Lage der Nation

Suchen einen neuen Rahmen für ihre Ehe: Tom (Chris O’Dowd) und Louise (Rosamund Pike) in der Fernsehserie „State of the Union“ © Confession TV Limited (2018)/Parisatag Hizadeh.

Krisen, wohin man schaut. Trotzdem geht das normale Leben weiter. Hemden zur Reinigung bringen, ein Kilo Körnerbrot für 7,50 € (!) kaufen, die nächste Ausgabe von FRIZZ Das Magazin produzieren und abends bei einer Serie entspannen. Wir schauen die erste Staffel der TV-Serie „State of the Union“ in der ARD-Mediathek – 10 Folgen à 10 Minuten. Ein wunderbares Format! Ein Paar in der Krise trifft sich vor der Therapiestunde immer in einer Kneipe. Wir nehmen nicht an den Sitzungen teil, sondern erleben ihre Beziehungsarbeit in den Gesprächen davor. Das Buch stammt von Nick Hornby, Regisseur ist Stephen Frears. Rosamund Pike und Chris O’Dowd spielen zurückhaltend eindringlich ein Paar in einer Midlife-Krise, die sozialen und politischen Verhältnisse in England schimmern am Rande durch. „State of the Union“ wurde 2018 gedreht, die zweite Staffel kam dieses Jahr heraus und ist auch in der ARD-Mediathek zu sehen.

Nur in den vollen Zügen der Deutschen Bahn und im ÖPNV sieht man, dass die Corona-Pandemie noch längst nicht zu Ende ist; vorsichtige Menschen streifen sich die Maske auch beim Einkauf oder auf Veranstaltungen über. Gleichwohl hält die Süddeutsche Zeitung schon jetzt eine „Chronik des angekündigten Chaos“ (11.08.22) fest und verweist auf inkonsistente Vorgaben & Regeln. Wir haben uns die 4. Impfung vor einem Monat geben lassen, nicht bei der Hausärztin, die sich an die Empfehlungen der STIKO hält. Inzwischen hat das wackere, ehrenamtlich besetzte Gremium, das immer zu spät kommt, eine Auffrischung für unsere Altersgruppe empfohlen. Damit hatte man in Israel bereits Ende Dezember begonnen. Das verstehe, wer will. Im Herbst wird es jedenfalls keine einheitlichen Corona-Regeln in Deutschland geben; dafür wieder das gewohnte föderale Durcheinander.

Auf Olaf Scholz kann man nicht setzen. Er macht von seiner Richtlinienkompetenz bis dato keinen Gebrauch und lässt die Minister:innen munter werkeln. Zudem hat der Kanzler selbst genug Probleme, und seine Performance beim Abbas-Besuch im Kanzleramt war eine blanke Katastrophe. Die Berliner Zeitung ließ jede Form von Respekt fahren. „Wir haben einen kommunikativen Volltrottel als Kanzler.“ Und wagt eine Prognose: „Er zeigt ein fatales Verhaltensmuster: Mal sagt er einfach ‚Nö‘, wenn er keine Lust hat, Fragen zu beantworten. Mal kann er sich nicht erinnern, mal schlaumeiert er herum, er könne Fragen aufklären, aber doch nicht vor irgendeiner popligen Öffentlichkeit. Das jüngste Versagen alarmiert. Geht das so weiter, wird Scholz als Kanzler inakzeptabel.“ (17.08.22) Energiekrise, Inflation, drohende Rezession, der Ukrainekrieg – die Koalition steht mächtig unter Druck und ist sich schon längst nicht mehr grün. Klare Führung wäre angesagt. Kanzler werden, war nicht (so) schwer, Kanzler sein dagegen sehr. Schiff ahoi!

Tatort Live

Morgens scheint die Welt noch in Ordnung: Blick vom Hotel Hasenjäger auf das idyllische Städtchen Einbeck. © Karl Grünkopf

Das Wetter hätte besser nicht sein können für unser Familientreffen in Einbeck, einer Gemeinde mit 30.000 Einwohnern in Südniedersachsen, die im geteilten Deutschland zum Zonenrandgebiet gehörte. Nach Tagen schwüler Hitze sind die Temperaturen angenehm. Wir schlendern nach dem Frühstück gemütlich in die Stadt, gehen den Mägdebrink hinunter, in dem die Großmutter fast ihr ganzes Leben lang gewohnt hat. Wie oft haben wir sie in all den Jahren besucht. Die Erinnerungen der Reisen verschwimmen; es gibt Erlebnisse, die ich nicht mehr fassen kann und die ich gleichwohl nie vergesse werde. Mit 3 Jahren zog ich mir die Kartoffeltasche über den Kopf und stürzte in den Keller hinab. Zum Glück kam ich mit einem Schrecken davon. Heute verhindert ein Zaun solche Dummheiten. Heute kommen mir die gut anderthalb Meter runter in den Keller nicht mehr so hoch vor. Die Perspektiven verschieben sich wie die Erinnerungen. Alles ist kleiner geworden. Natürlich erzähle ich von der Rußschlacht auf dem Kompost mit meinem Kinderfreund. Schwarz wie Kumpels nach der Schicht sollen wir vor den Müttern gestanden haben. Natürlich war damals keine Kamera zur Hand.

