Namaste

Beste Stimmung fast ohne Masken: Maluma rockt die Frankfurter Festhalle. © Rolf Hiller

Ausverkauft! Das Konzert des kolumbianischen Sängers Maluma in der Frankfurter Festhalle war bis auf den letzten Platz besetzt; der Veranstalter hätte noch mehr Tix verkaufen können. Geplant war sein Auftritt fast auf den Tag genau vor zwei Jahren – und musste dann wegen des Lockdowns geschoben werden. Natürlich gelten (noch) die strengen Hygiene-Regeln, die Kontrolle am Eingang ist genau. Kaum wird es in dem riesigen Konzertraum dunkel, fallen die allermeisten Masken; schätzungsweise 80% des Publikums tragen keine mehr. Dass die Handys ausgemacht werden sollen, schert ebenso niemand. Noch vor Beginn des Konzerts springen alle von ihren Sitzplätzen auf, die Begeisterung kennt keine Grenzen. Es wird geknipst, gefilmt und gepostet, was das Zeug hält. Das Mädel in der Reihe vor mir schießt Selfies wie am Fließband. Ohne Tattoo fällt man genauso in der begeisterten Menge auf wie mit Maske. Lange habe ich nicht mehr solch eine Stimmung erlebt bei einem Konzert; Maluma, der Star des Reggaeton und seit 2010 im Geschäft, hat’s echt drauf.

Die Durchsetzung des Hausrechts, also die Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske, wäre an diesem Abend schwerlich möglich gewesen; man hätte das Konzert nur abbrechen können. Der Hunger bei jungen Leuten nach Live-Events und Parties ist nach der Abstinenz der letzten beiden Jahre gewaltig. Zumindest bei ihnen rennt die Bundesregierung mit dem neuen Infektionsschutzgesetz, das ab dem Wochenende bundesweit gilt, offene Türen ein. Ansonsten hält sich die Begeisterung über die weitgehende Abschaffung der Maskenpflicht in Grenzen. Viele Politiker:innen setzen auf die Vernunft, also das freiwillige Tragen, oder auf das Hausrecht. Einige Veranstalter haben schon angekündigt, dass in ihren Häusern weiterhin die Pflicht zum Tragen einer Maske bestehen bleibt. Alles in allem wird die Lage noch unübersichtlicher und dürfte bald die Gerichte beschäftigen. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern haben jedenfalls die Hotspot-Regelung bis Ende April für ihr gesamtes Gebiet verfügt.

Nicht bloß beim neuen Infektionsschutzgesetz hat sich der kleinste Partner der Dreier-Koalition durchgesetzt, auch bei der Diskussion um ein allgemeines Tempolimit gibt die FDP den Ton an. Experten zufolge könnten so 4% des Kraftstoffs eingespart werden; die Senkung der Raumtemperatur um 1 Grad bringt übrigens eine Ersparnis von 6%. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der Moment gekommen, im letzten Industrieland der Welt endlich ein Tempolimit einzuführen. Von den Grünen, die in der Ampel ansonsten einen guten Job machen, ist dazu nichts zu vernehmen. Dabei kostet diese Maßnahme keinen Cent und würde doch eine alte Forderung ihrer Klientel erfüllen. Genauso wenig ist zu verstehen, warum die beiden stärksten Parteien der Regierung nicht auf einer sozialen Komponente bei der staatlichen Subvention der explodierenden Energiepreise bestanden haben. Dieses Primat der Geschlossenheit könnte sich noch rächen. Wir fahren freiwillig nur 110 km/h auf Autobahnen, tragen weiter Maske, und ich verbeuge mich zur Begrüßung. Das ist kein Aprilscherz. Namaste.

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