Liebe in Zeiten des Wahnsinns

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Keine Hoffnung in dieser Welt für Wiktor und Zula in dem großartigen Film „Cold War“.

Nichts ist gut! Deshalb freuen wir uns ganz besonders auf Weihnachten, das Fest der Familie und der Liebe. Und stürmen die Musicals, die um die Jahreswende auf dem Programm stehen. „Mamma Mia“ verkauft sich in der Alten Oper Frankfurt wie geschnitten Brot, dabei ist die Produktion nicht besser als der harmlose Pop der schwedischen Band ABBA, die in den 70er und 80er Jahren richtig abräumte. Schwer kommt die Geschichte in Gang – aufgesagt die Texte, hölzern fast alle Spieler. Klamauk kommt da allemal besser als Witz & Ironie, die Tanz-Szenen sind spärlich, das Bühnenbild ist so simpel wie die ganze Story. Aber trotzdem erfüllt „Mamma Mia“ eine Sehnsucht nach überschaubaren Verhältnissen, sonst würden die Zuschauer*innen (deutlich mehr Frauen) am Ende nicht stehend applaudieren. Alles ist gut in den Shows von Helene Fischer oder Wolfgang Petry, dessen Musical „Das ist Wahnsinn“ mit den größten Hits bereits eine Viertelmillion Tix verkaufte und in der Jahrhunderthalle Frankfurt vom 12. – 24.02.19 läuft.

Solche Besucherscharen hätte der polnische Film „Cold War. Der Breitengrad der Liebe“ allemal verdient; indes sehe ich den FRIZZ-Film 11/18 im „Orfeo“ zusammen mit zwei Dutzend Cineasten. Das Scheitern einer Liebe an und in den Verhältnissen im Staatssozialismus wie im Kapitalismus hat der Regisseur Pawel Pawlikowsi als Tragödie in Schwarzweiß gedreht – keine Hoffnung nirgends für das Paar. Nicht zufällig spielen einige Szenen in einer Pariser Bar mit dem sinnfälligen Namen „Eclipse“. „Cold War“ erhielt gerade den Europäischen Filmpreis (bester Spielfilm, beste Regie, bestes Drehbuch) und zählt auch bei der nächsten Oscar-Verleihung zu den Favoriten.

Heute endet der Steinkohlebergbau in Deutschland. Wie eine bittere Ironie mutet es an, dass am gleichen Tag in Tschechien bei einem Grubenunglück mindestens zwölf Bergarbeiter ums Leben gekommen sind. Weil das Einfahren in die Grube, das Arbeiten unter Tage an mythische Urängste rührt, berühren solche Katastrophen ganz besonders. Zu den stärksten Erinnerungen meiner Kindheit gehört die Rettung der Bergarbeiter 1963 in Lengede. Nie werde ich die Bilder im Fernsehen vergessen, als die Männer aus der Röhre gezogen wurden und man ihnen sofort eine Sonnenbrille aufsetzte. Glück auf!

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