Das ist heute anders. Fast alle haben wir ein Smartphone dabei, checken alle paar Minuten unsere diversen Channels oder machen schnell mal ein Foto. Ich habe tausende Bilder auf meinem Handy, die ich mit einer Kamera nie gemacht hätte. Natürlich knipse ich das Uhrwerk in der Münsterkirche, in der ich einst getauft wurde, und halte noch schnell ein treffendes Gedicht von Andreas Gryphius fest. Danach muss es passiert sein! Kurze Zeit später stehen wir im Lottogeschäft entfernter Verwandter. Ich spiele nie, aber dieses Mal setze ich auf die Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6. Ich krame in meinem Beutel nach dem Handy. Es ist nicht da. Noch einmal alles durchwühlen. Das Ding ist weg. Was tun? Ruhe bewahren und auf einen Digital Native hoffen. Erst einmal rennen wir zurück zur Münsterkirche, dann sagt mein Sohn, I-Phones könne man doch orten. Er aktiviert diese Funktion auf seinem Gerät. Nun fehlt noch die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Wir rasen mit einem Taxi ins Hotel und geben den Code durch.

Der Sohn ortet das Handy rasch in einem Mehrfamilienhaus mit 12 Parteien. In der heißen Mittagssonne warten wir auf die Polizei; der Western „Zwölf Uhr mittags“ geht mir durch den Kopf. Derweil verfolgt die Familie das Geschehen online über unsere WhatsApp-Gruppe mit munteren Sprüchen: „Fangt den Dieb“, „Tatort live“. Nach gut einer Stunde kommen die Retter. Dann geht alles ganz schnell. Das Team klingelt bei irgend jemandem, die Haustür geht auf, gleichzeitig löst der Sohn auf meinem Handy einen Alarmton aus. Wir bleiben draußen, ich höre eine männliche Stimme: „Ich habe heute ein Handy gefunden.“ Später hätte er es abgeben wollen. Warum hat er nicht gleich den Verlust bei der Polizei gemeldet? Warum hat er nicht abgenommen? Immerhin hatte der Sohn achtmal angerufen. Wir lassen die Unschuldsvermutung gelten, treffen rechtzeitig zur Stadtführung auf dem wunderschönen Marktplatz ein und machen später noch das Einbecker Bierdiplom. Keine Ahnung, wie oft ich in meinem Leben in meiner Geburtsstadt gewesen bin. Dieses gelungene Familientreffen in Einbeck werde ich niemals vergessen. Ende gut, alles gut.

Angst vorm Frieren

Man at Work: der grandiose Mixer Philippe (Thimotée Robart). © Céline Nieszawer / Port au Prince Pictures

Nach Monaten endlich mal wieder ins Kino – an einem lauen Sommertag. „Die Magnetischen“ ist eine gute Wahl. Das Werk von Vincent Maël Cardona wurde als Bester Debütfilm mit einem César 2022 ausgezeichnet und hat glänzende Kritiken bekommen; auch Uwe Bettenbühl war begeistert in FRIZZ Das Magazin für Frankfurt. Der Film spielt im Jahre 1981 in der Tristesse eines französischen Dorfes, in dem zwei Brüder unter der Fuchtel ihres Vaters als Schrauber in seiner Autowerkstatt arbeiten. Zusammen betreiben die beiden einen Piratensender. Der große Bruder führt das große Wort, kann seine Existenz aber nur mit Drogen ertragen. Beim Militärdienst in Berlin bekommt der Kleine die Chance seines Lebens; er heuert beim britischen Militärradio als DJ an und legt für seine Flamme eine aberwitzige Performance mit Platten & Tapes hin – ganz großes Kino. Cardona erzählt seine Geschichte (das Buch stammt von ihm) in dichten Bildern, ist ganz nah dran an seinen Figuren und weiß die Musik der 80er Jahre effektvoll einzusetzen. Das Coming-of-Age von Philippe – so viel sei verraten – endet zum Glück nicht in der Provinz.

