Vorbei und vergessen

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Welch ein Glück: Hofmusik zu Ostern. © Gitti Grünkopf

Das Corona-Virus nivelliert – für alle gelten die Abstands- und Hygiene-Regeln, die Tage vergehen einer wie der andere. Es fehlen Abwechslungen & Anregungen. Vor fünf Wochen waren wir bei der letzten Premiere im „Chamäleon“; es kommt mir ewig lange her vor. Welch ein Glück in diesen immer gleichen Tagen zu Hause am Rechner, in Telefonkonferenzen, immer neuen Überlegungen & Planungen, dass am Ostersonntag in unserer Straße zu einer „Hofmusik“ eingeladen wurde. Pablo Barragan (Klarinette) und Yannick Raffalimanana (Keyboard) spielten eine herrliche Stunde für die im weiten Abstand lauschenden Besucher im Hof und das Publikum in den Fenstern. Deutlich wurde uns bewusst, was uns allen so sehr fehlt in C-Zeiten: Gemeinschaft, Nähe – und Kultur. Dass diese für die Politik nicht systemrelevant ist, haben die Lockerungen der Einschränkungen gestern deutlich gemacht: kein Lichtblick nirgends für Künstler*innen und Veranstalter.

Allenthalben hoffen die Menschen, dass der „Spuk“ bald vorbei ist. Und vergessen wie die Hongkong-Pandemie, die zwischen 1968 und 1970 weltweit 1 Million Opfer forderte; allein in Deutschland gab es in dieser Zeit eine sog. Übersterblichkeit von 40.000 Menschen. An die Schließung von Geschäften, Restaurants und Clubs, Produktionsstätten oder Schulen kann ich mich nicht erinnern; auch unsere etwas älteren Verwandten und Freund*innen können davon nicht berichten. Kritiker der Regierung finden in diesen Tagen jedenfalls nicht viel Gehör – „so diene auch die Corona-Krise dazu, die freiheitliche Grundordnung zu zersetzen, argumentiert (der italienische Philosoph) Agamben.“ (FAZ, 28.03.20). Selbst die KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) meldet schon vorsichtig Zweifel an, ob es denn richtig gewesen sei, dass Covid 19 bisher so viele politische Entscheidungen beherrscht hat. Der Vorsitzende Andreas Gassen bringt es im Deutschlandfunk auf den Punkt: „Wenn Sie einen unbehandelten Herzinfarkt oder eine unbehandelte Krebserkrankung haben, dann können Sie davon ausgehen, dass die entsprechenden Patienten versterben. Haben Sie eine unbehandelte Covid-19-Erkrankung können Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Patienten daran nicht versterben, und wenn sie großes Glück haben nicht einmal ernsthaft erkranken.“

Den politischen Diskurs prägen derzeit Virologen wie Christian Drosten, die CDU mit der wieder präsenten Angela Merkel an der Spitze liegt bei 37%. Der medial überhitzten Stimmung im Lande könnte ein wenig Sachlichkeit jedenfalls nicht schaden, etwa der Blick auf ein Schweizer Portal. „Swiss Propaganda Research (SPR), founded in 2016, is an independent nonprofit research group investigating geopolitical propaganda in Swiss and international media. SPR is run by independent academics and receives no external funding.“ (About us) Auf der Seite kann man/frau etwa lesen: „Das Medianalter der Verstorbenen liegt in den meisten Ländern (inklusive Italien) bei über 80 Jahren und nur circa 1% der Verstorbenen hatten keine ernsthaften Vorerkrankungen. Das Sterbeprofil entspricht damit im Wesentlichen der normalen Sterblichkeit.“ Im vorletzten Jahr starben in Deutschland  954.874 Menschen. Zu Ostern habe ich eine Schutzmaske bekommen.

Ein Kommentar zu „Vorbei und vergessen

  1. Meine Mutter hat von mir zu Ostern auch eine Schutzmaske bekommen. Harry will nicht. Ich schenkte ihm dafür Toilettenpapier!

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