Mission Abyme

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Einkaufen ohne Obelisk: Ich war nicht der einzige, der fotografierte, was nicht mehr zu sehen ist.

Und Kafka? Was war denn mit Kafka in Prag? Er wird inzwischen wie ein Popstar vermarktet. Hätte er das erleben müssen, er hätte stante pede Felice Bauer geheiratet und wäre mit ihr auf die Cook-Islands ausgewandert. Wohn denn auch sonst?

Da möchte ich auch noch unbedingt hin, aber jetzt bin ich erst einmal im Büro Kassel. Ein Gespräch mit der Druckerei steht an – die Papierpreise werden Ende des Jahres zum dritten Mal angehoben, und wir geraten alle buchstäblich unter Druck. Einige Hersteller haben dicht gemacht, andere produzieren lieber Verpackungsmaterial, insgesamt wird weniger Papier für Magazine und Zeitungen angeboten. Diese Umstrukturierung der Branche hat Konsequenzen für die Druckereien und Verlage gleichermaßen. Nach dem aufschlussreichen Gespräch fahre ich zum Königsplatz. Ich will mit eigenen Augen sehen, was nicht mehr zu sehen ist: der Obelisk des Künstlers Olu Oguibe wurde nämlich auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung in einer Nacht- und Nebelaktion abgebaut. Die sog. Documenta-Stadt hat sich erneut bis auf die Knochen blamiert!

Das gelingt der Deutschen Oper zum Saisonstart auch ganz hervorragend. Ein Werk von Alban Berg wird der Willkür eines sog. Regisseurs geopfert. Wozzeck ist ein rundlicher Angestellter der Senatsverwaltung und grillt am Wochenende gerne, wenn er nicht gerade in der Deutschen Oper singen muss. Das kann Johann Reuter jedenfalls besser als spielen; man nimmt ihm die Rolle des Opfers, des Erniedrigten und Betrogenen, der zum Täter wird, nicht im geringsten ab. Macht eh‘ nichts, denn der Regisseur Ole Anders Tandberg lässt Bergs großartige Oper am norwegischen Nationalfeiertag in einer Kantine spielen, mit Fähnchen und Trachten. Warum nur? Warum nur darf so einer so einen Mist auf die Bühne bringen?

Eine Woche liegt das Debakel zurück, wir sind im Hôtel Des Grandes Écoles in Paris erwacht. Geheimtipps, die man verrät, sind keine mehr, aber ich mache es trotzdem (www.hotel-grandes-ecoles.com). Und was ist mit der Mission??? Das Projekt Abyme steht erst später auf dem Programm.

 

 

2 Kommentare zu „Mission Abyme

  1. Ja, so ist unsere Zeit, eigenartig wie schnell es geht. Auf der einen Seite der Kafka im Schauspiel FFM wo er ersnthaft gespielt wird und in Prag ist er eine Art Touristenmagnet. Vor dem Kafka museuem sthet einen Brunnen, auch von Cerny , 2 Männer pissen in einen Grundriss der ehemaligen CSSR und sthen jeweils in einer Ecke des neu geteilten Landes. Alle machen Hanyphotos und sind etwas peinlich berührt weil die Penisse sich auch noch etwas bewegen beim pinkeln. Ist schon etwas zu deftig aber es ist halt die Freiheit der Kunst die man aushalten muss. Von dem Obelisken in Kassel war ich selbst übrigens nie ganz überzeugt, er war künstlerisch wenig neu und innovativ… etwas zu plakativ alles… und ich wußte auch nicht warum er da stehen soll. Schließlich ist D das einzige Land was sich wirklich um Flüchtlinge intensiv gekümmert hat und es immer noch tut. Nun mich überzeugt immer Mut zu was Neuem , die alte Form eines ägyptischen Obelisks ist einfach zu sehr abgenutzt. Und dan noch mit goldenen Lettern, wie spießig. Mir gefiel das rein ästhetisch nicht.

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  2. Sorry muss meinen Kommentar korriegieren: der Text auf der Säule war ja positiv vom Inhalt her… es soll wohl der Sieg der Menschlichkeit sein! Als eine Art Siegessäule. Nun, das dumme ist nur das seitedm die AfD hier ihr Unwesen treibt, das ist abscheulich.

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