Vor vierzig Jahren war der Klimawandel noch kein Thema, die akut drohende Energiekrise noch in weiter Ferne. Erschreckend unbedarft nehmen sich die Antworten der Kino-Gruppe auf meine Frage aus, warum man den Saal so stark gekühlt habe. „Nach einer Weile mussten wir uns Socken und eine Fleece-Jacke anziehen“, schrieb ich Ihnen. „Die Klimaanlage tat ihr sinnloses Werk. Sicher ist es in Ihrem Kino möglich, weniger zu kühlen – und Energie zu sparen.“ Die Antwort einer Cosima ist nichtssagend, ich hake nach. Ein Lennart vom Gästeservice antwortet: „Leider lässt sich die Temperatur nicht so einfach umstellen. Die Entscheidung der Geschäftsleitung ist, die Temperatur so zu halten, wie sie ist. Eine Weiterleitung Ihrer Email an unsere Geschäftsleitung ist daher nicht notwendig. Wir bedanken uns für Ihr Feedback, werden allerdings keine Umstellungen vornehmen.“ Alle reden vom Frieren im Winter. Wie viel Energie durch Klimaanlagen im Sommer verschwendet wird, scheint (noch) niemanden zu interessieren. Warum eigentlich?

Das „Sommermärchen“ der Stones in der Berliner Waldbühne hätten wir schon gerne erlebt, aber nicht um jeden Preis. Wir fahren stattdessen zum Schwimmen nach Brandenburg. Anfang Juli saßen wir danach noch bibbernd mit Mütze (!) und Jacke im „Fährhaus Caputh“. Dieses Mal ist es richtig heiß, aber keine:r vermisst eine Klimaanlage. In dem kleinen Ort besaß der geniale Physiker Albert Einstein ein Sommerhaus. Dass man ihm fälschlicherweise Zitate unterschiebt, hätte ihn bestimmt köstlich amüsiert. Auf einer Schiefertafel eines Cafés ist zu lesen: „Der Mensch hat die Atombombe erfunden. Keine Maus der Welt käme auf die Idee, eine Mausefalle zu konstruieren.“ Das Wort stammt von dem Aphoristiker Werner Mitsch. Sein Buch „Das Schwarze unterm Fingernagel“ (1983) ist nur antiquarisch zu bekommen. Ich werd’s versuchen.

Kindheitsgöttin

Ende einer Landpartie: Die DS ist zurück in Berlin-Kreuzberg. © Rolf Hiller

Mit Autos habe ich schon lange nichts mehr am Hut; sie fallen mir im Straßenverkehr höchstens negativ auf. Oldtimer hingegen beachte ich schon, ganz besonders natürlich die schönste Limousine der Welt von Citroën, denn mit ihr sind viele Kindheitserinnerungen verbunden. Die Präsentation der DS auf dem Pariser Autosalon 1955 muss eine Sensation gewesen sein. „Der neue Citroën“, schrieb Roland Barthes in seinen „Mythen des Alltags“ 1957, „fällt ganz offensichtlich insofern vom Himmel, als er sich zunächst als ein superlativistisches Objekt darbietet.“ Mein Vater kaufte 1960 seine erste ID, die etwas einfachere und günstigere Version. Alle vier Jahre gab es ein neues Modell; 1972 bekamen wir sogar eine DS. Unvergesslich die Reisen nach Dänemark in dem eleganten Auto mit der herrlichen hydropneumatischen Federung. Für Fussball interessierte sich der Vater nicht die Bohne, aber das legendäre Endspiel in Wembley 1966 zwischen England und Deutschland hörten wir in der ID. Genauso erinnere ich mich an die Mondlandung drei Jahre später, die ich mit dem Vater vor dem Ferienhäuschen im Autoradio verfolgte.

Eine Landpartie mit einer DS Pallas mit edlen Ledersitzen macht einen Heidenspaß, nicht bloß uns. Kaum parken wir irgendwo, wird das Auto auch schon bestaunt – die Göttin ist aber ein Männerding. Einer erzählt, sein Vater habe sich immer nur Käfer leisten können; ihm stehen Tränen in den Augen. Von den Brandenburger Ruckelpisten merken wir nichts, die hydropneumatische Federung schluckt alles. Ein junger Fahrer in einem Riesentraktor hebt anerkennend den Daumen, ein Tattoogirl quietscht „geil“, als wir an einer Ampel halten. Natürlich habe ich meine Holzlatschen dabei, wie sie der Vater im Sommer immer trug, und unser Shell-Atlas von 2015 liegt auf der Rückbank. Als wir ihn vor ein paar Jahren an einer Shell-Tankstelle kauften, fragte der junge Bursche im Service, was das denn sei. Heute fahren wir alle mit Google oder Navi und „zahlen“ jede Fahrt mit unseren Daten.

