Fehlstart

Mit Angriffen auf Einsatzkräfte begann das Jahr 2023 in Deutschland. © Peggy und Marco Lachmann-Anke / Pixabay

Natürlich wollten wir 2023 gebührend begrüßen, doch am letzten Tag des alten Jahres waren in drei Läden die Wunderkerzen ausverkauft. Pech hatte ich auch mit meinem Vorhaben, noch ein letztes Telegramm aufzugeben. Die Deutsche Post hatte diesen kostspieligen Service für Anachronisten schon eingestellt. Dafür konnte ich wenigstens noch bei atmosfair unsere Flüge nach Indien kompensieren. Verbraucht hat jeder von uns 5.367 kg CO₂. Das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen beträgt 1.500 kg, die Pro-Kopf-Emission in Äthiopien 560 kg. Mit dem Kompensationsbetrag von knapp 250 Euro werden Klimaschutzprojekte unterstützt, und wir tun etwas für unser notorisch schlechtes Klimagewissen. Zumindest haben wir nicht die immense Feinstaub-Belastung an Silvester erhöht. Das wäre neben den Ausschreitungen in dieser Nacht ein Grund, die Böllerei – wie in den beiden letzen Jahren – für immer zu verbieten.

Neben den Krawallen sorgte ein kurzes Video der Bundesverteidigungsministerin auf Instagram für erhebliche Irritation. Nicht nur die Tageszeitung, mit der ich groß wurde, ist fassungslos. „Da steht Christine Lambrecht in der Silvesternacht an einer Straße in Berlin und sagt in den Lärm von Böllern und Raketen hinein die Sätze: ‚Mitten in Europa tobt ein Krieg. Damit verbunden waren für mich ganz viele besondere Eindrücke, die ich gewinnen konnte. Viele, viele Begegnungen mit interessanten, mit tollen Menschen‘. Lambrechts Silvestervideo ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Mit ihrem publizistischen Blackout hat die Sozialdemokratin ihr Amt und das Land, das sie vertritt, der Lächerlichkeit preisgegeben. Wird sie das politisch überleben?“ (Mainzer Allgemeine Zeitung, 03.01.23) You are never private! Zumindest das sollte einer „Quotenfrau“ (Lambrecht über Lambrecht) in jeder Situation bewusst sein.

Ob der Kanzler seine Verteidigungsministerin entlässt, steht dahin. Der vergessliche Olaf Scholz hat genug andere Probleme, um jetzt schon ein Revirement in seinem Kabinett vorzunehmen, mit dessen Arbeit dem aktuellen ARD- DeutschlandTrend zu Folge nur noch ein Drittel der Deutschen zufrieden ist. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass die Innenministerin Nancy Faeser demnächst ihr Amt aufgibt, um als Spitzenkandidatin der SPD bei der hessischen Landtagswahl im Herbst anzutreten. Ihr würde Christine Lambrecht folgen. Um die Quotenarithmetik der Regierung zu erhalten, müsste Scholz dann wieder eine Frau finden, die das ungeliebte Amt im Verteidigungsministerium übernimmt. Ganz andere Probleme hat dagegen Amerika, wie die Wahl eines neuen Speakers des Repräsentantenhaus auf abschreckend Weise zeigt. 1855 brauchte es 133 Wahlgänge! Sechs Jahre später begann der Bürgerkrieg.

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