Was ist normal?

Trouvaille am Wegesrand. © Gitti Grünkopf

Mit Staunen einen Beitrag aus dem März 2020 gelesen: „Ein Buch im Park zu lesen, ist indes verboten.“ In der ersten Welle der Pandemie lagen die Nerven blank, und viele Corona-Hardliner unter den deutschen Politiker:innen hätten sicher gerne die Null-Covid-Strategie aus China übernommen. Inzwischen ist längst bekannt, dass man einen Staat digital-total kontrollieren kann, nicht aber ein Virus. Unbeirrbar zieht dennoch Kaiser Xi Jinping mit der ihm ergebenen KP diesen Kurs weiter durch. Nur selten erfährt man von Mutigen, die einen VPN-Zugang haben und sich am staatlich kontrollierten Internet vorbei über andere Kanäle melden können oder Leib und Leben durch Protestaktionen mit einem weißen Blatt riskieren. So erfuhr die Welt, dass zehn Menschen bei einem Brand in einem Hochhaus ums Leben kamen, in dem sie wegen Corona eingesperrt waren. „Die Führung in Peking“, notierte die Presse aus Wien, „steht möglicherweise vor ihrer bisher größten Krise. Xi bleibt nur eine Reihe schlechter Optionen. Gesteht er Fehler in seiner strikten Null-Covid-Politik ein, würde ihm das als Schwäche ausgelegt. Eine brutale Niederschlagung der Proteste dagegen würde die Wut der Menschen wahrscheinlich nur noch mehr entfachen.“ (29.11.22)

Bond. James Bond kann da auch nichts mehr ausrichten; immerhin sind die Filme bestens geeignet, sich für zwei Stunden aus der Realität zu beamen. Als Abschluss von „Incredible India“ schauen wir uns „Octopussy“ mit Roger Moore an, der zum Teil in Udaipur spielt. Die Handlung tut nichts zur Sache. Bond kennt weder Dengue noch Jetlag oder hat Probleme mit der Schwerkraft. Mal wieder in ein richtiges Kino wäre aber auch klasse! Es muss ja nicht der Animationsfilm „Strange World“ von Disney sein, dessen Produktion mit 180 Millionen Dollar zu Buche schlug. Laut Media Control wollten ihn in der ersten Woche in Deutschland lediglich 61.686 Besucher:innen in 681 Sälen sehen. Grob geschätzt haben die Top 12 der letzten Woche in ganz Deutschland nur knapp ½ Million Menschen angelockt. Nicht bloß diese Branche steht vor großen Herausforderungen!

Ein Bond-Girl ist es nicht, aber eine höchst beeindruckende, würdevolle Frau, die da im Wasser steht, als wir einen Spaziergang um die Krumme Lanke in Berlin machen. Wir trauen unseren Augen nicht. Erst steht sie eine Weile regungslos im eisekalten Wasser, dann geht sie ganz langsam hinein, schwimmt einige Stöße, um dann gemächlich wieder aus dem See zu steigen. Den Rekonvaleszenten fröstelt es schon vom Zuschauen. Dass irgendjemand am Wegesrand das Buch „Jacques der Fatalist und sein Herr“ von Denis Diderot hingelegt hat, rundet diesen ungewöhnlichen Spaziergang ab. Normal ist das nicht. Dafür müssen wir uns wohl daran gewöhnen, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft nicht mehr erste Sahne ist. Bereits zum zweiten Mal hintereinander ist das Team in der Gruppenphase einer WM ausgeschieden. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. „Verflickste Katarstrophe“ titelte die B.Z.

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