Was tun?

Das Erwartbare geschieht: immer mehr Impfdurchbrüche, steigende Inzidenzen. © Mohamed Hassan / Pixabay

Erste Veranstaltung mit 2G plus. Wir sind bei Freunden in der Nachbarschaft zu einem Hauskonzert eingeladen. Voraussetzung: geimpft oder genesen und ein aktueller Schnelltest. Natürlich wird das an diesem Abend nicht kontrolliert – man kennt sich, man vertraut sich. Das ist beruhigend, denn wir hören von immer mehr Impfdurchbrüchen, teilweise mit heftigem Verlauf bei jungen Leuten, teilweise mit tragischem Ende. Der italienische Pianist Gabriele Carcano spielt drei Sonaten von Beethoven und zieht das Publikum sogleich in seinen Bann. Dieses Mal haben die guten Freunde „nur“ dreißig Gäste eingeladen; vor Corona waren es oft doppelt so viele. Nach dem Konzert gibt es traditionell Speis‘ und Trank, wie im Fluge vergehen die Stunden. Was ist solch ein Erlebnis gegen die ewigen Schalten oder die unendlichen Streaming-Angebote? Das wahre Leben.

Dessen Schattenseiten erlebe ich tags drauf wieder in einer „rollenden Petrischale“ (FAZ) namens ICE auf der Fahrt nach Frankfurt. Die Inzidenzen steigen täglich, die Leichtigkeit des Sommers ist endgültig dahin. An Warnungen der Experten hat es nicht gefehlt. Dennoch wurden die Impfzentren abgebaut – Augen zu und durch. Wer zu leichtfertig ist, den bestraft das Virus mit voller Wucht. Bis Ende des Jahres, so äußerte sich die kommissarische Bundeskanzlerin Angela Merkel, sollen noch 27 Millionen Menschen geimpft werden. Der Vorsitzende der STIKO Thomas Mertens teilt in einer Talk-Show mit, dass seine ehrenamtliche Kommission nun das Boostern doch schon ab 18 Jahren empfiehlt. Die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ wird durch ein neues Infektionsschutzgesetz aufgehoben – 3G gilt dann auch im Nah- und Fernverkehr. Endlich! Ein richtiges & wichtiges Signal, die Kontrolle wird sich organisieren lassen.

Nächste Woche werde ich etwas entspannter mit dem Zug fahren. Dank einer glücklichen Fügung habe ich kurzfristig einen Booster-Termin ergattert. Kaum 30 Minuten war ich in der Praxis, die alle Reden von der Schwerfälligkeit des deutschen Hausarzt-Modells Lügen straft; bis jetzt bin ich noch nicht einmal Patient dort. Wie bei der ersten Impfung im April klappte es wieder nur mit Glück, Hartnäckigkeit und einer gehörigen Portion Optimismus. Muss das sein in einem Land mit einem der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, in einem Land, das angeblich so effizient organisieren kann. Diese Pandemie hat uns immer wieder eines Schlechteren belehrt, in den Worten von Malte Lehming: „Völlig überraschend geschieht regelmäßig das Erwartbare.“ (Tagesspiegel, 12.11.21) Ich werde trotz meiner dritten Impfung nur noch mit einer FFP2-Maske unterwegs sein und mich auf weitere Überraschungen einstellen. Nach dem Booster ist vor dem Booster. Wer hätte das gedacht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s