Zum Gelde drängt’s

Eine Welt 2.0 gibt es nur auf der Bühne. Nina Stemmle als Brünnhilde in ihrer letzten Arie bei der Premiere der „Götterdämmerung“, ehe die Welt versinkt. © Bernd Uhlig / Deutsche Oper Berlin

Die Welt ist aus den Fugen; das gilt natürlich auch für das Musiktheater. Die Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper Berlin geriet völlig aus dem Tritt. Aus organisatorischen Gründen hatte der vierte Teil vor dem dritten Premiere – die „Götterdämmerung“ also vor dem „Siegfried“. Trotzdem ist das Interesse riesig. Das Haus ist ausverkauft, es gilt die 3-G-Regel; im Eingang ist sogar eine Teststation untergebracht. Aktualisierung und Ironie schadet bei den Bühnenweihspielen eines Richard Wagner nicht, dachte sich der norwegische Star-Regisseur Stefan Herheim. Aber sein Ansatz geht nicht schlüssig auf – mal wird das Foyer der Deutschen Oper auf die Bühne gebracht, mal werden die Figuren (etwa Siegfried) zur Karikatur ihrer selbst.

Nach sechseinhalb Stunden mit zwei langen Pausen gibt es nur ein leises Buh. Ansonsten ist das Premieren-Publikum zufrieden und spendet den Sänger:innen und dem Orchester viel Applaus. Am Ende wagt sich sogar der Regisseur auf die Bühne und bekommt Beifall. Dabei ist der Plot des „Ring“ so aktuell wie eh und je: die Gier nach dem Rheingold schafft nur Zwist und Verderben. Aber anders als bei Wagner gibt es bei den realen Ränkespielen selten eine Götterdämmerung. Und schon sind wir bei der deutschen Ampel, wo nach dem Honeymoon der Sondierungen nun Tacheles geredet wird. Wer wird Alberich? Bekommt Christian Lindner (FDP) das Finanzministerium oder Robert Habeck von den GRÜNEN, die bekanntlich ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren haben als die Liberalen. Ohne Geld, viel Geld und damit neue Schulden werden die notwendigen Innovationen in Deutschland nicht gelingen. Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank und ein Gralshüter der Geldwertstabilität, hat schon aus „persönlichen Gründen“ seinen Rücktritt zum Ende des Jahres angekündigt.

Viel Geld wird weiter auch die Bekämpfung des Corona-Virus kosten, ob die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ nun am 25. November endet oder nicht. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz steigt kontinuierlich wieder an. Um so unverständlicher, warum das RKI nicht täglich ausweist, wie viele Neuinfektionen und Corona-Patienten auf Intensivstationen ungeimpft sind. Vielleicht motiviert das ja manchen doch noch, sich impfen zu lassen. „Alle unsere Patienten mit Covid-19 in der vierten Welle waren bisher ungeimpft“, berichtet Professorin Dr. Carla Nau; sie ist Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Lübeck (Apotheken Umschau 15.10.21). Um so verstörender ist die Nachricht, dass Impfärzt:innen und medizinisches Personal hierzulande massiv wegen ihrer Arbeit unter Druck gesetzt werden; selbst von Morddrohungen ist die Rede. Was passiert da gerade? Was ist eigentlich los in Deutschland?

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