom Leben zerstört wurde. Joachim Meyerhoff ist ein freundlicher Sohn, der die Wahnvorstellungen seiner Mutter geduldig erträgt. Ihre Fahrt auf dem Schiff der Erinnerungen & Obsessionen endet nicht bei den Zebras in Afrika, sondern in der Psychiatrie.

Diese Lesart kann man gelten lassen. Nach der Vorstellung gibt es standing ovations. Wir fühlen uns ein bisschen wie vor der Pandemie. Ein solcher Abend aber macht noch keinen Sommer. Sollte das Kurzarbeitergeld nicht länger gezahlt werden, droht in der Veranstalterbranche eine Kündigungswelle. „‚Mehr als drei Viertel der Veranstaltungsunternehmen werden im März ihre Mitarbeiter kündigen mangels Kurzarbeit‘, teilte Jan Kalbfleisch von der Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft mit.“ (dpa) Während in Berlin (noch) großzügige Regelungen gelten, werden in Hessen Veranstaltungen quasi im Stundentakt storniert, weil nicht mehr als 250 Besucher:innen erlaubt sind, ungeachtet der Raumgröße. Das Moka Efti Orchestra im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt (2.400 Plätze) rechnet sich da ebenso wenig wie die Pferdeshow Cavalluna in der Frankfurter Festhalle (knapp 9.500 Sitzplätze). Während hierzulande einer Branche der Garaus gemacht wird, wollen Dänemark und England alle Corona-Beschränkungen wieder aufheben.

Was tun? Solange Branchen quasi mit einem Tätigkeitsverbot belegt sind, müssen sie weiter unterstützt werden durch Kurzarbeitergeld und Betriebsmittelzuschüsse. Sonst droht ein Kahlschlag mit volkswirtschaftlichen Konsequenzen. Immerhin hängen an der Veranstalterbranche rund 1 Million Existenzen. Ob dieses Business dann noch einmal auf die Beine kommt, darf bezweifelt werden. Nicht jedes Geschäftsmodell lässt sich ins Netz verlagern. Ein Konzert, eine Show, ein Opern- oder Theaterabend ist ein einmaliges Erlebnis, dessen Besonderheit eben nicht im Stream erscheint. Womöglich ist diese Emphase nicht mehr zeitgemäß. Mir ist es jedenfalls nicht egal, ob ich Kultur analog oder digital erlebe – es ist ein Unterschied ums Ganze. Zum Glück!

Wegducken gilt nicht

„Omikron ist eine Chance.“ (Christian Drosten) © Pixabay

Vor dem Treffen ist erst mal ein Test dran. Wir sind am Abend mit Freunden zum Essen verabredet und gehen wie immer zur Apotheke umme Ecke, um dort zur Sicherheit einen Schnelltest machen zu lassen. Routine. Wird ja bestimmt wieder negativ sein. Zum ersten Mal aber lesen wir: „positiv“, und plötzlich ist alles ganz anders – die Situation muss neu bewertet werden. Wir sagen die Einladung, auf die wir uns alle so gefreut haben, natürlich ab und checken, wo wir einen PCR-Test machen können. Geld regiert die Welt. Wir finden ein Testzentrum, das stolze Preise aufruft, dafür aber noch am gleichen Tag das Ergebnis schickt – zum Glück liegt keine Infektion vor. Einer Ansteckung werden wir aber nicht entgehen, vertraut man der Einschätzung der Experten. Derzeit gehen die Zahlen durch die Decke, und sie dürften deutlich höher liegen als gemeldet. Nicht jede:r lässt sich mehrfach in der Woche testen, nicht jede:r spürt bei einer Infektion Symptome.

