Würde des Menschen

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„Die Würde des Menschen ist ein absoluter Wert.“ (Wolfgang Schäuble) © Karl Grünkopf

Heute ist der Tag der Arbeit, der Wonnemonat Mai beginnt. Inzwischen sind über 10 Millionen Menschen in Kurzarbeit, in der Gastronomie sogar 93% aller Mitarbeiter*innen. Für diese Branche sieht es besonders düster aus. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man ein Restaurant unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln rentabel betreiben kann. Werden Scheiben aus Plexiglas im Restaurant so selbstverständlich wie Masken im Supermarkt? Urlaub können wir in diesem Jahr voraussichtlich nur in Deutschland machen, was für viele Reisebüros das Ende bedeuten wird. Denn sie verdienen ihr Geld mit den Flug-Reisen ins Ausland, die es wohl heuer nicht geben dürfte. Was den globalen CO²-Ausstoß senkt, ist für Unternehmen wie die Lufthansa eine Katastrophe: eigenen Angaben zufolge macht das Unternehmen 1 Mio. Euro Verlust. Pro Stunde!

Die Kanzlerin mit dem „naturwissenschaftlichen Politikverständnis“ (FAZ) bittet weiter um Geduld und warnt vor zu schnellen Lockerungen der Beschränkungen; die Bürger*innen sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Die polnische Zeitung Rzeczpospolita spekulierte kürzlich bereits über eine fünfte Amtszeit von Angela Merkel. Am Ende geht sie auch aus dieser Krise als Gewinnerin hervor: Friedrich Merz ist medial abgetaucht, und die Aktien von Armin Laschet sind im freien Fall. Einzig Wolfgang Schäuble (77) kann es sich erlauben, andere Akzente zu setzen. In einem viel beachteten & bemerkenswerten Interview im Berliner Tagesspiegel gab der Bundestagspräsident, der selbst zur Hochrisikogruppe zählt, zu bedenken: „Aber wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig. Grundrechte beschränken sich gegenseitig. Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen.“ (26.04.20)

Schäuble stößt damit eine Diskussion an, der wir uns nicht verschließen dürfen: Wie gewichten wir die Grundrechte in einer Pandemie. Die Entwicklung eines Impfstoffs wird dauern, das Durchimpfen der Bevölkerung dann noch einmal länger, eine zweite Welle im Herbst/Winter ist durchaus möglich. Das Corona-Virus sollte man/frau jedenfalls nicht unterschätzen. Nun gibt es den ersten Fall in unserem weiteren Umfeld: ein Mann in den besten Jahren und bei bester Gesundheit ist mit heftigen Symptomen erkrankt und warnt in einer Mail eindringlich: „Jedenfalls kann ich Dich bzw. Euch nur altväterlich bitten, dringend auf Eure Gesundheit zu achten. Dieses Virus ist eben doch nicht so cool, wie Jair Bolsonaro behauptet.“ Corona ist für mich nicht bedrohlicher, aber konkreter geworden. Am Sonntag muss ich mit dem ICE nach Frankfurt fahren. „Leben ist immer lebensgefährlich.“ (Erich Kästner)

 

Ein Kommentar zu „Würde des Menschen

  1. Lieber Erk,

    das ist wieder ein sehr nachdenklich stimmender Beitrag – habt ein schönes Wochenende, ihr beiden Lieben. Deine Bettina

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