Homecoming

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Nico Hering Trio plays Movie Soundtracks.

Die steile Treppe in den Frankfurter Jazzkeller hinuntersteigen ist wie nach Hause kommen. An der Kasse steht Eugen Hahn selbst, der den Laden seit 1986 schmeißt, und immer noch hängen Rezensionen von mir an der Wand, die ich in den 1980er Jahren für die Frankfurter Neue Presse schrieb. Eugen drückt uns sofort eine selbst zusammengestellte Compilation mit Jazz von AFN in die Hand, fängt gleich an zu erzählen und ist begeistert wie immer. Neben uns an der Theke steht ein sympathischer Typ aus Eberswalde – sein Vater war mit Eugen in einer Klasse. Wir sind gekommen, um den Frankfurter Bub Andreas Neubauer mit zwei Mainzern zu erleben: Nico Hering (p) und Bastian Weinig (b). Das Trio spielt Movie Soundtracks, und bis auf „Round Midnight“ hätte ich keinen erkannt. Zu hören ist auch die Film-Musik von „Spartacus“, einem Monumentalschinken von Stanley Kubrick; davon hatte ich noch nie gehört und trompete es auch gleich heraus. Der schnelle Fakten-Check geht zugunsten des Trios aus!

Homecoming, so heißt das wundervolle Album des Tenorsaxophonisten Dexter Gordon, das er nach seiner Rückkehr nach New York 1976 im Village Vanguard aufgenommen hat. Da kannte noch keiner Martin Mosebach, dessen Heimat-Roman „Westend“ bei der Veröffentlichung 1992 wenig Beachtung fand. Inzwischen genießt der frühere Jurist hohes Ansehen und bekam u.a. den Georg-Büchner-Preis und schon 1999 den Heimito von Doderer Literaturpreis; derzeit irritiert der Autor mit einem Vergleich des Papstes mit Hitler.  Bei der 10. Auflage des Lesefestes „Frankfurt liest ein Buch“, das FRIZZ Das Magazin für Frankfurt wieder als Medienpartner unterstützt, steht sein gewaltiges Buch „Westend“ (Rowohlt Verlag, Neuausgabe, 896 S.) im Mittelpunkt. „Kaum ein Roman Mosebachs“, schreibt Florian Balke in der FAZ (11.04.19), „folgt so dezidiert dem Modell seines österreichischen Vorbilds Heimito von Doderer, in dessen Meisterwerk ‚Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre‘ ja bekanntlich kaum etwas geschieht, das aber wortreich.“ Oha! Ich habe diesen Roman auf dem Hometrainer gehört und war froh, dieses lange und oft langweilige Rennen durchgestanden zu haben.

Damit sind wir natürlich nolens volens beim Brexit, dessen harte Variante heute verhindert werden konnte. Theresa May hat jetzt bis Halloween – Macron hat schon einen feinen Humor – Zeit, weiter über ihren Deal mit der EU abstimmen zu lassen. Den wird sie bis zum 23. Mai sicher nicht durchs Unterhaus bringen, und im Herbst wird der Brexit weiter verschoben; genauso wie die Eröffnung des BER. Im heutigen Berliner „Tagesspiegel“ wird der geplante Termin 2020 in Zweifel gezogen, aber daran haben wir uns ja längst gewöhnt. Kosmisch gesehen sind solche Probleme null und nichtig. Mit Staunen hörte ich einen Experten im Radio. Angesichts der Energie eines „Schwarzen Loches“ würde die Erde zu einem Golfball verdichtet und einfach verschwinden. Dieses Homecoming löst dann gleich alle Probleme, final versteht sich.

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