Generation Glück

Mit den beiden Worten der Headline hat natürlich die KI ein Bild mit jungen, lachenden, sympathischen Menschen produziert. Ist das die Generation Glück? Zweifel sind angebracht, die Stichworte hat jede:r sicher parat. Das große Los haben dagegen ganz sicher die Babyboomer gezogen, die in den Jahren 1955 – 1969 geboren wurden. Für diese Generation ging es tatsächlich immer bergauf – immer mehr, immer besser. Ein Freund spricht von der Gnade der frühen Geburt. Das Buch “Grenzen des Wachstums” (1972) haben wir natürlich gelesen, es gab Kriege & Krisen, aber Klimawandel, eine Spaltung der Gesellschaft und hyperglobale Krisen belasteten noch nicht. “Die Rente ist sicher”, verkündete der Arbeitsminister Norbert Blüm in den 1980er Jahren gebetsmühlenartig, als hätte er schon geahnt, dass die umlagefinanzierte Rente einst in eine Krise kommen würde. 1962 kamen noch 6 Arbeitnehmer auf 1 Rentner, heute sind es nur noch 2; gleichzeitig ist die Lebenserwartung deutlich gestiegen. 

Eine Politik, die über Wahltermine, Umfrageergebnisse und Social Media Hypes hinausgeht, sollte diese Tatsachen anerkennen und daraus die richtigen Konsequenzen ziehen. Stattdessen fließt im Bundeshaushalt 2026 fast ein Viertel des Gesamtetats von 520 Milliarden Euro als Zuschuss in die gesetzliche Rentenversicherung. Um tragfähige Lösungen drückt sich die Politik seit langem. Ein Leugnen des demographischen Wandels in der BRD kommt einer Realitätsverweigerung gleich und wird sich in naher Zukunft bitter rächen. Um eine Bestandsaufnahme mit der wahren Generation Glück, zu der auch Kanzler Merz (* 11.03.1955) gehört, drückt sich die Politik seit Jahrzehnten herum. Ein fairer Deal mit den Babyboomern muss aber gefunden werden. Genauso nötig ist eine Bestandsaufnahme im Gesundheitssystem – Kranken- und Pflegeversicherung müssen grundlegend reformiert werden. Schwierige & schmerzhafte Fragen werden zu stellen und zu beantworten sein. Wahlgeschenke sind leichter zu verteilen. 

Wie lange regiert schon die CDU/SPD-Koalition unter Friedrich Merz? Gefühlt schon so lange wie die sogenannte “Zukunftskoalition” davor. Eine unrühmliche Rolle spielt dabei der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion Jens Spahn. Er hatte sich wie der Kanzler für die Berufung von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin ausgesprochen, konnte oder wollte aber dann nicht die Zustimmung seiner Fraktion sichern. Im Gegenteil wurde Deutschlands inzwischen bekannteste Juristin durch Verleumdungen und Hetz-Kampagnen in den (a)sozialen Medien desavouiert. Jetzt hat sie auf ihre Kandidatur verzichtet. Nun macht sich die unheilige Allianz aus AfD, Reaktionären der Katholischen Kirche und der CDU/CSU daran, die andere Kandidatin der SPD, Ann-Kathrin Kaufhold, zu verunglimpfen. Nicht nur die Süddeutsche Zeitung ist entsetzt: “Frauke Brosius-Gersdorf ist Opfer geworden einer beispiellosen Hetzkampagne, wie man sie mit diesen konkreten politischen Folgen in Deutschland wohl bisher nicht erlebt hat. Rechtspopulistische Medien und Aktivisten haben es in einer gemeinsamen Desinformationskampagne geschafft, das Zerrbild einer linksradikalen Juristin zu schaffen, die zu extreme Thesen vertrete für das höchste deutsche Gericht. Dass diese Darstellung nichts gemein hatte mit der Realität, ist in den vergangenen Wochen umfassend beschrieben worden.” (08.08.25) Das hat keine Generation Glück verdient! 

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