Lustbarkeiten

Onkel Otto, das Maskottchen des Hessischen Rundfunks, trägt weiter Maske. © Rolf Hiller

Was für ein Wort der Verheißung! „Sogenannte Tanzlustbarkeiten dürfen mit bis zu 1000 Personen im Freien stattfinden“, vermeldet der Berliner Tagesspiegel am Mittwoch. Solche Lustbarkeiten sind nun weniger unsere Sorte, aber es gibt endlich wieder ein halbwegs normales 3-G-Leben, für das die Formel lautet: genesen, geimpft oder getestet. Erstmals kann ich meine Corona Warn-App nutzen, zeige am Eingang der Staatsoper meinen digitalen Impfnachweis und den Personalausweis vor – und bin drin. Die Saison dort endet mit „La Fanciulla del West“ von Giacomo Puccini, einer der wenigen Opern mit einem Happy End, das wunderbar ironisch & schwelgerisch inszeniert wird. Das Publikum applaudiert begeistert, wird die Opulenz der Bilder doch von dieser herrlichen Musik befeuert. Tags drauf sitze ich schon wieder im gut besetzten ICE: die Eröffnungsveranstaltung des Festivals „Frankfurt liest ein Buch“ im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks steht auf dem Programm; FRIZZ Das Magazin für Frankfurt & Vordertaunus ist seit vielen Jahren Medienpartner. Heuer liest die Stadt „Scheintod“, einen autobiographisch motivierten Roman von Eva Demski.

Stück für Stück nähert sich in diesem Text eine Frau dem Leben ihres verstorbenen Ex-Mannes, den sie gewissermaßen erst post mortem richtig kennenlernt. Allzu oft trügt der Schein, wie die immer neuen Enthüllungen über die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock belegen. Nun hat der Tagesspiegel recherchiert, dass sie ein Promotionsstipendium über 40.000 Euro von der parteinahen Heinrich-Böll-Stiftung bekommen hat, ohne einen Abschluss ernsthaft anzustreben. Da sich Lebensentwürfe ändern können, sei eine Rückzahlung „weder üblich noch vorgesehen“. (07.07.21) Wieder hat die Sache ein Geschmäckle, wieder wird etwas am Ruf von Frau Baerbock hängenbleiben. Dass sie ihre Karriere strategisch auf dem grünen Ticket geplant hat, ist ihr nicht vorzuwerfen; ihr Verhalten macht sie mir indes nicht sympathischer. Die Dame, die nach ihrer Nominierung so gut rüber kam in den ersten Interviews, Angebote & Vorschläge machte, entpuppt sich plötzlich als raffinierte Strategin in eigener Sache – durchaus vergleichbar mit der noch amtierenden Kanzlerin Angela Merkel.

Zu den Lustbarkeiten unseres Lebens zählt natürlich auch das Kino. Vor über acht Monaten sahen wir im schönen „Delphi“ unseren letzten Film („Und morgen die ganze Welt“); bei unserem Kino-Re-Start an gleicher Stelle soll es „Nomadland“ sein. Das mit mehreren Oscars ausgezeichnete Werk hat insgesamt über 200 Preise abgeräumt. Wir sind sehr gespannt – und werden sehr enttäuscht. Die Episodenhandlung erzählt von Menschen in Amerika, die als Nomaden mit ihren Kleinbussen durch das Land fahren wollen oder gar müssen, weil sie ihre Bleibe verloren haben. Immer unterwegs, immer getrieben. Die Momentaufnahmen um Fern (Frances McDormand), ihre erbärmlichen Jobs, ihr einsames Leben, ihre Suche nach Sinn wirken ausgestellt. Zudem wird von der Regisseurin Chloé Zhao eine Idylle unter den modernen Nomaden inszeniert, die viel mit Kitsch aber wenig mit der Realität zu tun haben dürfte. Alle sind lieb & gut miteinander, aus freien Stücken unterwegs, ernsthafte Konflikte und Gefahren gibt es keine – das Leben on the road eine einzige Verheißung. Die Filmmusik stammt übrigens vom Klangschwelger Ludovico Einaudi, den man der sog. Neoklassik zurechnet. Wir hätten gewarnt sein müssen! 

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