Der Vater tankte immer bei Shell, weil er glaubte, dieses Benzin sei besser als andere Marken. Der Verbrauch war damals noch kein Thema. Niemand hätte es in dieser Zeit für möglich gehalten, dass wir uns 60 Jahre später mit bedrohlicher Geschwindigkeit dem Kipp-Punkt nähern, ab dem die Erderwärmung außer Kontrolle gerät. Gestern – am 28.07.2022 – war der Erdüberlastungstag, d.h. ab diesem Tag verbrauchen wir mehr Ressourcen als sich reproduzieren können; Deutschland erreichte diese Schwelle bereits am 04.05.22. Wir leben über unsere Verhältnisse; die steigenden Energiepreise treffen viele Menschen existenziell, während sich einige Konzerne dumm & dämlich verdienen. Shell verbucht allein im zweiten Quartal einen Gewinn von 20 Milliarden Dollar! Es ist höchste Zeit, auch in Deutschland eine Übergewinnsteuer einzuführen. Tabus darf es in einer Krise nicht geben. Bei dieser Gelegenheit sollte gleich eine Vermögensabgabe verabschiedet werden. „Als das Wünschen noch geholfen hat“ von Peter Handke erschien 1974. Das genügt schon lange nicht mehr!

Aussichten

Blick von der Kampenwand auf den Chiemsee. © Karl Grünkopf

Schienenersatzverkehr! Ganz entspannt kommen wir am Bahnhof Zoologischer Garten an. Plötzlich beginnt die Hektik. Mit dem Gepäck rennen wir zu den Ersatzbussen, die zum Hauptbahnhof fahren. Hätten wir bloß ein Taxi genommen. Der Bus fährt gemütlich los, hält noch an weiteren zusätzlichen Punkten – und erreicht den Berliner Hauptbahnhof zu spät. Der gebuchte ICE nach München ist längst weg. Ab ins volle Reisezentrum der Deutschen Bahn, um die Zugbindung aufzuheben. Dort verspricht man uns Hilfe für die Weiterfahrt bei den Kolleg:innen in München. Pustekuchen. Als wir um 0.30h endlich dran sind, platzen alle unsere Hoffnungen. Da er die Zugnummer der ausgefallenen S-Bahn in seinem Programm nicht finden kann, darf (!) er uns nicht helfen – die DB zahlt weder ein Hotelzimmer noch ein Taxi. Was tun? Wir bieten 150,– € für die Fahrt zum Chiemsee, die Chauffeure rufen 100,– € mehr auf. Mit sanfter Stimme bietet schließlich einer seine Hilfe an. Der liebenswürdige Armenier arbeitet in der Medizinbranche und hat sechs Kinder. Seine Frau ist auch berufstätig; nur so können sie für die Miete in München aufkommen. Nebenbei fährt er manchmal Taxi. Als wir uns um 2.30h von ihm verabschieden, hat er noch eine Stunde Fahrt vor sich – und muss um 8.30h wieder aufstehen.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen – und lernen. Demnächst werde ich nicht nur checken, ob der ICE pünktlich ist, sondern auch den Transfer zum Bahnhof. Fahrten, die man nie vergisst. Nach der Ankunft im Regen beginnen entspannte Sommertage. Einmal fahren wir mit den Freunden hoch auf die Kampenwand. Heute kann man hier kaum noch Ski fahren; die Zeiten, in denen der Schnee meterhoch lag und man stundenlang Schnee schaufeln musste, sind dahin. Die meisten Lifte in der Region wurden abgebaut und an Orte verkauft, wo der Wintersport noch ein paar Jahre möglich ist. Der seit Jahrzehnten vorhergesagte Klimawandel ist längst eingetreten, und jede:r weiß genau, was zu tun ist. Aber wir machen einfach weiter und wollen unseren Lifestyle nicht aufgeben. Nach uns die Sintflut!

Auf welch‘ tönernen (fossilen) Füßen unser Wohlstand steht, führt uns der Gas-Diktator Putin jeden Tag genüßlich vor. Die Zustimmung zum Ukraine-Krieg sinkt in Deutschland, auf die Solidarität der EU-Staaten bei einer Versorgungskrise im Winter sollte man hierzulande nichts geben. „Russlands Bruttoinlandsprodukt“, hält die Süddeutsche Zeitung fest, „speist sich zu lediglich drei Prozent aus dem Gas. Europa braucht die Energie viel dringender als Moskau das Geld. Dieses Machtgefälle kann Putin jederzeit ausnutzen: Heute, morgen, bei minus zehn Grad. Es ist diese Ungewissheit, die Preise hochtreibt und Volkswirtschaften taumeln lässt. Eine Gasversorgungskrise trifft das Herz der Europäischen Union, den Binnenmarkt und damit die Wirtschaftsmaschine. Es ist Deutschland, der größte Profiteur dieses Binnenmarkts, das durch seine einseitige Energieabhängigkeit den Existenzkern der Gemeinschaft angreifbar gemacht hat.“ (22.07.22) Wir müssen uns warm anziehen, obwohl die Hundstage erst beginnen.

