Irren ist menschlich

Eine Ampel-Koalition regiert jetzt in Deutschland. © Pixabay

Er zählt zu den wenigen verbliebenen Granden der CDU, sein Wort hat immer noch Gewicht, und er nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Rede ist vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. In kleiner Runde war ihm im Februar dieses Jahres herausgerutscht, er erwarte vom nächsten Bund-Länder-Treffen „ein furchtbares Durcheinander, ein wildes Gekläffe (…) und die Leute werden wahnsinnig.“ Damals brachte er die allherrschende Kakophonie treffend zum Ausdruck. Im aktuellen „Interview der Woche“ im Deutschlandfunk blieb Bouffier seiner gradlinigen Art treu. Auf die Frage, warum entgegen allen Versprechungen nun doch höchst wahrscheinlich eine Impfpflicht komme, antwortete er ohne Umschweife: „Wir haben uns geirrt, wie die Drostens dieser Welt und alle anderen auch.“ Demut vor und in der Pandemie. Diese Lektion haben wir inzwischen begriffen; Irrtümer nicht ausgeschlossen.

Um ein Wort des preußischen Generalfeldmarschalls Helmuth von Moltke zu modulieren: Erst wägen, dann sagen. Das gilt ganz besonders in der Politik. Bekanntlich hatte sich der neue Vizekanzler, Robert Habeck, in der ersten Euphorie nach der Bundestagswahl zu dem Versprechen hinreißen lassen, die erste Amtshandlung einer Regierung mit den Grünen sei ein allgemeines Tempolimit. Pustekuchen. Obwohl inzwischen die Mehrheit der Deutschen dafür ist, bleibt es bei der freien Fahrt für freie Bürger. Die FDP, die kleinste Ampel-Partei, hat sowohl das Verkehrs- als auch auch das wichtige Finanzministerium bekommen. Wie geht dem? reibt man sich verdutzt die Augen, schließlich bekamen Die Grünen 14,8 % der Stimmen, die FDP aber nur 11,5 %. Jede Politik ist Symbolpolitik. Dieser Wortbruch könnte den Grünen noch auf die Füße fallen, nicht zu reden von der eiskalten Entmachtung der Linken in der Partei. Die Euphorie des Frühlings ist längst verflogen, die Grünen in der neuen Regierung in Deutschland werden keine Zeit der Eingewöhnung haben.

Womöglich kommt wieder ein neuer Lockdown als Ultima Ratio, wenn die Lage auf den Intensivstationen außer Kontrolle gerät. Wieder alles dicht. Was tun? Schicksalsergeben Zurückhaltung üben oder die Kulturveranstalter unterstützen und ihre Angebote wahrnehmen. Zum Glück haben wir erfahren, dass ein ganz Großer des Jazz mit einem kleinen Festival geehrt wird. Der Pierre Boulez Saal hat einen Film über den amerikanischen Saxophonisten & Flötisten Charles Lloyd in Auftrag gegeben; an zwei weiteren Abenden stellt er sich mit unterschiedlichen Trios vor. Im gut besuchten Konzertraum (2G mit Maske) sitzt das Publikum ohne Abstand und lässt sich auf eine leise, indisch inspirierte Reise ein. Immer besser finden Zakir Hussein (Tabla) und Marvin Sewell (Gitarre) mit dem angenehm zurückhaltenden Bandleader zusammen; am Ende wird das Trio mit standing ovations verabschiedet. Das schön gestaltete Programmheft erinnert an das Second Golden Age des Musikers, der mit 83 Jahren kreativer denn je ist. Nach Riesenerfolgen in den 60er Jahren zog er sich Jahre lang von der Szene zurück. Die dreitägige „Charles Lloyd Celebration“ im Pierre Boulez Saal in Berlin feiert einen Musiker, der seinen wahren Weg gefunden hat und stets für eine Entdeckung gut ist.

Das Album von 1967 mit u.a. Keith Jarrett und Jack deJohnette verkaufte sich über eine Million Mal. Nach diesem Erfolg unterbrach Charles Lloyd seine Karriere als Musiker und arbeitete über ein Jahrzehnt als Meditationslehrer.

Sag niemals nie

Venedig. Stadt der Vergangenheit mit Zukunft. © Karl Grünkopf

Um ihn soll es nicht gehen: Bond. James Bond. Nachdem ich das Buch „Die Welt im Selfie. Eine Besichtigung des touristischen Zeitalters“ von Marco d’Eramo gelesen hatte, wollte ich erst recht nicht nach Venedig fahren, einer von über 30 Millionen Touristen sein, die jährlich die Lagunenstadt heimsuchen. Plötzlich ploppte ein Angebot per Mail auf, wir buchten spontan und wider bessere Absicht. Zur Einstimmung auf die Reise schauen wir „Tod in Venedig“ (1971) von Luchino Visconti. Würde heute ein Film dermaßen langsam erzählen und die Päderastie ungebrochen ausstellen? Jedenfalls geht mir am Tag der Reise unablässig die Musik von Gustav Mahler durch den Kopf – ein sinnfälliger Kontrast zum Massentransport unseres Billigfliegers. Kaum sitzen wir im Vaporetto ist die Demütigung vergessen. Die Schönheit, der Zauber Venedigs umfängt uns.

