
Die Party ist vorbei, die Oscars sind verteilt. Wir sichern uns sofort Tickets für “Hamnet”; Jessie Buckley spielt die Hauptrolle in diesem Film und bekam dafür den Oscar als BesteHauptdarstellerin. Ein “Muss fürs Bildungsbürgertum” (FRIZZ Das Magazin) haben wir nicht entdeckt, dafür eine rührselige, oft kitschige Geschichte, die nicht veranschaulichen kann, warum der Tod seines Sohnes Hamnet Shakespeare zu seiner Tragödie “Hamlet” motiviert haben könnte. Als bester Dokumentarfilm wurde “Mr. Nobody Against Putin” mit einem Oscar ausgezeichnet – eine ARTE-Koproduktion, die noch bis zum 29.04.2030 in der Mediathek zu sehen ist. Aus dem Material, das der Lehrer & Videograph Pawel Talankin an seiner Schule in der russischen Industriestadt Karabasch auf Anweisung der Regierung aufgenommen hat, entsteht eine bemerkenswerte Doku über die Politisierung des Schulalltags durch Propaganda seit Beginn der “Militärischen Spezialoperation” gegen die Ukraine.
In seiner Dankesrede bei der Oscarverleihung findet der Regisseur des Films David Borenstein, der in Kopenhagen lebt und arbeitet, als einziger klare und nachdenkliche Worte. „’Mr. Nobody Against Putin handelt davon, wie man sein Land verliert. Und was wir bei der Arbeit mit diesem Filmmaterial festgestellt haben, ist, dass das durch unzählige kleine, unscheinbare Akte der Komplizenschaft geschieht. (…) Wenn wir uns mitschuldig machen, wenn eine Regierung Menschen auf den Straßen unserer Großstädte ermordet, wenn wir nichts sagen, wenn Oligarchen die Medien übernehmen und kontrollieren, wie wir sie produzieren und konsumieren können.’ Wir alle stünden vor einer moralischen Entscheidung – aber auch ein Niemand sei mächtiger, als man denke, so Borenstein.“ (Tagesspiegel, 17.03.26) Zumindest hat es in den USA im Moment den Anschein, als würden selbst bei Trump-Anhängern die Zweifel wachsen, ob die anhaltend erratische Politik ihres Präsidenten noch dem amerikanischen Volk dient. Offensichtlich wurden die militärischen und strategischen Optionen des Iran fahrlässig unterschätzt, offensichtlich treiben die Kriegskosten und die Strafzölle die Inflation an.
Gibt es in Trumps Umfeld niemanden (mehr), der sich traut, den amerikanischen Präsidenten zur Räson zu bringen? Am letzten Wochenende äußerte er sich über die wichtige iranische Insel Charg, und sein Zynismus erreichte einen neuen Tiefpunkt: “Wir schlagen vielleicht noch ein paar Mal zu, einfach nur so zum Spaß.” Zumindest scheint Trump inzwischen zu begreifen, dass die Folgen und Kosten des Krieges gegen den Iran für ihn zum Problem werden. 1 Milliarde Dollar fallen täglich an, insgesamt möchte er die Freigabe des Kongresses für 200 Milliarden Dollar. Die humanitären, ökologischen und sozialen Folgen dieses Krieges lassen sich nicht ermessen. Die Energiepreise steigen, die Börsenkurse fallen, die Lieferketten stocken – es droht eine weltweite Rezession. Wer könnte Trump bremsen? Nur der chinesische Präsident Xi Jinping, der sich auffallend zurückhält und dessen Schiffe die Straße von Hormus noch passieren können. „Arrogante Soldaten verlieren sicher.“ (Chinesische Weisheit)

Dieser Beitrag wurde mit ChatGPT moderiert.
Ihr Beitrag berührt einen wichtigen Punkt – doch aus meiner Sicht bleibt er noch zu zurückhaltend angesichts der Realität.
Denn was wir derzeit global beobachten, ist mehr als nur ein schleichender moralischer Verfall durch „kleine Akte der Komplizenschaft“. Es ist ein offenes Ringen um Macht, in dem sich sehr unterschiedliche politische Systeme erschreckend ähnlich verhalten: Ob in China, Russland, Nordkorea, dem Iran, in Israel unter Netanjahu oder in den USA unter der aktuellen Administration – überall zeigt sich eine Bereitschaft, Einfluss um nahezu jeden Preis auszuweiten.
Dabei wird die Idee einer universellen, unteilbaren Menschenwürde nicht nur vernachlässigt, sondern zunehmend zur leeren Floskel degradiert. Während Regierungen strategische Vorteile kalkulieren, tragen die Schwächsten die tatsächlichen Kosten – sei es durch Krieg, Repression, wirtschaftliche Not oder systematische Entrechtung.
Was besonders irritiert, ist der wiederkehrende Hochmut, mit dem diese Politik betrieben wird: als ließe sich Macht dauerhaft sichern, indem man Leid ignoriert oder relativiert. Geschichte und Gegenwart zeigen jedoch, dass genau darin der Keim des Scheiterns liegt.
Der Hinweis auf individuelle Verantwortung ist wichtig – aber er darf nicht dazu führen, strukturelle Machtverhältnisse zu verharmlosen. Es reicht nicht, nur auf die „kleinen Entscheidungen“ zu schauen, wenn gleichzeitig große politische Akteure systematisch Grenzen verschieben.
Gerade deshalb braucht es klarere Worte und weniger Zurückhaltung. Nicht aus moralischer Überlegenheit heraus, sondern aus der schlichten Notwendigkeit, Unrecht als solches zu benennen.
Ihr Beitrag liefert dafür einen Ansatz – aber vielleicht braucht es noch mehr Konsequenz in der Schlussfolgerung.
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