Bestellfehler

Endloser, fast menschenleerer Strand in Graal-Müritz. © Gitti Grünkopf

Wer kennt diese Nachricht in Zeiten des Online-Handels nicht: Ihr Paket wurde bei Ihrem Nachbarn abgegeben. Ich renne runter zum Briefkasten und finde wieder keine Benachrichtigung vor. Also erneut dem Kundendienst von Amazon eine Mail geschrieben, die sofort aus England anrufen. Das Paket sei abgegeben worden, bei einem Nachbarn, dessen Name ich noch nie gehört habe. Ich poltere los: das hat doch schon beim letzten Mal nicht geklappt. Die freundliche Amazone buchstabiert mir zweimal, wer meine Sendung entgegengenommen habe. Ich summe die Melodie der Krimiserie „Der Kommissar“ und mache mich an die Ermittlungen. Ein paar Hausnummern weiter soll die Sendung angekommen sein. Tatsächlich finde ich dort im Parterre den Empfängernamen, und tatsächlich wohnt dort eine Frau, die den gleichen Nachnamen trägt wie ich. Wie konnte das nur passieren? Ich hatte die falsche Hausnummer bei der Bestellung angegeben und rufe sofort bei Amazon an, um mich zu entschuldigen.

„Menschen machen Fehler, Fehler machen Menschen“, tröstet uns der Aphoristiker Erhard Horst Bellermann. Und manchmal hat ein Fehler ja auch sein Gutes. Wir wollten am Wochenende an die See fahren und warteten mit der Buchung der Unterkunft bis zum allerletzten Moment. Wer weiß in diesen Tagen schon, ob er wirklich gesund bleibt und die Reise auch antreten kann. Schließlich hatten wir gerade erst vor einigen Wochen einen kompletten Strandurlaub bezahlt, ohne je ans Ziel gekommen zu sein. Also setzten wir diesmal auf last minute – und verloren. Aber, wie der Zufall so spielt, landet eine Mail von Travelzoo im Posteingang und bietet uns eine Unterkunft in Graal-Müritz an. Gecheckt, gebucht. Das Hotel liegt direkt hinter der Düne, zum herrlichen Ostsee-Strand sind es nur ein paar Schritte. Im Sommer muss hier der Teufel los sein, aber jetzt sind nur wenige Häuser für Gäste geöffnet. Wir genießen die langen Spaziergänge am endlosen Strand und nehmen am Ende noch ein paar Pullen der „Männerhobby Brennerei“ mit. Wir kommen wieder.

Ob Kanzler Scholz mit seinem Zaudern & Zögern Fehler macht, wird sich weisen. Sein kerniger Satz „Wer bei mir Führung bestellt, bekommt sie auch“ wird immer mehr zur hohlen Phrase. Dass wohl Christine Lambrecht selbst ihren Rücktritt vom Amt der Verteidigungsministerin an die ungeliebten Medien durchstach, passt ins Bild; ebenso die Klärung einer Nachfolge auf den letzten Drücker. Boris Pistorius, der neue Mann (!) im Amt und zuvor 10 Jahre niedersächsischer Innenminister, hat sich von Scholz ins kalte Wasser werfen lassen. Er muss nun den NATO-Partnern deutlich machen, dass sich Deutschland in Europa als „Führungsmacht“ versteht, wie sein Parteikollege Nils Schmid jüngst schwadronierte. „Welche unserer transatlantischen Partner“, fragte die Publizistin Stefanie Babel im Tagesspiegel, „will Deutschland denn auf Grundlage welcher Vision und mit welchen Fähigkeiten anführen.“ (12.01.23) Durch die Lieferung von Kampfpanzern wird sich diese Frage nicht erübrigen.

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