Wenik ist mehr

IMG_8977
Schlappen, die keiner mag. © Karl Grünkopf

Endlich mal wieder ins Vabali. Die Saunalandschaft in balinesischer Anmutung hat sich mitten im öden Berliner Bezirk Moabit zu einem echten Anziehungspunkt entwickelt – bereits um 12h sind alle Parkplätze besetzt. Beim letzten Besuch schlüpfte irgendjemand in meine Badelatschen. Dieses Mal habe ich vorgesorgt: meine Schlappen sind einmalig, eine Mischung aus Schloss Elmau und Dritter Welt. Das Relaxen im Vabali hat natürlich seinen Preis, aber es lohnt allemal, dort ein paar Stunden zu entspannen. Am besten gefällt uns der finnische Wenik-Aufguss mit frischen Birkenzweigen. Zwar schlägt man/frau sich damit nicht wechselseitig auf den Rücken, aber die Aufgussmeisterin heizt uns beim Wedeln tüchtig ein. Herrlich! Als wir nach vier Stunden entspannt das Vabali verlassen, warten schon gut zwanzig Leute auf Einlass; es darf immer nur eine bestimmte Anzahl Gäste hinein. Gut so!

Um den allherrschenden Wahnwitz auszuhalten, braucht es schon eine Menge Gelassenheit. Nachrichten am Dienstag im Inforadio. Vor 10 Jahren wurde der Missbrauchsskandal am Canisius-Kolleg in Berlin bekannt. Die Katholische Kirche, die angeblich über ein Vermögen von 270 Milliarden € verfügt, hat bis zu 5.000 € Entschädigung pro Opfer angeboten. In deutschen Krankenhäuser stehen im Schnitt 3,84 € für die Verpflegung der Patienten täglich zur Verfügung. Es gibt also nicht nur einen Pflege- sondern auch einen Verpflegungsnotstand! Die Ozeane sind so warm wie noch nie. Von wegen „Klima-Hysterie“ (Unwort des Jahres). Es ist unfassbar.

Unterwegs nach Gießen mit dem Auto; es ließ sich leider nicht anders organisieren. Der Verkehr fließt stockend. Ich brauche für die 65 km anderthalb Stunden – nicht bloß ich sitze allein im Wagen. Die Rückfahrt läuft besser, und ich komme pünktlich im „Kinopolis“ in der Nähe von Frankfurt an. Zum Glück, denn ich hatte befürchtet, dass „1917“ von Sam Mendes am ersten Tag ein volles Haus hat. Das Gegenteil war der Fall: kurz vor Beginn um 20.10h sind noch 355 Tickets frei. Die Story soll auf einer wahren Begebenheit beruhen. Zwei junge Soldaten müssen sich im Ersten Weltkrieg durch eine verwüstete Landschaft schlagen, um einen wichtigen Befehl des Generals dem Kommandanten eines britischen Regiments zu überbringen. Nur einer kommt durch, unverwundbar wie James Bond (von Mendes stammen „Skyfall“ und „Spectre“) – und genauso unglaubwürdig. Mich erreicht der Film immer weniger, ich schaue mehrmals auf die Uhr. Kein Wunder, dass der Superman (überzeugend: George MacKay) auf der Flucht vor den Kugeln der Deutschen in einen Malstrom gerät und natürlich unbeschadet aus einem reißenden Fluss steigt, mit dem Befehl im Hemde. Warum der Film bei den Golden Globes ausgezeichnet wurde und als Oscar-Kandidat gehandelt wird, verstehe, wer will. „Nachdenken nützt nichts“, heißt es einmal in dieser Hollywood-Produktion. Weniger wäre mehr gewesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s