Zerreißprobe

Klima-Alarm in der Deutschen Bahn. Ein Wagen musste geräumt werden. © Karl Grünkopf

Alles so schön warm hier! Ich hatte schon eine Vorahnung, als ich mich in den Großraumwagen setzte. Kaum hatte ich meinen Imbiss ausgepackt, scheuchte uns die resolute Zugbegleiterin in einen anderen Wagen – unserer musste wegen des Ausfalls der Klimaanlage geräumt werden. Zum Glück war dieser ICE nicht voll besetzt, so dass wir alle unterkamen. Das ist nicht immer so, und bekanntlich hat man in den Zügen der Deutschen Bahn nur einen Beförderungs-, aber keinen Sitzplatzanspruch. Das hat den Vorteil, dass man noch rasch buchen oder nachlösen kann, hat aber den Nachteil, dass die Bahn ihre Kunden nicht kennt, anders als im Flugzeug. Warum das so ist, wissen bestimmt irgendwelche Mitarbeiter:innen im verschachtelten Staatskonzern, der hunderte von Tochterfirmen sein eigen nennt und seit Jahrzehnten von Krise zu Krise taumelt. Ausgefallene Klimaanlagen und geräumte Wagen sind da noch das kleinste Problem. Als Vielfahrer bewundere ich immer wieder die Chuzpe der Verantwortlichen – bis 2030 wollen sie doppelt so viele Fahrgäste transportieren (!) wie jetzt.

Es drohen bald ganz andere gesellschaftliche Herausforderungen, sollte Zar Putin nach der jährlichen Wartung nicht wieder Gas durch die Pipeline Nordstream 1 liefern. Dass diese Möglichkeit von der deutschen Politikerzunft nicht ins Kalkül gezogen wurde, überrascht und könnte die Bundesrepublik Deutschland noch weiter spalten.„Sollte es zu einem Totalausfall russischen Gases kommen“, räsoniert die Neue Osnabrücker Zeitung, „sieht Wirtschaftsminister Habeck ein ‚Albtraum-Szenario‘ aufziehen, das die Gesellschaft vor eine Zerreißprobe stellt. Bundeskanzler Scholz und seine Ministerriege haben in ihrem Amtseid geschworen, alle Kraft zum Wohle des Volkes einzusetzen und Unheil von Deutschland abzuhalten – und nicht, Ordnung und Freiheit anderer Länder um den Preis eigenen Wohlstands und Stabilität zu verteidigen.“ (11.07.22) Nach fast fünf Monaten Krieg in der Ukraine ist es an der Zeit, Fragen zu stellen: Wie lange kann die Ukraine der russischen Überlegenheit noch standhalten? Was wären die Bedingungen für einen Waffenstillstand? Wer würde einen Status Quo garantieren?

Inzwischen haben wir begriffen, dass China, Indien und der Globale Süden den russischen Überfall auf die Ukraine anders bewerten als wir. Über 800 Millionen Menschen auf der Welt müssen hungern – wo es ums schiere Überleben geht, hat die Verteidigung der Demokratie in der Ukraine keine Chance. Um so wichtiger, dass wir uns nicht unsere Duschgewohnheiten vorhalten, sondern sofort tun, was wir tun können. Die Bundesregierung könnte die Mehrwertsteuer bei Gemüse und Obst auf Null setzen, das Dienstwagenprivileg abschaffen und endlich ein Tempolimit beschließen. Eine Beschränkung der Geschwindigkeit auf 130 km/h spart nach Berechnungen des Bundesumweltamtes jährlich 600 Millionen Liter Kraftstoff ein. Einige fahren schon jetzt freiwillig nicht schneller oder haben ihren Fleischkonsum reduziert. Die Hälfte der Getreideernte hierzulande wird ans arme Vieh verfüttert, ein Gutteil landet als Bioethanol in Autotanks. Daran wird sich nichts ändern, solange die FDP in der Regierung die Vernunft ad absurdum führt. Packen wir es selber an!

Unwissenheit

Temporäre Installation auf der dOCUMENTA (13) 2012 in Kassel. © Gitti Grünkopf

Schöne, neue, smarte Welt. Ich wollte besonders clever sein und das avisierte Weinpaket an einem anderen Tag zustellen lassen. Als es dann doch nicht kam, ging ich im Netz auf die Suche und musste feststellen, dass UPS die Sendung auf den Namen meiner Frau einfach zu einem sog. Access Point gebracht hatte. Ausweis und Karre von IKEA geschnappt und im Nieselregen los zum Abholen. Das Paket sei nicht da. Darauf nannte ich den Absender und den Namen meiner Frau. Diese Sendung habe er, gab mir der freundliche Mitarbeiter zu verstehen, mir dürfe er sie aber nicht aushändigen und berief sich auf den Datenschutz. Es habe im letzten Jahr Betrügereien in Millionenhöhe gegeben. Zum Glück akzeptierte er eine Vollmacht per Mail, und ich machte mich mit der Karre auf den Weg. Wieder einmal fühlte ich mich bestätigt, dass der Datenschutz funktioniert, wo ihn keiner braucht, während die amerikanischen Tech-Giganten mehr über mich wissen als ich selbst.