Wir wohnen auf Giudecca und haben einen herrlichen Blick auf die Stadt, die im November zum Glück weniger Besucher verzeichnet als im Frühling oder Sommer. Gleichwohl lässt sich nachvollziehen, was Overtourism bedeutet: die Zurichtung einer Stadt für den Tourismus; sollen die Bewohner:innen doch sehen, wie sie mit ihren ’normalen‘ Bedürfnissen durchkommen. Wir haben uns kein Must-See-Programm gemacht und streifen durch die Gassen, immer wieder überrascht, wie schnell wir aus dem Verkaufstrubel an stillen Orten landen, an denen die Zeit still zu stehen scheint. Doch der Schein trügt. Häuser, die nur zum Teil oder gar nicht bewohnt sind, beherbergen nur gerade keine Gäste. Airbnb heißt der Fluch unserer Zeit. „Heute gibt es in Venedig mehr Touristenbetten als Einwohner“, schreibt Petra Reski in ihrem aktuellen und sehr lesenswerten Buch „Als ich einmal in den Canal Grande fiel. Vom Leben in Venedig“. Sie ist eine von fünfzigtausend Menschen, die noch in der Lagunenstadt (über)leben; jedes Jahr werden es tausend weniger.

Wir treffen die Autorin kurz auf einen Prosecco und sind beeindruckt von ihren deutlichen Worten und ihrem unerschütterlichen Optimismus. Sie ist mit einem Venezianer verheiratet, lebt seit dreißig Jahren in der Stadt, erlebt deren Zerstörung hautnah – und wird trotzdem nicht aufgeben und weiterkämpfen. Einmal zitiert sie die amerikanische Architektin Paola Somma – Venedig habe sich in eine „Hedge-City“ verwandelt. „Keine Stadt mehr, sondern ein Investitionsfonds. Wer Geld hat, kauft sich ein Stück Venedig.“ Harte, wahre Worte. Dabei ist das Konzept dieses Ortes aktueller denn je. „Venedig ist eine Stadt des menschlichen Maßes, was die Entfernungen betrifft und die menschlichen Beziehungen auch.“ Die Zukunft der Vergangenheit, zurück zu kleinen überschaubaren Einheiten für Menschen, nicht für Investoren. Paris etwa möchte eine „Stadt der 15 Minuten“ werden, in der man innerhalb dieser Zeit alles erreichen kann. Auf der Hinreise mussten wir übrigens weder unser Impfzertifikat noch das mühsam ausgefüllte Einreiseformular vorweisen. Wir kommen natürlich trotz allem wieder.

Last Exit

Grandios! Die Band um den Posaunisten Nils Landgren improvisiert zum Film „Seven Chances“. © Alte Oper Frankfurt, Wonge Bergmann, mit freundlicher Genehmigung von Park Circus/Cohen

Guten Abend, ich bin der Nils. So lässig stellt sich einer der bekanntesten Jazzer Europas vor: der Musiker mit dem red horn ist in dieser Saison ‚artist in residence’ in der Alten Oper Frankfurt. Für diesen Abend hat Nils Landgren ein ganz besonderes Programm erdacht. Sein glänzend besetztes Quintett wird zu dem Stummfilm “Seven Chances“ von Buster Keaton improvisieren. Es wird keine Aufnahmen dieses Auftritts geben, eine Wiederholung ist nicht vorgesehen – ein wahrhaft einmaliges Konzert. “Wir als Jazzmusiker“, wird Landgren im informativen Programmheft zitiert, “müssen nicht nach Noten spielen, sondern haben einen schnellen Zugang zu dem, was wir sehen.“ Es ist faszinierend, wie kongenial die Musiker die Bilder in Klänge & Rhythmen übersetzen. Das Publikum im gut besetzten Mozartsaal verfolgt gebannt Film und Konzert; nach gut 60 Minuten gibt es begeisterten Applaus und zwei Zugaben. In bester Kintoppmanier meistert der wunderbare Buster Keaton jede noch so brenzlige Situation, heiratet just in time und kassiert am Ende ein Millionenerbe.

