Pina & Tina

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Raus aus dem Fachwerk-Hotel geht’s in die Tristesse deutscher Architektur.

Keiner da im Fachwerk-Hotel in Barmen. Zum Glück erreichen wir jemanden mobil und erhalten den Code für die Eingangstür. Das Haus ohne Personal wurde aufwändig & geschmackssicher renoviert und wirkt in der baulichen Tristesse der Umgebung wie eine Botschaft aus besseren Zeiten. Keine Zeit für Reflexionen & Trödeleien; wir sind mit einem gewissen Herrn Pong bei „Onkel Ludwig“ verabredet. Das Restaurant mit Deckchen auf den Tischen und dem Holzmobiliar der 70er Jahre ist schon um 18h gut besucht und für sein wohlfeiles, gutbürgerliches Essen bekannt. Von dort sind es nur ein paar Schritte zum Opernhaus, wo das Publikum im Foyer dicht an dicht steht. Was Wunder, ein Stück von Pina Bausch ist seit 1990 zum ersten Mal wieder zu sehen. Das Haus ist ausverkauft!

Bettina Wagner-Bergelt, seit Anfang des Jahres Intendantin des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, drückt uns die Tix in die Hand und ab geht’s ins Gestühl, das keinen Vergleich mit den Berliner Bühnen zu scheuen braucht; in jedem Multiplex-Kino sitzen wir besser. Kann man ein Stück von Pina Bausch ohne die charismatische Begründerin des Tanztheaters überhaupt aufführen, zumal es keine verbindliche Überlieferung gibt? Solche Fragen gehen mir bei „Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloß, die anderen folgen“ durch den Kopf; das Stück ist eine Auseinandersetzung mit „Macbeth“ und bildet im Oeuvre von Pina Bausch eine Ausnahme. Standing Ovations – auch wir stehen gerne auf – nach dreieinhalb Stunden, die mir nach einem langen Tag am Ende doch lang wurden.

Tags drauf gibt Tina der New York Times ein Interview, und wir werden fast erschlagen von der Hässlichkeit des Technischen Rathauses. Wie konnte das nur geschehen, dass solche abweisend-monströsen Gebäude gebaut wurden, nicht bloß in Wuppertal, das Anfang des 20. Jahrhunderts als reichste Stadt Deutschlands galt. Von dieser Pracht kündet noch die Villa Waldfrieden mit ihrem herrlichen Park, die inzwischen dem englischen Künstler Tony Cragg gehört; er hat hier einen beeindruckenden Skulpturenpark errichtet. Wir sind begeistert, kommen wieder und fahren dann 27km mit der Schwebebahn, die gerade noch restauriert wird.

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