Gebt her Eure Daten

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Not kennt kein Gebot. Bei der Bewältigung der C-Krise sollten auch alle digitalen Möglichkeiten genutzt werden.

Im Streifenkalender in der Küche sind nur noch Geburtstage vermerkt, keine Verabredungen, keine Veranstaltungen. Heute ist Good Friday (Karfreitag), und immer mehr Menschen beginnen zu zweifeln. Inzwischen haben mehr Deutsche Angst vor einer wirtschaftlichen Depression als vor Corona; der Internationale Währungsfond befürchtet eine Weltwirtschaftskrise wie vor hundert Jahren. Müssen wir noch mehr Opfer bringen? Brauchen wir nicht bessere Daten? Keiner weiß, wie viele C-Infizierte es im Moment gibt; die Hälfte aller Ansteckungen erfolgt präsymptomatisch, d.h. der Infizierte weiß gar nicht, dass er erkrankt ist. Es soll Schätzungen geben, die von zwanzigmal mehr Infizierten ausgehen als den amtlich festgestellten 113.525 (Robert-Koch-Institut, 10.04.2020). Gerd Antes, Freiburger Statistik-Experte und Professor an der Medizinischen Universität Freiburg schlägt deshalb vor, regelmäßig einen „repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt auf Infektionen“ zu untersuchen (Der Spiegel).

In digitalen Zeiten mutet auch die analoge Arbeit der Gesundheitsämter seltsam anachronistisch an. Warum nicht dem Ethikrat einen Datenrat zur Seite stellen, der sicherstellt, dass der Zugriff auf Handy-Daten (Tracking) unter bestimmten Bedingungen in der C-Krise möglich und verpflichtend ist. Meine Persönlichkeitsrechte in Berlin sind ohnehin massiv eingeschränkt; wer die Abstandsregel nicht einhält, dem drohen Strafen bis zu 500 Euro. „Anstatt weltweite Monopole zu bekämpfen“, empörte sich die Magdeburger Volksstimme (01.04.20), „die alle Daten und jedes Geschäft an sich reißen, werden nur die Bürger mit Datenschutz gegängelt. Jetzt geht Datenschutz sogar vor Menschenschutz.“ Hätten wir bessere Daten über die Verbreitung des C-Virus, könnte man auch eine klare Exit-Strategie vorlegen und nicht bloß gebetsmühlenartig an die Geduld der Menschen appellieren. Die Zeit läuft – gegen uns.

Inzwischen breitet sich das Virus auch in der Dritten Welt aus. Wenn schon das Gesundheitssystem in New York an seine Grenzen kommt, kann man sich die Situation in Afrika oder Indien nicht schlimm genug vorstellen: dort fehlt es am Nötigsten. Triage, hörte ich gestern im Deutschlandfunk, findet in Ländern ohne Krankenversicherung direkt in der Familie statt – man bringt die Infizierten erst gar nicht in die Klinik, weil man die Behandlung nicht bezahlen kann. Auch die globale Dimension der C-Krise wird uns bald einholen. Seit Tagen geht mir ein Schlager von Jupp Schmitz und Kurt Feltz (Text) nicht mehr aus dem Kopf. „Wer soll das bezahlen, Wer hat das bestellt, Wer hat soviel Pinke-Pinke, Wer hat soviel Geld?“ Wir werden in eine Rezession ungeahnten Ausmaßes kommen. Der Lockdown wird zum Shockdown. Ausgang ungewiss.

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