Einmal entkommt er mit knapper Not einer Steinlawine; so muss es den Politiker:innen mit dem Corona-Virus gehen. Ausgang ungewiss. Die Pandemie treibt die Akteur:innen gnadenlos vor sich her, kassiert Versprechungen und stellt falsche Einschätzungen bloß. „Angesichts der ‚größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg‘ (so Merkel im März 2020) war es fahrlässig, ein Mittel auszuschließen“, kommentiert die FAZ (24.11.21). Gemeint ist natürlich die Impfpflicht, wobei dieses Mittel gewiss nicht mehr die Wucht der Vierten Welle brechen wird. Neben verschärften G-Regeln wird es die politische Kaste, die sommers mit Wahlkampf beschäftigt war, wahrscheinlich wieder mit lokalen oder regionalen Lockdowns versuchen. In der Alten Oper Frankfurt saß direkt neben mir ein Zuhörer, der sich fragte, ob wir selbst mit Masken so dicht überhaupt sitzen dürften. Diese Frage stellt sich mit der nun geltenden 2G-Plus-Regel nicht mehr, d.h. Gäste des Hauses müssen geimpft oder genesen sein und einen aktuellen Test vorweisen; die Maskenpflicht entfällt dann.

Der geschäftsführende Gesundheitsminister sorgt derweil für immer neue Verärgerung. Jens Spahn, vor Jahresfrist einmal beliebter als die Kanzlerin, redet sich um Kopf und Kragen. Nach dem kommunikativen GAU vom Ende der “epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ stoßen nun seine Äußerungen über Moderna auf deutliche Kritik. Die Haltbarkeit des Vakzins läuft bekanntlich bald ab; zudem verbieten es Verträge, Moderna in Entwicklungsländer zu spenden. Konsequenz von Spahns unbedachten Äußerungen: plötzlich will kaum jemand mehr mit Moderna geimpft werden. Die Lage ist angesichts steigender Inzidenzen und Infektionen ernster denn je, und gerade deshalb brauchen wir eine abgestimmte Kommunikation der politisch noch bzw. noch nicht Verantwortlichen. Mit meinem Mainzer Biologielehrer möchte ich dem selbstgefälligen Gesundheitsminister zurufen: Erst nachdenken, dann noch einmal nachdenken und dann den Mund halten. Dann wäre uns auch diese Entgleisung von Jens Spahn erspart geblieben: „Wahrscheinlich wird am Ende des Winters so ziemlich jeder in Deutschland geimpft, genesen oder gestorben sein.“ Es ist allerhöchste Zeit, um Verzeihung zu bitten.

Was tun?

Das Erwartbare geschieht: immer mehr Impfdurchbrüche, steigende Inzidenzen. © Mohamed Hassan / Pixabay

Erste Veranstaltung mit 2G plus. Wir sind bei Freunden in der Nachbarschaft zu einem Hauskonzert eingeladen. Voraussetzung: geimpft oder genesen und ein aktueller Schnelltest. Natürlich wird das an diesem Abend nicht kontrolliert – man kennt sich, man vertraut sich. Das ist beruhigend, denn wir hören von immer mehr Impfdurchbrüchen, teilweise mit heftigem Verlauf bei jungen Leuten, teilweise mit tragischem Ende. Der italienische Pianist Gabriele Carcano spielt drei Sonaten von Beethoven und zieht das Publikum sogleich in seinen Bann. Dieses Mal haben die guten Freunde „nur“ dreißig Gäste eingeladen; vor Corona waren es oft doppelt so viele. Nach dem Konzert gibt es traditionell Speis‘ und Trank, wie im Fluge vergehen die Stunden. Was ist solch ein Erlebnis gegen die ewigen Schalten oder die unendlichen Streaming-Angebote? Das wahre Leben.

Dessen Schattenseiten erlebe ich tags drauf wieder in einer „rollenden Petrischale“ (FAZ) namens ICE auf der Fahrt nach Frankfurt. Die Inzidenzen steigen täglich, die Leichtigkeit des Sommers ist endgültig dahin. An Warnungen der Experten hat es nicht gefehlt. Dennoch wurden die Impfzentren abgebaut – Augen zu und durch. Wer zu leichtfertig ist, den bestraft das Virus mit voller Wucht. Bis Ende des Jahres, so äußerte sich die kommissarische Bundeskanzlerin Angela Merkel, sollen noch 27 Millionen Menschen geimpft werden. Der Vorsitzende der STIKO Thomas Mertens teilt in einer Talk-Show mit, dass seine ehrenamtliche Kommission nun das Boostern doch schon ab 18 Jahren empfiehlt. Die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ wird durch ein neues Infektionsschutzgesetz aufgehoben – 3G gilt dann auch im Nah- und Fernverkehr. Endlich! Ein richtiges & wichtiges Signal, die Kontrolle wird sich organisieren lassen.