Nach einer Fahrt mit der Deutschen Bahn ist die Corona Warn App wieder auf rot gesprungen. Kein Wunder, der ICE war sehr gut besetzt, zudem musste ein Wagen geräumt werden, weil die Klimaanlage ausfiel. Die Zahlen steigen täglich, aber das scheint niemanden im dritten Sommer des Vergessens zu stören. Der Herbst ist ja noch lang hin. Gesundheitsminister Lauterbach warnt, Justizminister Buschmann wiegelt ab, mangels valider Daten bringt das Gutachten des Corona-Expertenrats nichts, wie der Münchner Merkur nüchtern bilanziert: „Nach der Lektüre des Corona-Expertenberichts ist die Politik so schlau wie zuvor. Helfen Schulschließungen? Vielleicht ein bisschen. Lockdowns? Nur zu Beginn. 2G- und 3G-Zugangsbeschränkungen? Bei den aktuellen, hochansteckenden Virusvarianten ist der Nutzen umstritten. Das Ergebnis kann eigentlich niemanden überraschen: Weil es in der ‚Datenwüste D‘ an digital erhobenen Zahlen und Fakten mangelt, gab es auch keine Begleitforschung, die der Politik und dem RKI wirksame Handlungsempfehlungen an die Hand hätte geben können. Nicht mal die Messung der Viruslast im Abwasser, anderswo Routine, ist bei uns nach zwei Jahren Pandemie behördlicher Standard.“ (02.07.22)

Ähnlich dürftig sind die Erklärungen des indonesischen Künstlerkollektivs ruangrupa, warum auf der documenta fifteen ein zwanzig Jahre altes Plakat mit antisemitischen Motiven gezeigt wurde. Zur Anhörung zu diesem Skandal im Deutschen Bundestag erschienen weder der Kasseler OB Christian Geselle noch die Documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann – und haben damit der bedeutendsten Schau moderner Kunst einen Bärendienst erwiesen. Nach dem Imageschaden droht nun aber auch ein gewaltiges Defizit. Dem Hessischen Rundfunk zufolge kamen bis dato nur halb so viele Besucher:innen wie vor fünf Jahren. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, sagt der Volksmund. Das wussten wir, als wir auf der dOCUMENTA (13) vor zehn Jahren spontan eine temporäre Aktion durchführten. In einem stillen Winkel hinter einem Werk von Thomas Bayrle stellten wir unbemerkt zwei kleine Figuren auf. Nach etwa zehn Minuten beendeten wir die Aktion – unerkannt & unbehelligt vom Wachpersonal. Ende gut, alles gut!

Money, Money

Längst hat der Krieg in der Ukraine eine weltweite Dimension erreicht und trifft den Globalen Süden unmittelbar. © Ryan McGuire / Pixabay

Einen Warnstreik in der Geld- und Wertdienstbranche melden die Nachrichten; Bares könnte knapp werden im Einzelhandel und in den Geldautomaten. Ich hatte mit langen Schlangen vor den Maschinen gerechnet, kann aber sofort meine Karte hineinschieben und bekomme ohne Probleme Bargeld, allerdings nur in kleinen Scheinen. Hätte ich das G7-Treffen auf Schloss Elmau so bezahlen wollen, hätte ich 8,5 Mio. 20 Euro-Scheine auf den Tisch legen müssen. Schöne Bilder, schöne Reden, schöne Bescherung. Schlappe 170 Millionen Euro kostete das Treffen der Regierungschefs der sieben wichtigsten westlichen Industriestaaten. Die EU war natürlich auch vertreten, und zu einigen Gesprächen stießen Gäste aus dem Globalen Süden dazu. Unabhängig von den immensen Kosten stellt sich die Frage, ob dieses Format der schönen Inszenierung heutzutage noch eine Berechtigung hat. Sicher gibt es andere Möglichkeiten, sich in persönlichen Begegnungen auszutauschen. Man hätte sich beispielsweise vor dem NATO-Gipfel in Madrid treffen und mit dem Kulissengeld etwas Sinnvolles machen können.

