LA Confidential

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Smoke over the City – LA versinkt im Dunst.

Wo geht’s zur Kunst? In LA natürlich auf dem Freeway, vorzugsweise achtspurig. Ohne Termindruck wie gestern beginnen wir den vorletzten Tag dieser Reise, der mit dem Ritt auf einer Höllenmaschine enden sollte. Die Anfahrt zum Getty Center ist perfekt organisiert: vom Parkhaus durch die Security mit der Seilbahn auf einen Hügel mit einem grandiosen Blick über die Stadt, wenn man sie denn sehen könnte. LA verschwindet im Smog, versinkt buchstäblich im Dunst des Verkehrs. Wir kennen keinen Ort, der so konsequent, um nicht zu sagen brutal vom Auto dominiert wird, zu dem es keine ernsthafte Alternative gibt. Avenues, Boulevards, Streets, aber kein Zentrum nirgends. LA fehlt jedes menschliche Maß, und die Zurichtung dieser Stadt aufs Auto wird sich noch bitter rächen. Da hilft es auch nicht, dass Kalifornien einen Satelliten in die Umlaufbahn bringen will, der weltweit den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen überwachen soll. Was soll das? Um festzustellen, was in LA abgeht, braucht man keinen Satelliten, sondern nur wache Sinne.

Mit Öl machte übrigens Jean Paul Getty sein Geld. Er galt in den 60er Jahren als reichster Mensch der Welt und baute eine umfangreiche Kunstsammlung auf, die indes das 20. Jahrhundert leider ausspart. Ein großer Teil davon ist im Getty Center zu sehen, das Richard Meier gebaut hat. Ein beeindruckender Komplex, aber kein großer Wurf. Kühle Funktionalität strahlen die Gebäude aus, und von der neueren Kunst der Sammlung sind wir enttäuscht. Einzig das riesige Gemälde (2,52 x 4,3 m) „Der Einzug Christi in Brüssel“ aus dem Jahr 1888 von James Ensor nimmt uns gefangen; zum Glück ist in diesem Raum Fotografieren einmal nicht erlaubt. Etwas ernüchtert nehmen wir im sterilen Innenhof einen Imbiss. Ein Sandwich in Plastik für 9 $ ist kein Deal, dafür muss man aber keinen Eintritt im Getty Center zahlen. Neben uns nagen einige asketische, asiatische Klosterfrauen an ihren Maiskolben; sie wirken nicht zufriedener als amerikanische Wuchtbrummen.

Auf fünf Spuren rollen wir zurück in die Stadt ohne Mitte. Direkt am Freeway unter einer Brücke wieder ein Verschlag, in dem Obdachlose hausen. Unendlich trostlos im reichsten Land der Welt! Weiter durch den Straßendschungel zur Autovermietung – nach 600 Meilen mit dem tadellosen Hyundai geht’s zu Fuß weiter. Wir erreichen den Broadway und sehen den Glanz vergangener Zeiten: die prächtigen Kinopaläste sind verrammelt. „Downtown has changed“, sagt ein weiser Farbiger neben mir an der Ampel. Man sieht’s auf den ersten Blick.

Und die Höllenmaschine? Was ist mit der Höllenmaschine? Ein Freund & Mitarbeiter lebt hier seit 2001 und holt uns mit seinem abenteuerlichen Jeep am Hotel ab. Das Ding ist dreißig Jahre alt und halboffen. Wir knattern durch die Stadt zu seinem soliden Haus aus Holz im Süden der Stadt, das er sich mit vier anderen teilt. Es hat noch die schönen  Jugendstilfenster von 1910 und einen richtigen Garten mit Rehen. Die sind natürlich nicht echt, so wenig wie das „Northern Cafe“ Kottbullar anbietet. Chinesen schmeißen den Laden, und Asiaten sind die besten Kunden. Der nette schwer bewaffnete Cop am Nachbartisch macht ein Foto vom German Trio. Auch das ist LA!

 

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