Nächste Woche werde ich etwas entspannter mit dem Zug fahren. Dank einer glücklichen Fügung habe ich kurzfristig einen Booster-Termin ergattert. Kaum 30 Minuten war ich in der Praxis, die alle Reden von der Schwerfälligkeit des deutschen Hausarzt-Modells Lügen straft; bis jetzt bin ich noch nicht einmal Patient dort. Wie bei der ersten Impfung im April klappte es wieder nur mit Glück, Hartnäckigkeit und einer gehörigen Portion Optimismus. Muss das sein in einem Land mit einem der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, in einem Land, das angeblich so effizient organisieren kann. Diese Pandemie hat uns immer wieder eines Schlechteren belehrt, in den Worten von Malte Lehming: „Völlig überraschend geschieht regelmäßig das Erwartbare.“ (Tagesspiegel, 12.11.21) Ich werde trotz meiner dritten Impfung nur noch mit einer FFP2-Maske unterwegs sein und mich auf weitere Überraschungen einstellen. Nach dem Booster ist vor dem Booster. Wer hätte das gedacht.

Wie es uns gefällt

Aki Takase mit ihrer Band Japanic beim JazzFest Berlin 2021 in der Silent Green Betonhalle. © Camille Blake / Berliner Festspiele

Nie werden wir diese Fahrt 1976 zu den Berliner Jazztagen vergessen. Wir fuhren mit einem Käfer auf der Interzonenautobahn, nahmen die Abfahrt „Berlin. Hauptstadt der DDR“ und waren plötzlich Richtung Frankfurt/Oder unterwegs – ein Transitvergehen. Die Scheinwerfer mit der 6-Volt-Anlage schwach, die Angst groß. Was tun? Kein Fahrzeug weit und breit. Es gab keine Mittelleitplanken. Also drehten wir kurzerhand über den Grünstreifen zwischen den Fahrspuren und waren wieder auf dem richtigen Weg nach „Westberlin“. Dort waren die Verhältnisse beim Jazz übersichtlich: es gab die Berliner Jazztage in der Philharmonie und als Alternative das Total Music Meeting der Avantgarde. Einerlei welcher Strömung man anhing: es gab ein Festivalerlebnis. Das ist beim JazzFest Berlin heute anders. Es gibt diverse Spielorte in der Stadt, Konzerte finden parallel und als Live-Stream oder Video statt. So erlebte der Kritiker des Tagesspiegel ein völlig anderes Programm als wir.

Für uns war es das beste JazzFest seit Jahren, kein Konzert hätten wir verpassen wollen. Nach dem vielversprechenden Auftakt im Pierre-Boulez-Saal mit drei Gruppen wurde am nächsten Tag die Pianistin Aki Takase (endlich) mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis geehrt. Was diese 73-jährige Musikerin auszeichnet, sind ihre Neugier und Offenheit; Routine und Wiederholung scheinen ihr ein Gräuel. Ihre Band Japanic besteht aus vier jungen Männern, und sie spielten ein grandioses Konzert, das die Zuschauer:innen gebannt verfolgten und das jeder on Demand noch einmal hören kann. Während Takase ihren ersten Auftritt in Europa und bei den Berliner Jazztagen am 05.11.81 hatte, wurde der wichtige Musiker Hannes Zerbe noch nie eingeladen! Dieses unverständliche Versäumnis machte ein Konzert der sog. Radio-Edition jetzt endlich gut – das Hannes Zerbe Jazz Orchester spielte wie entfesselt im Kleinen Sendesaal des RBB und gab liebend gerne drei Zugaben. Den Abschluss im Kuppelsaal des Silent Green machte für uns Sylvie Courvoisier Trio. So darf’s gerne weitergehen im nächsten Jahr.

Eine Erinnerung ans JazzFest Berlin erreichte mich heute Nacht von der Corona-Warn-App. Am 5. November gab es eine Begegnung mit erhöhtem Risiko. Das kann nur beim Konzert von Aki Takases Japanic passiert sein. Die Betonhalle im Silent Green war voll besetzt. Dass dieser Spielort früher ein Krematorium war, mutet angesichts der dramatisch steigenden Inzidenzen makaber an. Was läuft in Deutschland, in Mitteleuropa derzeit bei der Eindämmung der Pandemie schief? Politiker:innen sollten sich mit Prognosen, Versprechungen (keine Impfpflicht) und Statements zurückhalten, um die allenthalben beklagte Kakophonie zu beenden. Darüber hinaus gibt es hierzulande eine schlecht funktionierende Bürokratie. Um einen Termin für eine Booster-Impfung (in unserer Praxis nur donnerstags!) zu bekommen, sollen wir das europäische Impfzertifikat faxen; eine Übermittlung per Mail ginge auf keinen Fall. Also bringe ich die Dokumente in Kopie persönlich hin. Die freundliche Sprechstundenhilfe möchte sofort Scans davon machen. Den Termin konnte ich schon abstimmen – wir werden aber noch einmal angerufen. So geht Boostern im 21. Jahrhundert in Deutschland. Noch Fragen?