In einem langen Interview – Headline „Omikron ist eine Chance“ – hat sich der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité im Tagesspiegel (16.01.22) zu Wort gemeldet. „Das Virus muss sich verbreiten, aber eben auf Basis eines in der breiten Bevölkerung verankerten Impfschutzes.“ Explizit erteilt er „Durchseuchungsanhängern“ eine Absage, verweist aber beim Reizthema Impfpflicht auf die Politik. Diese Antwort ist genauso klug wie seine mediale Zurückhaltung – es gibt in der Pandemie schon genug Vielsprecher. Auf die Frage, ob „wir jemals wieder so leben wie vor der Pandemie“ gibt sich Drosten übrigens sehr zuversichtlich. „Ja, absolut. Da bin ich mir komplett sicher. (…) Wir werden noch ein paar Jahre Masken in bestimmten Situationen tragen müssen.“ Wenn’s weiter nichts ist. Beim nächsten Interview müsse man aber bestimmt über Long Covid sprechen. Die Folgen der Pandemie werden uns noch sehr lange beschäftigen.

Aller guten Dinge sind drei, vielleicht gilt das ja auch bei der CDU, bei der Friedrich Merz bekanntlich zum dritten Mal antritt, um Vorsitzender der arg gebeutelten Partei zu werden. Eine Herkulesaufgabe. Ohne eine schonungslose Bestandsaufnahme der Ära Merkel wird das nicht gelingen. Die einst mächtigste Frau der Welt hat in ihrer Zeit als Vorsitzende ihrem Kanzlerinwahlverein einiges zugemutet und den konservativen Markenkern der Partei nach ihrem Gusto geschliffen. Wird Merz ein Neuanfang gelingen, oder bleibt auch er ein Mann des Übergangs? Zumindest hat der 66-Jährige die Lage der CDU vor der letzten Bundestagswahl in der Süddeutschen Zeitung knallhart auf den Punkt gebracht: „Kein Programm, kein Kandidat, keine Strategie, keine Kommunikation, keine Agentur, nichts.“ Die Abrechnung mit Angela Merkel hat begonnen. Was wäre wohl den Mainzer Närrinen und Narrhalesen bei ihrer Fassenacht uff de Gass‘ dazu eingefallen? Der Rosenmontagsumzug fällt in diesem Jahr „coronabedingt“ aus. Helau.

Unsicherheit

Ein Konzertraum mit einer ganz besonderen Atmosphäre: der Piano Salon Christophori in Berlin. © Rolf Hiller

Es dauert eine Weile, bis wir alle drin sind. Die Impfnachweise werden wie gewohnt digital auf den Smartphones kontrolliert, Namen und Adresse schreibe ich dann aber analog auf einen Notizzettel. Im Piano Salon Christophori ist vieles anders als an anderen Orten, wo Konzerte mit Kammermusik und gelegentlich Jazz stattfinden. In einer Fabrikhalle findet sich ein Sammelsurium unterschiedlicher Dinge, die nach einem geheimen Plan geordnet sind: Gehäuse und Teile von alten Flügeln, Bilder, Schallplatten und Fundstücke aller Art, die eine einzigartige Atmosphäre in diesem nüchternen Funktionsbau schaffen. Miriam Helms Åliens (Violine), Alexey Stadler am Cello und der Pianist Robert Neumann spielen Mendelssohns Klaviertrio Nr. 1 und nach der Pause das zweite Klaviertrio von Schostakovich. Dieses Werk entstand 1944 und ist (auch) ein schmerzhaftes Andenken an einen Freund, der mit 41 Jahren überraschend starb. Das Trio, das sich übrigens beim Festival Krzyżowa Music kennengelernt hat, spielt überwältigend.

Noch immer gebannt verlassen wir den Piano Salon – zurück in unsere allherrschende Unsicherheit.über den Stand & Fortgang der Pandemie. Die täglichen Zahlen sind bedrückend, die politische Bewältigung der Krise ist es nicht minder. Ist die Ampel-Koalition wirklich erst einen Monat im Amt? Längst ist die Aufbruchstimmung verflogen. Das leidige Thema Impfpflicht irritiert und nervt gleichermaßen. Der Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist natürlich dafür, verhält sich aber „neutral“; das scheint auch die Position von Olaf Scholz zu sein. Beide scheuen eine eigene Gesetzesvorlage – weil es dafür keine Kanzlermehrheit gibt. Bekanntlich ist mit der FDP, die in der Regierung derzeit den Ton angibt, eine Impfpflicht nicht zu haben. Die FAZ diagnostiziert ein „Kuddelmuddel“: „Der wahre Grund, die Abstimmung innerhalb der Fraktionen ‚freizugeben‘, sind weder Gewissensfragen noch Orientierungsschwierigkeiten. Der Kanzler hat in der Sache einfach keine eigene Mehrheit. Die FDP lief ihm von der Fahne. Christian Lindner machte keine Anstalten, die Reihen im Sinne von Scholz zu schließen.“ (13.01.22)

