Der Schein trügt

Vollmond über dem Schwarzen See. © VLE Press International

Back to Fleck. Unter dieser Losung machen wir uns wieder einmal auf den Weg nach Flecken Zechlin. Das Dorf liegt 100 km von Berlin entfernt in Brandenburg. Wir hatten Glück und konnten noch kurzfristig im „Haus Elsenhöhe“, direkt am Schwarzen See gelegen, unterkommen. Zur Tradition rechnet, dass wir uns auf dem Hinweg in Kunsterspring frisch geräucherte Saiblinge besorgen. Weiter geht’s von dort durch ausgedehnte Waldgebiete zur Elsenhöhe. An Wasser scheint in Brandenburg kein Mangel zu herrschen: es werden dort über 3.000 Seen gezählt. Trotzdem gibt es auch dort Wassermangel; es besteht höchste Waldbrandgefahr. Die Bedrohung ist mit Händen zu greifen. Wir sehen viele vollkommen verdorrte & abgestorbene Nadelbäume auf unserer Fahrt. Der Klimawandel ist in der Idylle längst Realität, die man allzu leicht vergisst. Wir fahren stundenlang mit einem Boot über die Seen, die durch Kanäle verbunden sind, und ankern dann und wann, um im klaren Wasser zu schwimmen. Viel los ist nicht an diesem Wochenende – ideale Voraussetzungen für Trockenkapitäne. Herrlich!

Die Hauptstadt von Brandenburg (knapp 2.6 Millionen Einwohner:innen) heißt Potsdam und dort bewerben sich bekanntlich Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Die Grünen) um ein Direktmandat. Nach ihrer Nominierung im April lag die Umweltpartei bei den Umfragen noch vor der CDU, doch inzwischen kommt für Baerbock & Co. der Wind von vorne – durch unforced errors, wie es beim Tennis heißt. Die Kampagnen der konservativen Medien und Parteien gegen sie laufen wie geschmiert und darüber gerät all zu rasch in Vergessenheit, was etwa Jens Spahn und besonders Andreas Scheuer in ihrer Amtszeit an Mist verzapft haben. Oder Finanzminister Olaf Scholz, der die politische Verantwortung für den Wirecard-Skandal trägt, sich aber lieber einen schlanken Fuß macht. Dass die Kanzlerin sich vom Titelfälscher Karl-Theodor zu Guttenberg für Wirecard einspannen ließ, passt ins Bild; natürlich hat der Blender bei diesem Job wieder fett abgesahnt.

Glanzvoll gehen die (allzu) langen Jahren von Angela Merkel nicht zu Ende, und nicht wenige Kommentatoren ziehen einen Vergleich zum quälend langen Abschied des Bundestrainers Joachim „Jogi“ Löw. In einem Kommentar in der Frankfurter Neuen Presse bringt Rafael Seligmann noch einmal den Vorschlag aufs Tapet, die Amtszeit von Politiker:innen zu begrenzen. Die Initiative von Söder Markus „sollte umgesetzt werden. Im Bund und in den Ländern. In der Politik und beim Kicken.“ (26.06.21) Ein frischer Wind schadet nie. Ich öffne das Fenster, der betörende Duft der Linden kommt hinein, den die Schriftstellerin Dagmar Leupold so feinfühlig beschrieben hat. „Der Duft ist Wahnsinn und Hellsicht in einem, er fährt einem ins Innerste und bleibt doch uneinnehmbar. Würzig und süß, ein Anflug von Gärung, von schwülem Umkippen ins Alkoholische, dabei mädchenhaft, blumig und zart.“ Hellsicht – zumal in eigener Sache – ist den Spitzen unserer Gesellschaft mehr denn je zu wünschen. Nicht nur im Somma.

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