Déjà-vu

Das berühmte Luf-Boot aus der Südsee ist jetzt im Humboldt Forum zu sehen. © Rolf Hiller

Wer hätte das gedacht! Am 11.12.20 hatten wir 29.875 Neuinfektionen an einem Tag; alle warteten wir vor einem Jahr sehnsüchtig auf den Impfstoff. Heute haben wir hierzulande das Vakzin in Hülle & Fülle, und die Corona-Warn-App verzeichnet gestern 37.120 Neuinfektionen und eine 7-Tage-Inzidenz von knapp 170 – Tendenz steigend. Was reitet Politiker:innen jedweder Couleur, die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ zum 25. November auslaufen zu lassen. Angesichts der sich zuspitzenden Situation auf den Intensivstationen ist diese Haltung fahrlässig, mehr noch: verantwortungslos. Gleichzeitig wird jetzt hektisch die Reaktivierung der Impfzentren und eine Kampagne für Booster-Impfungen gefordert. Für alle? Nur für über 70-Jährige (STIKO)? Nur für über 60-Jährige? In Italien wurden in Latium – dort liegt die Hauptstadt Rom – alle über 60-Jährigen bereits schriftlich zur Booster-Impfung eingeladen. „Dass die Antikörper“, konstatiert die Neue Zürcher Zeitung, „etwa sechs Monate nach der zweiten Impfung schwinden, war hingegen schon länger bekannt. Allein aus diesem Grund hätten Bund und Länder frühzeitig eine Booster-Kampagne organisieren müssen. Ihr Zaudern folgt einem Muster, das sich seit Beginn der Pandemie durchzieht: Deutschland ist fast immer zu spät dran.“ (04.11.21)

Wenn’s um die Begrenzung der Klimaerwärmung geht, gilt das für fast alle Länder dieser Welt, mögen die Beteuerungen & Versprechungen auf der Weltklimakonferenz in Glasgow noch so viel Optimismus suggerieren. Wir sind zu spät dran und tun zu wenig. Noch immer werden in Deutschland Diesel und Dienstwagen steuerlich subventioniert, während in anderen Teilen unserer Welt Inseln im Meer versinken. Daran muss ich denken, als ich im Humboldt Forum das berühmte Luf-Boot anschaue, das ich schon einmal in Dahlem gesehen hatte. Einst beuteten die Kolonialmächte die Welt aus und stellten ihre ‚Schätze‘ in Museen zur Schau, heute sind wir für den Untergang ganzer Inselstaaten verantwortlich. Surangel Whipps, dem Präsidenten von Palau, bleibt in Glasgow nur noch der Zynismus der Verzweiflung: „Die sengende Sonne beschert uns unerträgliche Hitze. Das sich erwärmende Meer dringt in unser Land. Unsere Ressourcen verschwinden vor unseren Augen. Und wir werden unserer Zukunft beraubt. Offen gesagt: Der langsame Tod hat keine Würde. Dann bombardieren Sie doch unsere Inseln, anstatt uns leiden zu lassen, nur damit wir unseren langsamen, verhängnisvollen Niedergang miterleben.“ (Tagesschau, 03.11.21)

Was ist dagegen ein Schirm, der mir bei Regen und böigen Winden fast aus der Hand gerissen wird. Ich bin bei diesem Wetter unterwegs zum Pierre-Boulez-Saal, um endlich einmal Bobo Stenson zu erleben. Von dem schwedischen Pianisten habe ich noch seine erste Schallplatte bei ECM von 1971 – das wunderbare Album „underwear“. Mit seinem Trio schreibt der 77-Jährige seine Musik meisterlich fort, die trefflich in den schönsten Kammermusiksaal von Berlin passt. Zum Glück sitze ich ‚richtig‘, die Bühne ist nämlich in der Mitte des Saales. Vor mir spielen Stenson und Anders Jormin (Bass), hinter ihnen der Drummer Jon Fält. Wer ihn direkt vor sich hat, hört vor allem Schlagzeug. Noch deutlicher wird das beim Vijay Iyer Trio, das einen viel versprechenden ersten Tag beim JazzFest Berlin beschließt. Weiter geht es heute im Silent Green, einem ehemaligen Krematorium. Passt doch irgendwie zur allgemeinen Lage.

