Dauerwelle

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Der berühmte Garten von Ada und Emil Nolde; das Wohn- und Atelierhaus wird renoviert. © Gitti Grünkopf

Ohne Anmeldung geht nichts in dieser Zeit. Also schreiben wir eine Mail nach Seebüll. Keine Stunde später ist die Antwort der Nolde Stiftung im Posteingang – wir können einfach kommen, es gebe nur kurze Wartezeiten. Möchte man/frau die wunderbaren Bilder von Emil Nolde nicht mehr so gerne sehen oder schreckt die Renovierung des Wohn- und Atelierhauses derzeit ab. Mit Tischtennisbällen kontrolliert das freundliche Personal, wie viele Personen sich gerade im Gebäude oder im berühmten Garten befinden. Leider hängen die Werke im Besucherforum schlecht; die Beleuchtung lässt auch sehr zu wünschen übrig. Erstaunlich, dass sich zu der Sanierung kein Hinweis auf der Homepage findet. Dennoch lohnt ein Blick auf das Werk dieses verschlossenen Mannes, der von seiner Kunst nicht weniger überzeugt war als von Adolf Hitler und sich nach dem Ende der Diktatur als Opfer stilisierte.

Weniger diszipliniert geht es derzeit bei Demos und im öffentlichen Verkehr zu. Warum es in Deutschland erschreckende Bilder von Corona-Verweigerern jedweder Couleur gibt, nicht aber in Frankreich, Spanien oder Italien, irritiert. Nicht weniger verwundert, warum das Versammlungsrecht nicht mit strikten Auflagen versehen & durchgesetzt wird. Jeder Spinner sollte hierzulande für seine Sache demonstrieren können – aber doch bitte mit Maske. Inzwischen werden Maskenverweigerer im ÖPNV (in einigen Bundesländern) nicht mehr nur ermahnt, sondern für ihr asoziales Tun sofort bestraft, sofern es genug Kontrollen gibt. Ich habe jedenfalls nicht die Courage, latent aggressive Maskenmuffel des sog. starken Geschlechts zur Rechenschaft zu ziehen; schon vor der Pandemie waren die U-Bahnen und Bahnsteige unter Tage nicht dazu angetan, auf zivile Regeln des Umgangs hinzuweisen. Leider!

Die Dauerwelle – diese treffende Formulierung hat der Bonner Virologe Hendrick Streeck geprägt –  wird unser Leben nachhaltig verändern und uns der WHO zu Folge noch Jahrzehnte beschäftigen. So sehen es erstaunlich viele in New York, das sich doch angeblich immer neu erfindet und wo jede*r sein Glück machen kann. „Zwischen März und Mai 2020 verließen 420.000 Menschen die Stadt, das sind 5 Prozent ihrer Bevölkerung“, schrieb Frauke Steffens in der FAZ (04.08.20). Auch „California Dreamin'“ bietet keine Hoffnung, wie mir ein Freund gestern aus Los Angeles schrieb: „Museen, Galerien, Kinos, Büchereien, Restaurants etc. sind in LA immer noch zu. Dafür darf man endlich wieder ohne Bestrafung an den Strand gehen. Welch eine Gnade.“ Aus Amerika war von Demos gegen die Coronamaßnahmen bis dato nichts zu hören. Incredible!

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