Glück in Bregenz

Das letzte „erlaubte“ Bild vor der Aufführung des „Rigoletto“ auf der Seebühne. © Gitti Grünkopf

Die Pandemie machte im letzten Jahr viele Planungen zunichte. Freunde von uns hatten Karten für „Rigoletto“ von Guiseppe Verdi besorgt, doch auch die Festspiele in Bregenz mussten ausfallen. Heuer soll nun alles besser werden. Im gut besuchten ICE geht‘s nach München, dann fahren wir mit dem Regionalexpress weiter. In Bayern gelten allerdings andere Corona-Regeln, wie der launige, sächsische Schaffner zweimal per Durchsage verkündet. Hier sind in regionalen Zügen der Deutschen Bahn FFP-2-Masken Pflicht. Wer keine hat, fliegt raus. Zum Glück habe ich eine ganz unten im Koffer. Drei junge Franzosen werden von Mitreisenden damit versorgt, ohne große Worte. Schon lange nehmen wir derlei Regelwirrwarr klaglos hin, ohne uns darüber aufzuregen. Der Blick auf die Wetter-App ist viel spannender. Der erste Tag bei unseren Freunden ist frühherbstlich, das morgendliche Bad im See eine echte Herausforderung. Allein, die Prognosen verheißen einen herrlichen Sommerabend für unseren Besuch der Seebühne.

Gewissermaßen zur Generalprobe machen wir uns auf nach Bregenz, schleichen per Stopp & Go über Lochau in die Stadt am Bodensee. Ehe wir die Logistik für den nächsten Abend erkunden, gehen wir ins vorarlberg museum, denn im dortigen Atrium werden die meist großformatigen Bilder des Malers Nino Malfatti gezeigt. Die Vollendung seines jüngsten Werkes „Kanisfluh“, haben wir bei Besuchen in seinem Berliner Atelier verfolgen können. Malfatti malt nach einem Foto und findet in seinem Realismus eine ganz eigene Ästhetik, ganz im Sinne von Herwarth Walden: „Kunst ist Gabe nicht Wiedergabe.“ Über zweihundert Gäste kamen zur Vernissage; der leidenschaftliche Bergsteiger findet mit seinen Gemälden immer mehr Zuspruch; so besitzt auch Reinhold Messner in seinen Privatmuseen einige Bilder von Nino Malfatti. Zurück in der Realität peilen wir die Lage für „unsere“ Premiere in der Seebühne. Wo könnte man am besten parken, wo vorher noch einen Happen essen. Welche Strecke nehmen wir am besten zur Seebühne.

Die Vorbereitung hat sich gelohnt: Zum Opernabend fahren wir vollkommen ohne Hektik & finden direkt am Festspielgelände einen Parkplatz – mit ein bisschen Chuzpe. Entspannt nehmen wir ein gutes Abendessen ein und steigen dann weit hinauf zu unseren hervorragenden Plätzen. Ein milder Sommerabend, ein grandioser Blick auf die berühmte Seebühne mit dem Kopf von Rigoletto und seinen beiden Händen, die sich wie Sinnbilder der grandiosen Inszenierung von Philipp Stölzl ausnehmen. Wir sind schier überwältigt von den vielen Eindrücken auf der schwimmenden Bühne und der unglaublichen Präsenz auch des Orchesters, das live aus dem Konzertsaal übertragen wird. Die Sänger:innen, die munteren Gaukler mit teils atemberaubender Artistik – ein Gesamtkunstwerk, das auch beim zweiten Besuch nichts von seiner Faszination verliert, wie unsere Freunde versichern. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Seebühne jubeln 7.000 Menschen. Die Inzidenz in Vorarlberg beträgt derzeit 66,4 – von Verunsicherung keine Spur. Bregenz liegt in Österreich. Zum Glück.

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