Full House

In sieben Wochen ist das zweite Weihnachten in Zeiten der Pandemie. Vielleicht bekommen die Deutschen bis zum Fest eine neue Regierung. © Deutscher Bundestag / Achim Melde

Kein volles Haus. Immerhin kommen in die 18-Uhr-Vorstellung doch einige Interessierte. „Die Unbeugsamen“ kam schon Ende August in die Kinos und erreichte in den ersten vier Wochen über 70.000 Zuschauer:innen – der erfolgreichste deutsche Dokumentarfilm seit Jahren! Erzählt wird der lange Weg der Frauen in den Deutschen Bundestag, in Ministerien und Ämter. Die ganze Spießigkeit der Bonner Republik wird deutlich, die joviale und herablassende Art, mit der Politikerinnen behandelt wurden. Torsten Körner montiert geschickt Archivmaterial mit aktuellen Interviews von Frauen, die damals dabei waren und auf ihre Anfänge zurückblicken. „Als Einzelne wirkt die Frau wie eine Blume im Parlament, aber in der Masse wie Unkraut“, brachte der CSU-Abgeordnete Michael Hollacher den Machismo jener Jahre auf den Punkt. Heutzutage würde ihm ein Shitstorm sondergleichen blühen. Gleichwohl sind die Frauen auch im frisch gewählten Deutschen Bundestag nur mit knapp 35% Prozent vertreten, also noch längst nicht am Ziel.

Im Moment müssen sich viele neue Abgeordnete beiderlei Geschlechts mit ganz anderen Problemen herumschlagen – es fehlt an Platz, es fehlt an Büros. Der 20. Deutsche Bundestag ist bunter & diverser als je zuvor, und er hat 736 Mitglieder. Nur der chinesische Volkskongress ist noch größer, aber dieses sog. Parlament kommt in voller Besetzung mit rund 3.000 Mitgliedern nur einmal im Jahr zusammen. Natürlich sind sich alle einig, dass unsere Volksvertretung viel zu groß ist, von den zusätzlichen Kosten – die Rede ist von knapp einer halben Milliarde Euro – ganz zu schweigen. Eine Reform des Wahlrechts mit einem neuen Zuschnitt der Wahlkreise befürworten alle Parteien, doch in zwei Legislaturen passierte nichts. Insbesondere die CSU mit ihren vielen Direktmandaten in Bayern hat diese Reform erfolgreich hintertrieben – es steht eben für Söder & Co. einiges auf dem Spiel. Ein Beispiel von vielen für den beklagten Reformstau in der Bundesrepublik. Hoffentlich beendet der nächste Bundestag die dysfunktionale Vergrößerung seiner selbst. Die Menschen ‚draußen im Lande‘ wären begeistert.

Diese Menschen staunten nicht schlecht, als der kommissarische Gesundheitsminister Jens Spahn heute in einem Interview im Inforadio erzählte, er habe sich gestern zum dritten Mal impfen lassen. Eine Booster-Impfung sei allen über 60-Jährigen anzuraten und all denjenigen, die AstraZeneca oder Johnson & Johnson bekommen hätten. Der wendige Politiker ist 41 Jahre alt und hat mit seinen voreiligen Statements schon häufiger verblüfft. Was soll ich jetzt machen? Ich habe meine zweite Impfung am 17. Juni erhalten, und mein Impfschutz ist laut Corona-Warn-App vollständig. Schnell noch einmal im Netz recherchiert – die STIKO empfiehlt eine Auffrischung für über 70-Jährige. Die Inzidenzen steigen, die Intensivstationen laufen voll, überwiegend mit nicht-geimpften Corona-Patienten. In einer solchen Lage wünscht man sich klare, abgestimmte und verlässliche Informationen und keine schnellen Statements. Vielleicht macht’s ja Karl Lauterbach besser. Der notorische Schwarzseher wird als neuer Gesundheitsminister gehandelt..

Zum Gelde drängt’s

Eine Welt 2.0 gibt es nur auf der Bühne. Nina Stemmle als Brünnhilde in ihrer letzten Arie bei der Premiere der „Götterdämmerung“, ehe die Welt versinkt. © Bernd Uhlig / Deutsche Oper Berlin

Die Welt ist aus den Fugen; das gilt natürlich auch für das Musiktheater. Die Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper Berlin geriet völlig aus dem Tritt. Aus organisatorischen Gründen hatte der vierte Teil vor dem dritten Premiere – die „Götterdämmerung“ also vor dem „Siegfried“. Trotzdem ist das Interesse riesig. Das Haus ist ausverkauft, es gilt die 3-G-Regel; im Eingang ist sogar eine Teststation untergebracht. Aktualisierung und Ironie schadet bei den Bühnenweihspielen eines Richard Wagner nicht, dachte sich der norwegische Star-Regisseur Stefan Herheim. Aber sein Ansatz geht nicht schlüssig auf – mal wird das Foyer der Deutschen Oper auf die Bühne gebracht, mal werden die Figuren (etwa Siegfried) zur Karikatur ihrer selbst.

