Haltet den Dieb!

Nichts bemerkt und um einen Verlust reicher. © Ralph auf Pixabay

Um die Mittagsstunde ist nicht viel los beim Supermarkt umme Ecke. Ich kaufe ein paar Kleinigkeiten und lasse mir an der Kasse noch Bargeld auszahlen. Ein paar Stunden später greife ich in meine Hosentasche – das Geld ist weg. Wie kann das sein? Habe ich das Geld herausgenommen und irgendwo hingelegt? Selbst den Biomüll inspiziere ich zweimal. Zum Glück sind einige gut verstaute Scheine und meine EC-Karte noch da. Zweifel. Hat die Kassiererin vielleicht vergessen, mir das Geld zu geben. Mit der Quittung in der Hand zurück in den Supermarkt. Der Marktleiter prüft den Vorgang – alles normal abgelaufen. Er verspricht mir, die Aufzeichnung der Überwachungskamera anzuschauen und die Situation zu prüfen; da darf ich (Datenschutz!) allerdings nicht dabei sein. Netterweise filmt er deshalb die entsprechende Szene mit seinem Handy ab. Und da sehe ich tatsächlich, wie die Kassiererin mir die beiden Scheine einhändigt und ich das Geld einstecke. Fall geklärt, Geld weg, Zweifel bleiben. Wie ist das passiert? Warum habe ich überhaupt nichts bemerkt? Chapeau, das muss ein Profi gewesen sein.

Der unbemerkte Diebstahl ist eine treffende Allegorie für den Zustand in deutschen Landen. Jeden Tag verlieren wir Geld und merken gar nicht, wie uns geschieht. Die Preise für fossile Energie gehen durch die Decke, die Inflation steuert auf 10%, in den dunklen & kalten Monaten droht eine Rezession, die viele Existenzen zerstören könnte. Was Wunder, dass die Zustimmung zur Arbeit der Regierung sinkt – laut ARD DeutschlandTrend ist nur noch ein Drittel der Befragten zufrieden. Dass den Menschen draußen im Lande das Hemd näher ist als die Hose, wurde in der Sendung „Wir müssen reden“ des RBB Fernsehens „Kampf um Schwedt – Russland-Sanktionen wichtiger als Arbeitsplätze?“ in dieser Woche deutlich. In einer nicht repräsentativen Umfrage sprach sich eine klare Mehrheit gegen Sanktionen und für Arbeitsplätze aus, obwohl man den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verurteilt. Das ist natürlich ein Widerspruch, sollte den Politiker:innen aber sehr zu denken geben, die während der Live-Sendung versuchten, mit Argumenten der Stimmung in Schwedt zu begegnen.

Die Stadt in der Uckermark im Nordosten Deutschlands lebt von der PCK Raffinerie (Mehrheitsgesellschafter ist die russische Firma Rosneft); dort wird bis Ende des Jahres noch russisches Erdöl verarbeitet. Allenfalls die Hälfte kann kurzfristig kompensiert werden. Die Stimmung trübt sich insgesamt ein. Hatten wir vor vier Jahren in der „Bar jeder Vernunft“ noch eine sprühende Katherine Mehrling erlebt, so mischen sich in ihr neues, schlicht „Au Bar“ genanntes Programm viele nachdenkliche Töne. Sie freue sich, dass die Kultur wieder zurück sei, und hoffe so sehr, dass sich die Bühnen wieder füllen wie vor der Pandemie. Gut zweieinhalb Stunden, die wie im Fluge vergehen, spielen sie und ihre famose Band. „Gracias a la vida“ von Violetta Parra singt sie mitten im Publikum, „Non, je ne regrette rien“ (Edith Piaf) darf zum Abschluss eines umjubelten Konzerts nicht fehlen. Howgh!

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