Masken runter

©️ 2019, OSGEMEOS

Vor drei Tagen war noch alles anders in den Zügen der Deutschen Bahn. Alle trugen eine Maske, als sei das die selbstverständlichste Sache der Welt. Am 2. Februar fiel auch dort die Maskenpflicht, und nun fahren alle genauso selbstverständlich ohne. Hin und wieder sehe ich auf der Fahrt nach Köln noch Reisende mit dem Mund-Nasen-Schutz, aber die Maskierten sind eine verschwindende Minderheit. Natürlich habe ich noch eine dabei, weiß aber nicht, in welcher Situation ich noch einmal nach ihr greifen würde. Wenn der ICE noch voller wäre oder die Corona-Warn-App anspringt? Nachdem es in der letzten Woche wieder in einem Regionalzug eine tödliche Attacke auf Fahrgäste gab, habe ich mir Pefferspray besorgt. Ich bin viel mit dem Zug unterwegs und habe mich immer wieder einmal gefragt, was ich bei einem Angriff tun würde. Ob das Spray helfen könnte? Es ist zumindest beruhigend, eins in der Reisetasche zu wissen.

Nach dem Ende der Pandemie ist die Pandemie natürlich noch nicht zu Ende. Die Viren sind jetzt bei uns heimisch geworden; nun gilt es, Fehler & Folgen festzustellen. Staunend lese ich meine Beiträge aus dem Jahr 2020 – Hamsterkäufe (kein Toipa nirgends), Geschäftsschließungen, aberwitzige Verbote. Lesen im Park war nicht erlaubt, und man durfte sich nicht einmal auf eine Bank setzen. Die Verunsicherung war gewaltig, und so nahmen wir lammfromm allerlei aberwitzige Regeln hin. Derweil machten findige Gschaftlhuber glänzende Geschäfte mit Masken, Testzentren oder Schnelltests. Bisweilen bekam man/frau das Ergebnis, ehe überhaupt getestet wurde. Auch BioNTech oder Moderna haben in diesem unserem kapitalistisch strukturierten System mit ihren Impfstoffen satte Gewinne einstrichen. Die psychosozialen Folgen lassen sich dagegen noch nicht ermessen. Was diese gestohlenen Jahre bei Kindern und Jugendlichen auslösen werden, wird sich erst noch weisen.

Die Maske heruntergelassen hat nun endlich die Innenministerin Nancy Faeser. Seit Monaten kursierten die Gerüchte, sie wolle als Spitzenkandidatin der SPD zur Landtagswahl in Hessen antreten. Nun ist es offiziell; und sie bleibt im Wahlkampf weiter Innenministerin. Die konservative Opposition heult auf – beide Aufgaben könne sie nicht bewältigen. Dabei vergessen CDU/CSU geflissentlich, dass ihr ungeliebter Kanzlerkandidat Armin Laschet gleichzeitig Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen war. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern. Schnell wechseln die Stimmungen, und schwups liegt Bettina Jarasch, die Spitzenkandidatin der Grünen in Berlin, auf Platz 3 der aktuellen Umfragen zur Wiederholungswahl. Vorne liegt derzeit Kai Wegener (CDU), der noch kein politisches Amt innehatte, über keinerlei Verwaltungserfahrung verfügt und sich trotzdem zutraut, in Berlin alles besser zu machen. Die noch Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey von der SPD lächelt derweil tapfer in jede Kamera und spekuliert wohl insgeheim auf ein Comeback als Bundesministerin. Während sich in Paris oder London Bürgermeister:innen für höhere Ämter empfehlen, ist es in Berlin gerade umgekehrt. Hier murkst die zweite Reihe seit Jahrzehnten vor sich hin, sehr zum Nachteil dieser tollen Stadt!

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