Nach sechseinhalb Stunden mit zwei langen Pausen gibt es nur ein leises Buh. Ansonsten ist das Premieren-Publikum zufrieden und spendet den Sänger:innen und dem Orchester viel Applaus. Am Ende wagt sich sogar der Regisseur auf die Bühne und bekommt Beifall. Dabei ist der Plot des „Ring“ so aktuell wie eh und je: die Gier nach dem Rheingold schafft nur Zwist und Verderben. Aber anders als bei Wagner gibt es bei den realen Ränkespielen selten eine Götterdämmerung. Und schon sind wir bei der deutschen Ampel, wo nach dem Honeymoon der Sondierungen nun Tacheles geredet wird. Wer wird Alberich? Bekommt Christian Lindner (FDP) das Finanzministerium oder Robert Habeck von den GRÜNEN, die bekanntlich ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren haben als die Liberalen. Ohne Geld, viel Geld und damit neue Schulden werden die notwendigen Innovationen in Deutschland nicht gelingen. Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank und ein Gralshüter der Geldwertstabilität, hat schon aus „persönlichen Gründen“ seinen Rücktritt zum Ende des Jahres angekündigt.

Viel Geld wird weiter auch die Bekämpfung des Corona-Virus kosten, ob die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ nun am 25. November endet oder nicht. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz steigt kontinuierlich wieder an. Um so unverständlicher, warum das RKI nicht täglich ausweist, wie viele Neuinfektionen und Corona-Patienten auf Intensivstationen ungeimpft sind. Vielleicht motiviert das ja manchen doch noch, sich impfen zu lassen. „Alle unsere Patienten mit Covid-19 in der vierten Welle waren bisher ungeimpft“, berichtet Professorin Dr. Carla Nau; sie ist Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Lübeck (Apotheken Umschau 15.10.21). Um so verstörender ist die Nachricht, dass Impfärzt:innen und medizinisches Personal hierzulande massiv wegen ihrer Arbeit unter Druck gesetzt werden; selbst von Morddrohungen ist die Rede. Was passiert da gerade? Was ist eigentlich los in Deutschland?

Fehler

Für ein Festival öffnete das ICC in Berlin wieder. © Rolf Hiller

Da wollte ich schon lange mal rein. Seit 2014 ist das International Congress Center an der Berliner Messe dicht; im Volksmund heißt das monströse Gebäude treffend Raumschiff. Also Tix gekauft und nichts wie hin, dachten sich viele und nahmen die Kunst in Kauf, über die man kein Wort verlieren muss. Knapp 320 Meter lang, 90 Meter breit und 40 Meter hoch ist das Gebäude, das 2019 – im Gegensatz zum Palast der Republik – unter Denkmalschutz gestellt wurde. Angeblich können nur 10% der Fläche für Veranstaltungen genutzt werden; trotzdem stellt sich kein großzügiger Raumeindruck ein. Im Gegenteil, oft hängen die Decken bedrohlich tief – nichts für Klaustrophobiker. Es nimmt wunder, dass dieses so wenig einladende & funktionale Gebäude, das 1979 eröffnet wurde, einst mit Preisen bedacht wurde. Nach dem Festival „The Sun Machine Is Coming Down“ versinkt das ICC wieder in einen Dornröschenschlaf. Niemand weiß, was man mit dem aus der Zeit gefallenen Raumschiff anfangen könnte, zumal nichts umgebaut werden darf.

Obwohl im ICC nicht viele Besucher:innen waren, zeigt die Corona-Warn-App eine „Begegnung mit erhöhtem Risiko“ an – das erste Mal überhaupt! Kann ich mich darauf verlassen? Ich bin seit Beginn der Pandemie tausende Kilometer in ICE’s gefahren, war in vollen Bahnen und Bussen unterwegs und habe zwei Flugreisen gemacht; nie gab es bisher ein „erhöhtes Risiko“. Womöglich ist diese Warnung genauso zuverlässig wie die Impf-Zahlen es sind. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht inzwischen von deutlich mehr geimpften Erwachsenen aus, als in der offiziellen Meldestatistik erfasst sind. Statt der bisher veröffentlichten Zahl von 75% der Menschen ab 18, sind es wohl mindesten 80%, die schon vollständig geimpft sind, und bis zu 84 Prozent mit mindestens einem Pieks. In Deutschland gibt es kein zentrales Impfregister – ein absolut gesetzter Datenschutz lässt grüßen. Womöglich haben wir hierzulande also den Freedom Day verschlafen; das passt doch zum allherrschenden Modernisierungsstau.