Wenn die Zeichen nicht trügen, wird der Angriffskrieg der russischen Armee in der Ukraine im Globalen Süden anders bewertet als in der westlichen Welt. Dort fürchtet man eine gewaltige Hungerkatastrophe, weil die Getreidelieferungen aus der Ukraine und Russland nicht über das Schwarze Meer bei ihnen ankommen können: Die Silos sind randvoll, und die nächste Ernte steht bevor. Vor diesem Hintergrund ist es womöglich wieder ein geschickter Schachzug von Putin, dass seine Truppen überraschend die strategisch wichtige Schlangeninsel geräumt haben. Das dürfte Wirkung zeigen im Globalen Süden, der insgesamt vollkommen anders tickt, wie es Caroline Fetscher bündig formuliert hat: „In der postkolonialen Theorie sind daher oft ganze Begriffsräume verpönt. Aufklärung, Menschenrechte, internationales Recht und Säkularisierung sind unter Verdacht. Sie gehören dort zur weißen, hegemonialen, imperialistischen, rationalistischen, kapitalistischen, patriarchalischen, heteronormativen euro-amerikanischen Matrix der Macht. Gern wird dieses Konglomerat noch, wie auf der aktuellen Documenta in Kassel, mit antisemitischen, antiisraelischen Inhalten aufgeladen.“ (Der Tagesspiegel, 28.06.22)

Vor diesem Hintergrund ist der Umgang der Documenta mit den Vorwürfen, antisemitischer Hetze eine Plattform gegeben zu haben, seltsam naiv. Anstatt offen einzugestehen, dass man genauer hätte hinschauen müssen, treten der Bürgermeister von Kassel und einige prominente Politiker der Stadt nach – und stellen sich mit ihrer Kritik an Bundespräsident Steinmeier und Kanzler Scholz selbst ins provinzielle Abseits. Was tun? Ziel aller Beteiligten müsste doch sein, irreversiblen Schaden von der Documenta abzuwenden. Wir fahren trotzdem nach Kassel zur documenta fifteen, werden uns aber den Auftritt der Stones in der Berliner Waldbühne verkneifen. Die billigsten Plätze für 200 Euro sind schon weg; es gibt nur noch das Beggar’s Banquet Paket ab 849 Euro. Davon könnte eine ganze Familie nach Mallorca fliegen. Freunde von uns kamen gerade von der Lieblingsinsel der Deutschen zurück – mit 24 Stunden Verspätung. Schlimmer geht’s immer.

Boykott

Wie ein Menetekel hängt das Schild noch immer in der Ortsmitte. © Karl Grünkopf

Nach dem heiteren Beginn kam das bittere Erwachen bei der documenta fifteen in Kassel. Es war ein Scheitern mit Ansage, denn seit Monaten kursierten Gerüchte, dass die künstlerische Leitung, das indonesische Kollektiv ruangrupa, mit BDS sympathisiere, also einer internationalen Bewegung, die „Boycott, Divestments and Sanctions“ gegen Israel propagiert. Inzwischen wurde das 20 Jahre (!) alte Grossplakat der indonesischen Gruppe Taring Padi mit antisemitischen Motiven am Friedrichsplatz entfernt, inzwischen will man den gesamten Bestand an (teils temporären) Kunstwerken auf der documenta fifteen sichten, inzwischen hat Kanzler Olaf Scholz seinen Besuch in Kassel abgesagt, inzwischen fordert die “Jüdische Allgemeine“ den Rücktritt von Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Der Imageschaden für die Stadt Kassel und die documenta sind überhaupt nicht abzuschätzen. Sascha Lobo titelt seine Kolumne im Nachrichtenmagazin Der Spiegel “Willkommen bei der Antisemita 15“, und die “Süddeutsche Zeitung“ spricht von einem “einzigen Scheitern.“ Der Eklat bei der documenta fifteen, der “Antisemismus mit langer Ansage“ (Lea Rosh) wird Konsequenzen haben: konzeptionell und personell.

Solche Handlungsoptionen gibt es in der Welt der großen Politik derzeit leider nicht. Es war naiv anzunehmen, dass ein Teil-Embargo von fossilen Energieträgern aus Russland nach deutschem oder europäischen Gusto ohne Reaktion bleiben würde. Derzeit liefert Russland nur noch 50% der üblichen Menge vor dem Angriff auf die Ukraine – und erzielt die gleichen Einnahmen. Damit entpuppen sich die gut gemeinten Sanktionen als Inflationstreiber, die weder Russland schaden noch der Ukraine helfen. Der Winter wird nicht nur hart und kalt; es droht, da quasi alle Preisen steigen, eine Rezession. Wie der Finanzminister Christian Lindner 2023 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen will, ist nicht nachvollziehbar. „Wir sind die Gestalter und Gestalterinnen unseres Schicksals“, verkündete er selbstgewiss im heute journal des ZDF (21.06.22) Das muss er wohl als Politiker der FDP, obwohl sogar Klein-Hänschen weiß, dass dieser Satz unwahr ist, in einer vernetzten Welt zumal.

