Der alltägliche Wahn

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Uns wird das Lachen noch vergehen…

Wir haben nicht verstanden

Franck Ribéry isst in Dubai ein vergoldetes Steak für angeblich 1200 €, postet das in den sozialen Netzwerken und empört sich über den Shitstorm, den er dafür erntet. Ribéry-like greift er dabei zum derb-obszönen Rapper-F-Vokabular. Dass er jedoch für sich den Schutz seiner Privatzone reklamiert, Urlaub, Familie,  privates Essen usw. ist einigermaßen grotesk im Lichte der Tatsache, dass er selbst diese Story samt Bilder und Filmchen publizieren ließ. Sein Verein, der FC Bayern München, weilt zur gleichen Zeit im Nachbarstaat Katar im Trainingslager, nicht etwa wegen des südlichen Lichts. Dieses Trainingslager wird dem Verein vom Staats-Sponsor Katar-Airlines vergoldet.  Ausgerechnet Katar. Die selbsternannten Hüter der Unantastbarkeit der Würde des Menschen drücken hier beide Augen zu. So weit geht die Menschenliebe dann doch nicht, dass man auf ein lukratives Geschäft verzichten würde.  In Anbetracht dieser moralischen Anfechtbarkeit wird der Verein wohl einfach abwarten bis die Medien diese letztlich nur geschmacklose Mahlzeit und die verbalen Rüpeleien des angestellten Kickers Ribéry verdaut haben werden. Wir kleinen Leute, die wir unseren Urlaub selbst finanzieren müssen, sollten uns jedoch überlegen, in welche Staaten wir reisen und was wir essen möchten.

In Tokio wurde soeben ein neuer Weltrekord aufgestellt. Auf der ersten Thunfischauktion des Jahres wurde ein Blauflossenthun für die Rekordsumme von 2,7 Millionen € versteigert, macht umgerechnet 9800 € das Kilogramm, roh und unvergoldet. Dagegen ist dann Ribérys Steak ein Schnäppchen. Dass der Blauflossenthun, auch Roter Thun genannt, überfischt ist, unter Artenschutz gestellt gehört, wer wollte sich angesichts solch lukrativer Gewinnmöglichkeiten darum scheren? Konsequenterweise ist es, nicht allein – aber verlässlich immer in vorderster Front – die Fischindustrie Japans, die jegliche internationale Schutzbemühungen mit ihrem Veto blockiert. Aber auch wir kleinen Leute, die wir unser Essen nicht vergolden, sollten innehalten bevor wir die nächste Pizza Tonno in den Ofen schieben.

Im Pazifischen Ozean treibt eine Plastikmüllinsel mit dem gigantischen Ausmaß von 1,6 Millionen Quadratkilometern, das entspricht ungefähr viermal der Fläche Deutschlands.  Damit wäre The Great Pacific Garbage Patch mit Abstand das größte Land Europas. Eine wie eine Behelfskonstruktion aussehende  Gerätschaft mit dem euphemistischen Namen The Ocean Cleanup sollte anfangen diesen schwimmenden Müllberg abzubauen, funktionierte aber von Anbeginn nicht richtig und musste nach nur 3 Monaten unbefriedigenden Betriebs zu Reparaturzwecken abgeschleppt werden. Im Grunde handelt es sich hierbei um schwimmende Rohre, an denen 3 m in die Tiefe hängende Netze befestigt sind, in denen sich der Müll verfangen soll, um von Begleitschiffen geborgen werden zu können. Nichts gegen solche gutgemeinten Versuche, aber sie sind von der Erfindungsgabe und vom technischen Aufwand her geradezu lächerlich in Anbetracht der Größe der Aufgabe. Gleichzeitig gelingt den Chinesen mit der Landung eines Satelliten auf der Rückseite des Mondes eine ingenieurtechnische Meisterleitung, die wahrscheinlich mehr gekostet hat als sämtliche Blauflossenthunfische wert sind, die noch im Meer schwimmen. Was könnte man nicht alles bewerkstelligen, wenn derselbe finanzielle und wissenschaftliche Aufwand für wirklich drängende Probleme wie die Reinigung der Umwelt betrieben würde? Warum es nicht geschieht? Weil in erster Linie die Weltgemeinschaft davon profitierte und nicht der eigene Staat, das eigene Unternehmen. Wir kleinen Leute können nicht mit einem Netz in den Pazifik segeln, um Plastik zu sammeln, aber wir können uns überlegen, ob wir unser Mineralwasser in der Plastikflasche kaufen müssen. Ja, wir recyceln die Plastikflaschen. Aber was geschieht danach? Der gesammelte Müll wird geschreddert und nach Asien verschifft, wo er dann im Meer bei den Thunfischen landet.

Audi bringt einen Elektro-SUV, den e-tronauf den Markt. Im Werbespot rast ein  umweltblau – und nicht golden –  lackierter e-tron wie geisteskrank durch Wälder, über schneebedeckte Wege  und schmale Bergstraßen, ohne sich dabei zu beschmutzen. Das ist wichtig bei einem Konzern, dessen Vorstandsvorsitzender wegen Betrugsverdachts in der Abgasaffäre in Untersuchungshaft saß und nun unter strengen Auflagen auf seinen Prozess wartet. Audi braucht ein sauberes Image, der garantiert abgasfreie e-tronscheint da gerade recht zu kommen.  Dennoch hat Audi nichts verstanden. Mit dem Elektroauto sollte nämlich zugleich auch eine Wende in der Mobilitätspolitik einleitet werden mit dem Ziel, die Autos kleiner zu dimensionieren wegen akuten Platzmangels in den Kommunen und deren Geschwindigkeit zu reduzieren. Letzteres im Interesse eines dichteren Verkehrsflusses, um das steigende Verkehrsaufkommen kanalisieren zu können und im Interesse einer größeren Verkehrssicherheit. Dazu kommt noch, dass die Wende zur Elektromobilität einem allgemein gestiegenen Umweltbewusstsein Rechnung trägt und keine Aufforderung zur nur anders verlagerten Ressourcenverschwendung  darstellt. Auch Stromfresser sind nämlich Energieverschwender nicht nur im Betrieb, sondern auch in der Herstellung, hier besonders der Batterien. Ein Elektro-SUV mit 2,5 Tonnen Gewicht, umgerechnet rund 400 PS Leistung und einer Spitzengeschwindigkeit von über 200 km/h bei sagenhaften Beschleunigungswerten ist pure Unvernunft, schon jetzt ein umweltpolitischer Dino. Er wird sich dennoch gut verkaufen und die Käufer werden sich wegen der Nullemission als Avantgarde in Sachen Umweltschutz  verstehen.  Absurd. Wir kleinen Leute werden bei einem Einstiegspreis von ca. 80 000.- €  (gute 8 kg Blauflossenthun) zwar nicht in Versuchung kommen, sollten uns aber beim Erwerb des nächsten Autos dennoch zuvor gut informieren, denn es gibt sie schon, vernünftig dimensionierte Elektroautos zu akzeptablen Preisen, sofern man überhaupt noch der Besitz-Idee eines eigenen Fahrzeugs anhängt.

Pong

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