Ob ein bisschen Poesie aus dem Parlament helfen würde? Plötzlich macht ein befremdlicher Vorschlag die Runde: der deutsche Bundestag solle einen Verseschmied oder eine Verseschmiedin bestellen. Die stellvertretende Vizepräsidentin des Parlaments, Katrin Göring-Eckhardt, hat diese Schnapsidee begeistert aufgenommen. Nun dräut ein neues Ampel-Biedermeier, inspiriert sicher von der amerikanischen Lyrikerin Amanda Gorman, die zur Amtseinführung von Joe Biden pathetische Worte deklamierte – zum Glück auf Englisch. Vielleicht hätte der oder die hiesige Politpoet:in in der aktuellen Verunsicherung einen Filmtitel von Alexander Kluge moduliert: In Gefahr und größter Not bringt die Laviererei den Tod. Apropos Kino. Die Berlinale, das größte Publikumsfestival der Welt, soll in diesem Jahr im Zeichen von Omikron wieder stattfinden. Mit Masken- und Testpflicht nach aktuellem Stand und noch mehr Geld vom Bund. Wir haben es ja (noch).

Moleküle & Viren

Venedig ohne Touristen in dem Film-Essay „Moleküle der Erinnerung“ von Andrea Segre. © Film Kino Text

Ausverkauft! Bei windigem Regenwetter steht die Generation 60plus geduldig vor einem Kiez-Kino umme Ecke. Sie alle wollen „Moleküle der Erinnerung“ von Andrea Segre sehen, einen Film-Essay, der sich viel, allzu viel vornimmt. Es gilt 2G mit Abstand im Kino und permanente Maskenpflicht. Eigentlich wollte sich der Regisseur auf Spurensuche nach seinem Vater begeben, der in Venedig geboren wurde, dann aber die Lagunenstadt verließ. Ein Schweiger mit angeborenem Herzfehler, zu dem der Sohn nie ein Verhältnis entwickeln konnte, auch nicht posthum in diesem Film mit den schönen Worten und Bildern. Während der Dreharbeiten kam dann Corona dazwischen, und das Leben in Venedig fast zum Erliegen. Segre macht auch das zum Thema, und die Jahrhundertflut 2019 und verschneidet alles mit privaten und beliebigen Sequenzen – in einem Wort: 68 Minuten können sehr lang werden.

Corona ist eben allgegenwärtig, doch der normale Betrieb muss weiterlaufen, auch in einem Krankenhaus. In einer Klinik habe ich einen geplanten Termin. Dass ich fast den halben Tag draußen vor der Station auf mein Bett warten muss, längst vergessen. Immer wieder höre ich die gleichen Fragen, etwa nach Voruntersuchungen, die doch im gleichen Haus gemacht wurden. Am häufigsten werde ich gefragt, ob ich bewegliche Zahnprothesen habe. Auf meinen vorsichtigen Hinweis, das sei doch längst bekannt, gibt die brave Schwester unumwunden zu: „Wir sind mit der Digitalisierung noch nicht so weit“. Es gibt die guten, alten, deutschen Akten wie eh und je, die ich als Bote in eigener Sache schon einmal unter den Arm nehmen darf. Eine Momentaufnahme des digitalen Rückstands im deutschen Gesundheitssystem.

