Wieder

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Theater heute: Vor dem Deutschen Theater in Berlin erleben Besucher*innen auf Distanz „Die Pest“ in einer gelungenen szenischen Verdichtung. © Rolf Hiller

Wenn die Fahrgäste keine Masken tragen würden, wäre alles wie immer. Der ICE nach München über Leipzig und Frankfurt ist am Sonntag gut gebucht. Zur Sicherheit steige ich schon am Berliner Hauptbahnhof ein, im Laufe der Fahrt füllt sich der Zug immer mehr. Wie im Flugzeug sitzen zum Teil Wildfremde direkt nebeneinander; viele hocken lieber auf dem Boden in den Eingängen. Offensichtlich verzichtet die Deutsche Bahn darauf, ihre Züge doch nur mit der Hälfte der Passagiere fahren zu lassen – in den letzten Monaten sind auch bei diesem Unternehmen Verluste in Milliardenhöhe aufgelaufen. Niemand sollte indes dem Glauben verfallen, diese Pandemie sei schon überwunden.

Wären wir am Dienstag nach Mallorca geflogen, dann hätten wir nebeneinander sitzen können; aber die Freunde vom Deutschen Theater dürfen keine Abweichung von der Vorschrift dulden. Bei der Bestuhlung draußen vor dem Deutschen Theater in Berlin gelten die Corona-üblichen Sicherheitsabstände. Egal, Hauptsache wieder echtes Theater und kein fades Streaming. Gespielt wird „Die Pest“ von Albert Camus, der Text der Stunde. Geschickt hat der Regisseur András Dömötör den Roman gerafft und verdichtet. Der Schauspieler Božidar Kocevski setzt die lakonische Schilderung mit sparsamen Mitteln um – und beeindruckt um so mehr. Am Schluss feiern die Menschen ihr Überleben, doch der Arzt Rieux „wusste, was dieser frohen Menge unbekannt war und in den Büchern zu lesen steht, dass der Pestbazillus niemals ausstirbt oder verschwindet.“

Nicht anders wird es mit Corona sein. Mit diesem Virus werden wir leben müssen und immer auf der Hut sein – auch beim Yoga. In unserem kleinen Raum sind nur noch fünf Matten fixiert, die nach der Übung desinfiziert werden. Alles neu und ungewohnt, dennoch lässt sich Yoga live mit der Meisterin überhaupt nicht mit dem digitalen Surrogat bei Zoom vergleichen! Corona stellt unser gewohntes Leben in Frage und auf den Prüfstand. So futtern die Deutschen ein gutes Kilo Fleisch pro Woche. Wir alle wissen, was wir tun, und haben schon einmal von den Sklaven aus Osteuropa gehört, die in den Fleischfabriken schuften und sich abends in Massenunterkünften von ihrer Maloche erholen sollen. „Eigentum verpflichtet“, empört sich die „Neue Ruhr Zeitung“ vom Tage. „Sein Gebrauch soll zum Wohle der Allgemeinheit dienen. So einfach, so glasklar steht es im Grundgesetz. Clemens Tönnies, Milliardär, Großwildjäger, Bußgeld-Trickser und Chef eines Unternehmens, in dem Menschen zu Dumpinglöhnen Tiere schlachten, entbeinen und zerlegen, schert sich offenbar einen feuchten Kehricht um die Verpflichtungen, die ihm das Grundgesetz auferlegt. Er ist der Typus eines Feudal-Unternehmers, dem es nur um eines geht: die Vermehrung seines Reichtums, koste es was es wolle.“ Mahlzeit!

Ein Kommentar zu „Wieder

  1. Clemens Tönnies ist sogar noch im Aufsichtsrat von Schalke 04 … Billigfleischgeld wird den Topspielern in den Arschgeschoben, die spieln jetzt vor leeren Rängen, gut so. Es ist alles zuviel, bitte mehr Magie, Spiritualität und Kunst.

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