Versuchen kann man indes schon, das Schicksal zu gestalten. Jahrelang kämpften die Bürger:innen in Brandenburg gegen einen Truppenübungsplatz in Wittstock. Bis 1993 (!) wurde das sog. Bombodrom von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) genutzt (Wikipedia). Dann übernahm die Bundeswehr das Gelände und wollte einen Luft-Boden-Schießplatz errichten; 1.700 Flugstunden pro Jahr waren geplant. 2011 wurden die Pläne endgültig begraben; die Protestmärsche waren letztlich also erfolgreich. Zweifel sind angebracht, ob diese Entscheidung auch heute noch gefällt würde, da eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO nicht mehr ausgeschlossen werden kann. In seinem Lied “Heute hier, morgen dort“ singt Hannes Wader „dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.“ Gestern feierte der Barde, der zu seinen Widersprüchen steht, seinen 80. Geburtstag – „So vergeht Jahr um Jahr.“ Die Vögel zwitschern, der Wind rauscht leise in den Blättern, schon zum zweiten Mal an diesem Tag heulen die Sirenen. Unsere Zukunft scheint ungewisser denn je.

lumbung

One Day At BOLOHO Space In Guangzhou, Farbdruck eines Holzschnitts von BOLOHO, 2021, Courtesy BOLOHO

Das ist das Wort dieses Kunst-Sommers: lumbung. Das ist der indonesische Begriff für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune. Unter dieses Motto hat das Künstlerkollektiv ruangrupa die documenta fifteen gestellt, die bis zum 25. September Kassel aus dem Dornröschenschlaf erweckt und in eine internationale Kunstmetropole verwandelt. Im Vorfeld gab es heftige und erbitterte Diskussionen, aber bei der Eröffnung fürs Fachpublikum ist davon nichts zu spüren, die meisten sind beeindruckt & verzaubert wie Kathrin Bode (Redaktionsleiterin von FRIZZ Das Magazin für Kassel): „Selbst Petrus liebt die documenta: Bei strahlendem Sonnenschein begannen am Mittwoch die Previewtage der documenta fifteen. Die Atmosphäre der Veranstaltung – energiegeladen, begeistert und voller Dankbarkeit und Erleichterung, dass die Ausstellung trotz Pandemie nun wirklich stattfinden wird. Der abendliche Presseempfang im Kasseler Auestadion stand ganz im Zeichen von nongkrong (indonesischer Slang-Begriff für „gemeinsam abhängen“). Ungezwungen und ausgelassen trafen Weltpresse und Kasseler Gesellschaft auf die künstlerische Leitung, das indonesische Kollektiv ruangrupa, und zahlreiche Künstler:innen.“

Eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, das ist eine schöne Metapher für unsere Erde, von der es bekanntlich keine Version 2.0 geben wird. Wir müssen vor allem den Kipp-Punkt der Erderwärmung, den Point of no Return, noch verhindern. Danach sieht es leider nicht aus. Autokratische & populistische Politiker – es sind fast nur Männer (!) – weltweit scheren sich einen Dreck um die Fakten, setzen unbeirrbar weiter auf fossile Energien und hinterlassen buchstäblich verbrannte Erde und versunkene Länder. Was kann die Kunst dagegen bewirken? Unverdrossen erinnert sie sui generis an Alternativen, gelegentlich sogar ganz konkret. Joseph Beuys‘ prophetisches Projekt einer „Stadtverwaldung“ stieß bei der documenta 7 (1982) anfangs auf entschiedene Ablehnung der Kasseler Gesellschaft. 7.000 Eichen sollten in der Stadt gepflanzt werden, 1987 konnte das visionäre Vorhaben abgeschlossen werden. In Madrid wird gerade Europas größter Klima-Schutzwall aus 500.000 Bäumen gepflanzt.

Nicht minder sympathisch als lumbung hört sich nongkrong an, aber das gemeinsame Abhängen ist in Zeiten der Pandemie nicht ohne Risiko. Die Zahlen steigen wieder, und der Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist wieder in seine liebste Rolle geschlüpft: als Mahner & Warner. Wie recht er hat, verdeutlicht ein Fall aus meinem direkten Umfeld. Ein junger, sportlicher Mann hat sich angesteckt und wurde gestern mit 40,13 Grad Fieber regelrecht niedergestreckt. Ängstlich ist er nicht, vorsichtig aber schon und dreimal mit BionTech geimpft. Das Corona-Virus bleibt tückisch und unberechenbar, in welcher Variante auch immer. Das scheinen die meisten Menschen schon wieder vergessen zu haben. Bei der Premiere des schlicht „Konzert“ genannten Programms des wundervollen A-cappella-Trios „Muttis Kinder“ in der Berliner „Bar jeder Vernunft“ – sie feiert gerade ihren 30. Geburtstag – trug außer uns nur eine Besucherin im Spiegelzelt eine Maske. Diese Leichtfertigkeit ist bar jeder Vernunft. Der nächste Winter kommt bestimmt und keine:r hat’s gewusst.