Per Zufall stoße ich in 3sat auf einen Film, der zur Situation passt. Die Protagonistin wird auch mit einem Bett durch ein Krankenhaus geschoben und schaut auf Neonlampen über ihr an der Decke. Niemals hätte ich diesen Skandalroman gelesen, weil ich neue Skandalromane hasse. „Feuchtgebiete“ (2008) von Charlotte Roche war ein Skandälchen, weil Helen (Carla Juri) ihre Sexualpraktiken & Regressionen offen und manchmal recht unappetitlich auslebt. Der Film (u.a. mit Meret Becker und Edgar Selge) zieht sich, soll aber nicht so plakativ wie der Bestseller auf Schock-Szenen setzen. Man könnte dass Verhalten von Helen als regressiven Schrei nach Liebe deuten, die sie als Kind von ihren ambivalenten Eltern (Trennung, Versöhnung, Trennung … ) nie erfahren hat. Marcel Reich-Ranicki fand den Roman „sehr eklig“ und „literarisch wertlos“. Wer mag dem letzten Großkritiker seiner Zunft da widersprechen.

Risiko

Weiter hoffen. Weiter impfen. © Pixabay

Was haben Oper, Sauna und Yoga gemein? Der Besuch muss in Zeiten der Pandemie geplant und das Risiko bewertet werden. Setze ich mich in ein voll besetztes Haus, um die konzertante Aufführung einer Operette zu erleben, wage ich einen Aufguss, gehe ich ins Yoga-Studio? Ohne vorherige Recherche geht heutzutage fast nichts mehr. Vor einem Jahr wusste niemand, was 2G, 2G plus oder 3G bedeutet: heute haben wir das alle verinnerlicht, wobei sich die Vorgaben laufend ändern. Beim Konzert von Ralph Towner galt 2G plus, also geimpft oder genesen und aktueller Test. Im locker bestuhlten Konzertraum durften wir die Masken ablegen – dort muss ich dann wohl eine Begegnung mit erhöhtem Risiko gehabt haben (Corona Warn App). „Die Blume von Hawaii“ in der Komischen Oper Berlin war indes nur mit Test und Maske zu erleben und verschaffte uns ein gutes Gefühl, obwohl es nach dem Konzert vor den Garderoben zuging wie zu Spitzenzeiten in der U-Bahn.

Manchmal erfolgt aber eine Risikobewertung in der Situation. Eine weitläufige Anlage mit 11 Saunen (beim Gehen Maskenpflicht) schreckte uns unter 2G nicht. Vollkommen überrascht waren wir indes, als eine Lara am Counter uns erzählte, Aufgüsse gebe es auch schon wieder seit Oktober. Gleich mache sie den nächsten, wir könnten mitkommen. In der Sauna ist eine Ansteckung wegen der hohen Temperaturen nahezu ausgeschlossen. Trotzdem zähle ich insgeheim dreißig Feinde, die vielleicht das Virus verbreiten. Beim Yoga hingegen, meiner heiligen Stunde der Woche, habe ich weniger Bedenken – es kommen nur vier oder fünf Furchtlose; die anderen sind digital dabei. Fürs analoge Yoga gilt 2G plus, allerdings sind auch Selbsttests erlaubt. Diese ständige Risikobewertung aller Handlungen, diese Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie, diese permanenten Umplanungen strengen an. Die Zukunft ist ungewisser denn je. Das zehrt aus und macht müde.

Grund zur Vorfreude auf das Neue Jahr besteht allemal, denn auch in Deutschland haben (endlich) die Impfungen begonnen. Das notierte ich vor einem Jahr und hätte es nicht für möglich gehalten, wie wir heute dastehen. Über den Stand der Pandemie werden wir ab dem 10. Januar mehr wissen, wenn alle Daten gemeldet wurden. Deutschland im 21. Jahrhundert. Vielleicht werden der Expertenrat und der medial sehr präsente Gesundheitsminister Karl Lauterbach bis dahin wissen, ob mit der neuen Virusvariante die Pandemie ihren Schrecken verliert, wie es die Los Angeles Times in Aussicht stellt: „Omikron führt seltener zu schweren Erkrankungen und Krankenhausaufenthalten – insbesondere bei geimpften Personen. Dies könnte bedeuten, dass sich das Coronavirus auf dem Weg zu einem milden, endemischen Zustand befindet, der der Pandemie ein Ende bereiten würde.“ (30.12.21) Halten wir es für das Neue Jahr also mit Immanuel Kant: „Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen.“