Das Danaergeschenk

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Manuela lässt’s gerne krachen.

Eine Benachrichtigung von Amazon liegt auf dem Tisch, als ich nach Hause komme. Komisch, habe doch gar nichts bestellt. Schon steht der freundliche Nachbar vor der Tür und übergibt mir ein stattliches Paket, das mich nicht wenig erstaunt: ein Mini TT-Table (net included). Das habe ich mir schon immer gewünscht. „Viel Vergnügen mit Ihrem Geschenk! Von: Manuela.“ Kenne keine Manuela und aus Gründen des Datenschutzes erwähne ich hier nicht ihren Nachnamen, der mir gar nichts sagt. Schnell mal im Netz geschaut: eine der Damen hat einen Pflegedienst, eine andere einen Tapezierer Betrieb, die dritte ist vor drei Jahren verstorben. Was tun? Abwarten, weiter verschenken, auf die Gass‘ stellen? Ich schaffe es tatsächlich bei Amazon anzurufen, bekomme Retour-Etiketten und einen Gutschein. Wow, da hat sich die Mühe doch gelohnt. Wahrscheinlich wird aber der Mini TT-Table irgendwann geschreddert, denn das kommt den Handelsriesen, der angeblich 85.000 Dollar Umsatz pro Minute macht, allemal günstiger als ein Second-Hand-Verkauf. Schöne, neue Wegwerfgesellschaft! „In Deutschland wirft jeder Einwohner im Schnitt 37 Kilogramm Plastikverpackungen weg – sechs Kilogramm mehr als der EU-Durchschnitt.“ (Apotheker-Umschau, 15.10.18) Europas Musterländle blamiert sich also nicht bloß bei den Klimazielen.

Blamabel ist auch der Zustand der Schulen hierzulande, insbesondere die Ausstattung mit Computern. Feine Sache also ein Digitalpakt – seit zwei Jahren stehen 5 Milliarden vom Bund für die Länder bereit. Doch vor der Auszahlung müssen in Deutschland natürlich neue Gesetze geschmiedet werden – alles muss seine Ordnung haben. Warum dafür allerdings gleich das Grundgesetz geändert werden soll, verstehe ich so wenig wie die 16 Ministerpräsidenten der Länder, die sich parteiübergreifend gegen das hübsch verpackte Danaergeschenk aus Berlin sperren. Der Föderalismus ist eine tolle Sache, einfacher wird’s dadurch aber nicht. Man denke an den Zustand vieler Straßen und Brücken, von der Deutschen Bahn ganz zu schweigen. Alles dauert zu lange, und beim Digitalpakt sind zwei Jahre Verzögerung eine Ewigkeit, mehr noch: eine Schande.

Ob sich die Milliarden, die der französische Präsident Emmanuel Macon springen lässt, noch als Danaergeschenk erweisen, wird sich zeigen. Womöglich enden die sozialen Unruhen. Die Schuldenlast von Frankreich erreicht damit aber knapp 100% des BIP, und die „eigentlich“ in der EU vereinbarte 3%-Grenze bei der Neuverschuldung wird auch gerissen. Nicht mehr lange wird sich der Präsident von seinen engsten Vertrauten Jupiter nennen lassen. Es wäre allzu lächerlich.

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