Die Dinge passieren, einfach so

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Begeisterter Applaus im bis auf den letzten Platz gefüllten Friedrichstadt-Palast für Zorica Nusheva.© sistersandbrothermitevski

Hertha BSC und Schalke 04 spielen außer Konkurrenz in der Fußballbundesliga, und die Berlin Volleys sind auch dabei. So geht der Wettbewerb der Berlinale: von 22 Filmen werden 6 außer Konkurrenz gezeigt, darunter der Dokumentarfilm über Aretha Franklin aus dem Jahr 1972, den wir uns heute Abend anschauen. Trotzdem ist die 69. und letzte Berlinale unter der Leitung von Dieter Kosslick wieder ein Fest des Kinos, ein Fest des Publikums, das in Scharen kommt. Viele sind froh, überhaupt ein Ticket zu ergattern, egal für welchen Film. „Und dann“, notierte Daniel Haas in der NZZ (09.02.19), “ verbringen die Leute ihre Zeit mit Filmen, die sie sonst nicht einmal gegen Geld anschauen würden, weil das Herkunftsland kaum auszusprechen ist und die Handlung so verstiegen, dass es an Satire grenzt. Kostprobe: ‚Doppelgängerinnen, Untote, eine Nazi-Witwe, ein suizidaler Förster und eine syrische Dichterfamilie geistern durch die Steiermark‘.“

Dennoch hat das Publikum ein Gespür für Qualität. Vor dem Friedrichstadt-Palast steht man geduldig in einer Doppelreihe, um nur ja nicht den mazedonischen Film „God Exists, Her Name Is Petrunya“ zu verpassen. Die Hauptdarstellerin Zorica Nusheva, die so gar nichts gemein hat mit einer Diane Kruger, taucht einfach so in die traditionelle Männerwelt ein; beiläufig erleben wir den Machismo eines modernen Landes und wie schnell der Mob entstehen kann. Wenn der Beifall das Kriterium wäre, dann würde dieser Film heute Abend den Goldenen Bären bekommen. Hoch gehandelt bei den Kritikern wird auch der chinesische Film „So Von, My Son“. Wir schenkten uns die zweite Hälfte, weil der Film zu viel erzählen will und die Stühle im Haus der Berliner Festspiele genauso schlecht sind wie die im Friedrichstadt-Palast. Keinen Cent wette ich, dass die Jury unter Juliette Binoche Fatih Akins primitives Splatterding „Der Goldene Handschuh“ beachtet.

Am schlechtesten bei der Kritiker-Jury im Berliner Tagesspiegel kommt übrigens „Pferde stehlen“ weg, den die Freunde vom Inforadio zu ihrem Favoriten gekürt haben. Dieser Film nach dem Roman von Per Pettersen streift philosophische Fragen, etwa ob wir die Hauptdarsteller in unserem eigenen Leben sind. Der kleine Lars erschießt beim Spielen seinen Zwillingsbruder und muss mit dieser Tat (weiter-)leben. „Die Dinge passieren, einfach so“ und danach ist nichts mehr so, wie es war. Heute gibt’s die Bären: einen Goldenen für den besten Film und ganz viele Silberne für die Schauspieler*innen, die Regie etc., auch so ein Kuriosum. Morgen wissen wir mehr.

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