
Das Interesse ist riesig. Der Zoo Palast in Berlin ist am Montagnachmittag um 16.30h ausverkauft, der Umsatz mit Junk-Food beachtlich. Alle wollen “Die Odyssee” von Christopher Nolan sehen, der 250 Millionen Dollar gekostet haben soll. Überwältigungskino in 70mm gedreht, mit wummernden Sounds und bester Besetzung. Matt Damon spielt den Odysseus, von dessen Abenteuern der griechische Dichter Homer erzählt. Eindeutig ist die Autorenschaft allerdings nicht. Die ersten Versionen dieser vielschichtigen und verschlungenen Geschichten wurden mündlich tradiert. Odysseus war nicht nur ein furchtloser Krieger, er hat das Trojanische Pferd erdacht und überlebt auf seinen zwanzig Jahre währenden Reiseabenteuern oft nur mit List und Tücke. Er soll göttliche Vorfahren haben und weiß intuitiv, dass sein Schicksal nicht (nur) in seinen Händen liegt, sondern von höheren Mächten bestimmt ist. Am Ende verlässt er mit seiner Frau Penelope Ithaka. Beide segeln gen Westen, ganz im Vertrauen auf die Götter.
Diese komplexe Geschichte lässt sich in knapp drei Stunden selbst von einem Meister wie Christopher Nolan nicht vollständig erzählen; aber der Film animiert, sich wieder einmal mit der fantastischen und vielschichtigen griechischen Mythologie zu beschäftigen. Odysseus ist ein nachdenklicher Held, der seine Grenzen kennt, kein Superman. Hybris, das griechische Wort für Anmaßung und Selbstüberschätzung, ist ihm fremd. Der größte Dealmaker aller Zeiten sollte sich diesen Film anschauen oder auch Jens Spahn, der selbstgefällige CDU-Politiker, den Friedrich Merz zum Rücktritt vom Vorsitz der CDU/CSU Bundestagsfraktion drängte. Der Kanzler und CDU-Vorsitzende steht unter gewaltigem Druck – 84% der Befragten sind laut ARD-DeutschlandTREND Juli 2026 mit seiner Arbeit unzufrieden. Ob das Revirement seiner Regierung ankommt, wird sich weisen. Zweifel meldet nicht nur die Neue Zürcher Zeitung an: „Mangelnde Glaubwürdigkeit ist kein Problem des geschassten Fraktionsvorsitzenden allein. Sie betrifft die gesamte Union. Im Wahlkampf lehnte Merz neue Schulden ab und sprach davon, dass man den Kindern nicht immer mehr Lasten hinterlassen dürfe. Nach der Wahl gab es eine regelrechte Schuldenorgie. (…) Merz hat schon recht: Die banalste Anforderung an Politiker bleibt, dass sie nach ihren Worten handeln müssen. Nur hängt dieses Problem inzwischen seiner ganzen Partei an.“ (20.07.26)
Medienthema neben der Aktualität: der rassistische Anschlag auf das Olympia-Einkaufszentrum vor zehn Jahren. Am 22.07.2016 waren wir auf dem Weg nach München. Vor der Stadt hatte sich auf der Autobahn ein langer Stau gebildet. Später stehen wir in einem Tunnel, die Situation ist vollkommen unklar. Von einem Amoklauf auf dem Olympiagelände wird zuerst im Radio berichtet. Polizeiwagen versuchen, durch den Stau zu kommen, Hubschrauber sind in der Luft. Unser Ziel ist gar nicht weit vom Tatort entfernt. Der Vetter versucht, uns eine Route zu ihm zu erklären, die Telefonverbindung ist schlecht. Wir irren im Auto durch die Stadt. Plötzlich ist von 60 Schießereien und zwei Geiselnahmen die Rede. In Habachtstellung sitze ich am Steuer. Was genau ist los? Sollen wir ein Hotel suchen. Erschöpft halten wir an einer Tankstelle und steigen vorsichtig aus. Nach Stunden erreichen wir schließlich doch noch unser Ziel. Diese Fahrt werden wir nie vergessen; andernorts ist das tägliche Realität.
