Berliner

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Die Berliner sind da. Eine lange Schlange steht vor der Abendkasse – alle wollen die Berliner Philharmoniker in der Alten Oper erleben.

Kaum haben wir die „Causa Merz“ von Martin Bergelt am Sonntag online gestellt, da meldet sich auch schon die Staatsanwaltschaft bei Blackrock an. Wegen dubioser Geschäfte wird die Deutschland-Zentrale durchsucht. Nun liegen diese vor der Zeit von Friedrich Merz als Aufsichtsratsvorsitzender der Fondsgesellschaft, aber etwas bleibt immer hängen, und es stellt sich die Frage, ob diese Koinzidenz wirklich Zufall ist. Jedenfalls steht Blackrock als Synonym für den internationalen Finanzkapitalismus, mit dem eine C-Partei eigentlich nichts am Hut haben sollte. Falls Merz im Dezember Parteivorsitzender der CDU werden sollte, werden die Zeiten für die Koalition der Verlierer in Berlin nicht leichter.

Interessierte schauen im Herbst aber auch gerne auf das Berliner JazzFest, das immer noch heller strahlt als die vielen anderen Festivals hierzulande. „Now This Means War“ heißt  der Titel des Programmheftes 2018. Erdacht hat ihn Nadin Deventer, die neue Leiterin des JazzFest Berlin und erste Frau in dieser Funktion. Doch vor der Kür steht die Pflicht. Ehe es losgeht im „Haus of Jazz“ werden die Zuhörer mit einem (zu) langen Vortrag belehrt, garniert mit Verschwörungstheorien wie der, dass der legendäre Multiinstrumentalist Eric Dolphy 1964 in Berlin aus rassistischen Gründen im Krankenhaus nicht richtig behandelt wurde und starb. Auch die Konzerte mit einem explizit politischen Impetus, den der Jazz als autonome Kunst nie hatte, überzeugen allesamt nicht – Kopfmusik vom Blatt gespielt. Die Idee eines „Haus of Jazz“, also die Bespielung des ganzen Hauses der Berliner Festspiele, geht hingegen voll und ganz auf. Überall wird gejazzt, besonders spannend auf der Unterbühne. Dort ist die Berliner Formation KIM Collective am Werke. Und es gibt durchaus weitere Entdeckungen beim JazzFest. Die junge Sängerin Jazzmeia Horn beeindruckt vor allem in kleiner Besetzung, die hoch gehandelte Jaimie Branch fällt mehr als Typ denn als Trompeterin auf, Roscoe Mitchell rettet die Ehre des Art Ensemble of Chicago mit einem fulminanten Solo auf dem Sopransax. Der Höhepunkt für mich war der Auftritt des Pianisten Jason Moran,  der mit seinen Harlem Hellfighters an den längst  vergessenen Musiker James Reese Europe erinnert. Den Tiefpunkt setzte das Geklimper von Bill Frisell zum Abschluss des Festivals, am „Melancholic Sunday“. Da war der „Krieg“ längst vorbei.

Irre ich mich oder habe ich am Montag vor der Alten Oper Frankfurt mehr junge Leute gesehen als beim Fest des Jazz? An der Abendkasse steht eine lange Schlange – sie alle wollen die Berliner Philharmoniker erleben, die unter der Leitung von Gustavo Dudamel insbesondere bei Dmitri Schostakowitschs Sinfonie Nr. 5 beeindrucken. Rauschender Applaus. Die Berliner dürfen wieder kommen. Bitte ganz bald!

4 Kommentare zu „Berliner

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