Manche Restaurants gehen da inzwischen ihre eigenen Wege. Nach dem Kino gehen wir noch indisch essen, alles ist (fast) wie früher. Weder müssen wir uns einchecken noch Impfpass und Perso vorlegen; die Kellner tragen die Maske als Lätzchen. Die Freund:innen im Lichtspielhaus kontrollieren dagegen sehr genau – die Mund-Nase-Bedeckung darf erst am Platz abgelegt werden. Wir sehen „Schachnovelle“ von Philipp Stölzl mit einem überragenden Oliver Masucci in der Hauptrolle. Einen besseren Film aus deutschen Landen haben wir heuer noch nicht gesehen – ganz großes Kino. Erstaunlicherweise ging „Schachnovelle“ beim Deutschen Filmpreis in diesem Jahr leer aus. Immerhin wurde Stölzls Werk in den Kino-Charts letzte Woche auf Platz 10 gelistet, mit über 80.000 Besucher:innen. Solch eine Anzahl sollte der BER eigentlich locker an einem Tag verkraften, doch am letzten Wochenende brach am neuen Berliner Flughafen das Chaos aus, das nichts Gutes ahnen lässt für die Zukunft. Jeder achte Mensch auf dieser Welt sorgt sich nicht ums Check-In oder das Gepäck. Jeder achte Mensch hat nicht genug zu essen.

Alle Touristen lügen

Touristische Trutzburg oberhalb von Kamilari. © Karl Grünkopf

Hurra, wir fliegen wieder. Erstaunlicherweise ist die Maschine nach Heraklion so wenig gebucht, dass die Passagiere der ersten drei Reihen weiter nach hinten versetzt werden – aus statischen Gründen. Wir sitzen am mittleren Ausgang mit maximaler Beinfreiheit. Als Urlaubslektüre haben wir natürlich die neue Pásztor dabei, denn „Die Geschichte von Kat und Easy“ spielt im fiktiven Ort Laustedt irgendwo im Nirgendwo der alten Bundesrepublik und auf Kreta. Susann Pásztor erzählt fesselnd vom Coming of Past zweier Frauen, die sich lange aus den Augen verloren hatten und bei einem gemeinsamen Urlaub klären wollen, was einst bei einer Ménage à trois geschah. Die erste Annäherung auf der Insel findet in einer Taverne statt – „ganz frei von Touristen“. Das kennen wir gut: peinlich sind immer die Anderen! Dabei sind wir allesamt ein Wirtschaftsfaktor und tragen natürlich zur globalen Klimaerwärmung bei.

„Zwischen dem 11. und 17. Oktober“, schreibt die deutschsprachige Griechenland Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe, “werden voraussichtlich 516.000 Menschen auf griechischen Flughäfen landen, darunter mindestens 157.826 (sic!) Deutsche.“ Das deckt sich mit unseren Beobachtungen – es ist viel los in Pitsidia, und am Strand von Komos. Die Straßen sind so voll wie nie zuvor, berichtet ein alter Freund, den wir zufällig wiedertreffen. Er kommt seit Jahrzehnten auf die Insel und wohnt natürlich immer bei Nikos, der sein Hotel nur noch für Stammgäste betreibt und ganz bewusst auf eine Präsenz im Internet verzichtet. Alles scheint noch zu sein wie bei unserem letzten Besuch vor zehn Jahren. Am Strand gibt es immer noch Verschläge, in denen Hippies wohnen; manche haben sich kleine Küchen mit Windschutz aufgebaut. Seit Jahrzehnten verkauft Uwe jeden Tag seinen Kuchen an die Nackerten der Silver Generation.

Mitten in Kamilari stehen Häuser leer und verfallen. Unter den Bougainvilleen die Taverne Akropolis, wo man ohne Reservierung abends kaum einen Platz bekommt. © Karl Grünkopf

Doch die Idylle am Strand trügt. Schon bei flüchtigem Blick sind die touristischen Trutzburgen auf den Hügeln zu erkennen – Aussicht, Klimaanlage und Pool inklusive. Wir wohnen zwar nicht in einer solchen Anlage, aber auch in einem Neubaugebiet; unser Haus (ohne Pool) am Hügel ist bestens mit allen Elektrogeräten inkl. Air-Condition ausgestattet. Die Insel erlebt einen Bauboom sondergleichen, während in den kleinen Dörfern viele Häuschen leer stehen und verfallen. Nun gab es in den griechischen Dörfern immer schon Ruinen. Dieser morbide Charakter beeindruckt nicht weniger als das entspannte Leben dort, das ohne offensichtliche Reglementierungen auskommt. In Kamilari gibt es keine Ampeln, Kreisel, Einbahnstraßen und Verkehrsschilder – Fußgänger, spielende Kinder, Zweiräder, Autos, Lieferwagen, Geschäfte und Tavernen teilen sich den öffentlichen Raum ohne Probleme. Die Orte und Plätze leben; hier könnte die deutsche Städteplanung einiges lernen. Bleibt zu hoffen, dass unser Sehnsuchtsort den Immobilienboom halbwegs unbeschadet überstehen kann. Wenn wir nicht mehr in Urlaub fahren, ändert das ja auch nichts. Sagen die Touristen.