Digital Latecomer

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Distinktionsmerkmal der Generationen: Blick auf ein CD-Regal gestern in der Frühe.

Vor einer digitalen Ewigkeit, 2008, bekam ich einen iPod geschenkt. Ich begann, meine CD’s in iTunes einzulesen, tauschte Dateien und wurde en passant zum Apfelmann.  Inzwischen habe ich 40.787 Titel in meiner Datei; das sind immerhin 145 Tage. Doch die Tage von iTunes sind gezählt, bald gibt es nur noch Apple Music. Höchste Zeit, über ein Abo nachzudenken, befand ich auf Hiddensee, und bin jetzt drei Monate auf Probe dabei. Ein paar Clicks waren nötig, und jetzt kann ich auf 45 Millionen Titel zugreifen. Das sollte erst einmal reichen, ich muss keine CD’s mehr einlesen und die Cover dazu suchen; zudem kann ich sofort die neuesten Veröffentlichungen hören. Schöne, neue Welt der sharing economy. Ich besitze nichts und habe alles, solange ich bezahle. Doch was sind Daten gegen Schallplatten und CD’s, wo man noch etwas über die Musiker und das Album erfahren kann.

Damit nicht genug. Weil ich eine DVD („Über den Dächern von Nizza“) am nächsten Tag haben wollte, wurde ich Prime-Kunde bei Amazon, ohne mir sofort der Möglichkeiten bewusst zu werden. Auf Hiddensee lasen wir euphorische Kritiken über die englische Mini-Serie Fleabag von und mit der grandiosen Phoebe Waller-Bridge. Da geht doch was auf dem iPad mit meinem Prime-Abo. Gedacht, getan & geschaut. Wieder zu Hause wollen wir es richtig krachen lassen, aber wie kommt die Serie auf den TV-Bildschirm. Hin zu den Apple-Freunden in die Holsteinische und zurück mit der Apple-TV-Box. Wenigstens Siri bei der Installation verhindert – ein kleiner Triumph des digitalen Spätentwicklers. Zum Spieler werde ich indes nicht auch noch. Auf diesem Gebiet endete meine Karriere mit dem primitiven Tennisspiel in den 70er Jahren des letzten Jahrtausends. Jeder Spieler konnte einen Balken bewegen und damit einen Ball übers Netz bringen. Herrlich einfach, dieses Ping Pong auf dem Bildschirm!

Aller guten Dinge sind drei, und deshalb habe ich mir endlich das Video des Influencers Rezo auf YouTube angeschaut, und zwar die ganzen 55 Minuten „Die Zerstörung der CDU“. Der Bursche spricht schnell und verständlich, und sein Beitrag wurde schon über 15 Millionen Mal aufgerufen. Die Reaktion der Christlich Demokratischen Union Deutschlands belegt einmal mehr, dass die sog. Volksparteien die jungen Leute nicht mehr erreichen. Treffender wäre übrigens der Titel „Die Verlogenheit der Politik“ gewesen, der natürlich auf die Ränkespiele der EU-Ministerpräsidenten ganz besonders zutrifft. Rezo, übernehmen Sie, da die Linden ihren süßlichen Duft schon verbreiten! Am Welttag des Yoga wollen wir uns aber doch noch ein bisschen (über uns selber) amüsieren und klicken auf: Alman!!!

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