Absurdistan? Nein danke!

Am Golde hängt’s, zum Golde drängt’s: Quintessenz des Stummfilms „Der Schatz“ von Georg Wilhelm Pabst. © Junge Deutsche Philharmonie

Sinnigerweise endet die Goldrausch-Tour der Jungen Deutschen Philharmonie in einem ehemaligen Kino. Das Delphi in Berlin-Weißensee wurde 1929 erbaut und dient seit einigen Jahren als Veranstaltungsort. Der Saal ist gut besucht, das Publikum freut sich auf einen spannenden Abend. Wann kann man schon einen 99 Jahre alten Stummfilm in 5 Akten mit einer eigens dafür geschriebenen Filmsinfonie erleben. Das Orchester aus Frankfurt unter dem Dirigat von Frank Strobel spielt fabelhaft, mehr noch: ohne die Musik von Max Deutsch hätte „Der Schatz“ schnell seinen Reiz verloren. Und die Moral von der Geschichte? Die Goldgierigen kommen in den Trümmern ihres Hauses ums Leben, ein junges Paar schreitet hinaus in die Welt, ins Leben. Ohne Geld aber mit Zuversicht.

Diese Zuversicht, alles könnte sich zum Guten fügen, schwindet in unserer Zeit der Krisen mit jedem Tag. Wirtschaftspolitik ist bekanntlich zur Hälfte Psychologie. Nichts wirkt sich schädlicher aus als Maßnahmen, die kaum einer noch versteht. Regelbetrieb, Streckbetrieb oder Reservebetrieb eines Atomkraftwerkes. Noch Fragen? In einer Energiekrise, die zu einer Rezession ungeahnten Ausmaßes führen kann, müssen alle Maßnahmen nachvollziehbar, umsetzbar und fair sein. Das ist die Gasumlage mitnichten! Anstatt dass sich der Staat (wie 2020 bei Lufthansa, TUI oder Adidas) an den Gasimporteuren beteiligt, sind alle diejenigen gelackmeiert, die auf diesen fossilen Energieträger angewiesen sind. Dass dabei private und geschäftliche Existenzen auf dem Spiel stehen, scheint der noch beliebteste Politiker Deutschlands hinzunehmen. In der Talkshow „Maischberger“ muss er einen Blackout gehabt haben: „Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erstmal aufhören zu produzieren.“ Habeck, der nach der Sendung jede Menge Hohn & Spott über sich ergehen lassen musste, nannte Blumenläden, Bioläden und Bäckereien: „Dann sind die nicht insolvent automatisch, aber sie hören vielleicht auf zu verkaufen.“ Stimmt, aber glaubt der „Minister Ahnungslos“ (Straubinger Tagblatt) ernsthaft, diese Geschäfte hätten nach Corona noch irgendwelche Rücklagen.

Was auf Robert Habeck, auf seinen Ministerkolleg:innen und dem Kanzler lastet, lässt sich kaum ermessen. Aber sie alle, die per Amtseid geschworen haben, Schaden vom deutschen Volk zu wenden, müssen sich fragen (lassen), ob sie auch wirklich alles dafür tun. Ist jede Frage zugelassen, auch die nach einer vorübergehenden Nutzung von Nord Stream 2. Könnte man damit nicht Putins Behauptung, es gebe „technische Probleme“ bei Nord Stream 1, entlarven? Denn früher oder später würde er auch bei Nord Stream 2 am Gashahn spielen. Noch weiter geht die schwedische Zeitung „Aftonbladet“ aus Stockholm: „Wenn jetzt Putins Gaskrieg ernsthaft beginnt, wird die Frage immer lauter gestellt werden, ob die Unterstützung für die Ukraine diesen Preis wert ist.“ (07.09.22) Sollte es dazu kommen, könnte aus einer Krise eine Staatskrise werden – mit unabsehbaren Folgen. Dagegen nimmt sich das Chaos in der Corona-Politik vergleichsweise harmlos aus, und der Kanzler lässt seinen verantwortlichen Minister Karl Lauterbach einfach so weiterwursteln. Dass niemand mehr durchblickt, könnte sich in diesem Herbst bitter rächen. Sie wird das nicht mehr erleben – The Queen is dead. Als Königin Elisabeth II. 1952 den Thron bestieg, hieß der erste Kanzler der jungen Bundesrepublik Deutschland Konrad Adenauer.

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