Positiv

Striche lügen nicht. © Rolf Hiller

Nun hat das Virus auch mich erwischt. Am Montag war ich noch negativ, tags drauf auf der Rückfahrt abends fühlte ich mich schlapp & schlapper, aß zu Hause noch Nudeln mit Mangold und fiel sofort ins Bett. Das Bistro im ICE war wieder einmal geschlossen – dieses Mal gab’s keine Beleuchtung. Vorsichtshalber hatte ich schon alle Termine am letzten Wochenende abgesagt; nun wurden die Verabredungen für diese Woche gestrichen. Das ist selbstverständlich; mir ist nicht nachvollziehbar, warum 10% aller Berufstätigen mit positivem Test zur Arbeit gehen. Zum Hausarzt habe ich mich allerdings nicht bemüht; das machen inzwischen die wenigsten Infizierten mit nur leicht grippalen Symptomen. Die Zahlen der Corona-Warn-App spiegeln deshalb nicht mehr annähernd die wahre Verbreitung der neuen Omikron-Variante wider, gegen die meine zweite Booster-Impfung aus dem Juli kaum wirkt. Es wird höchste Zeit, dass auch hierzulande ein flächendeckendes Abwasser-Monitoring eingeführt wird, was in vielen anderen europäischen Ländern längst passiert ist.

Durch unsere positiven Tests hat eine Selbstisolierung begonnen; wir verlassen kaum noch unsere Wohnung. Mit Skrupeln und Maske, versteht sich, die nötigsten Einkäufe machen? Darf man das überhaupt? Eine Recherche im Netz verschafft Klarheit: „Wer in Quarantäne oder Isolation geht, bleibt zu Hause und verlässt die Wohnung nicht – auch nicht zum Einkaufen.“ (rbb24.de) Ein Selbsttest genüge nicht zur Freitestung. Hält sich da jemand dran? Zum Glück lässt sich in digitalen Zeiten fast alles von zu Hause erledigen. Der Job, die noch notwendigen Besorgungen für unsere Reise nach Indien nächste Woche, die schon zweimal der Pandemie zum Opfer fiel. Einmal waren die Zahlen dort besonders hoch, im Frühjahr war es umgekehrt. Bis nächste Woche sind wir hoffentlich erst einmal durch mit dieser Infektion. Sicher ist das nicht. Freunde von uns – auch viermal geimpft – erkrankten fast zur gleichen Zeit wie wir, hatten über 39 Grad Fieber, hartnäckigen Husten und fühlen sich schlapp und kraftlos. Das macht diese Virusinfektion so unheimlich – man weiß nicht, wann und wie schlimm sie uns trifft und welche Folgen sie haben kann. Schätzungen gehen von einer halben Million Patient:innen mit Long Covid in Deutschland aus.

Die volkswirtschaftlichen Folgen der Pandemie lassen sich seriös noch überhaupt nicht abschätzen. Das gilt nicht minder für die Konsequenzen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, die uns im Herbst und Winter ganz unmittelbar treffen werden. Die Energiekosten gehen durch die Decke, die Inflation ist auf dem höchsten Stand seit 70 Jahren. Ein Sondervermögen von 200 Milliarden Euro, vulgo neue Schulden, sollen die schlimmsten Folgen der schlimmsten Krise der Bundesrepublik, in die das Land gerade taumelt, mildern. Strukturell ändern diese Mittel überhaupt nichts an der Abhängigkeit von fossilen Energien. Der Umbau der Energieversorgung wird noch Jahre dauern. Auf diesen Winter folgt der nächste. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es in Deutschland zu Unterbrechungen der Stromversorgung kommt. In weiten Teilen der Ukraine sind Strom und Wasser nur stundenweise verfügbar; viele Menschen verlassen ihre Heimat. In der Nähe von Wismar wurde ein Heim für ukrainische Flüchtlinge abgebrannt. Es ist eine Schande!

Ein Kommentar zu „Positiv

  1. Milden Verlauf mit wenig späteren Nachwirkungen.
    Damit ich Ihre wöchentlichen Gedanken seit jenem zufälligen Treffen in Hotel am Klostersee weiter lesen, mitdenken kann.
    Und mich in Sympathie an Sie erinnern kann.
    Herzliche Grüße auch an die Ihre, Almut Düker

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