Coromany

Nicht mal ein Dutzend Besucher*innen wollten im „Orfeo“ sehen, wie grandios Oliver Masucci das „Enfant Terrible“ Rainer Werner Fassbinder spielt. © Bavaria Filmproduktion

Was kost‘ das Virus. Das werden Volkswirtschafter genau ausrechnen, im Moment wissen wir nur, was es kostet, wenn man/frau beim Besuch eines Restaurants falsche Angaben zur Person macht. Da im Sonderland Sachsen-Anhalt dazu keine Verpflichtung besteht, kostet es natürlich nichts, in Schleswig-Holstein sind 1.000 € fällig, in NRW 250 € und in allen anderen Bundesländern 50 € (alle Angaben ohne Gewähr). Nun sind Regeln erlassen und ihre Durchsetzung zwei paar Schuh‘. Inzwischen gelten in Corona-Risikogebieten wie Berlin und Frankfurt nächtliche Sperrstunden. Schon signalisieren Polizei und Ordnungsämter, sie können diese Regelung nur stichprobenhaft kontrollieren; allenthalben ist zu hören, dass Bussgeldbescheide gar nicht vollstreckt werden. So wird das nichts. Noch hat Deutschland weniger Fälle als beispielsweise die Niederlande oder Tschechien, aber die Zahlen der täglich gemeldeten Neuerkankungen steigen mit jedem Tag und werden weiter steigen.

Derweil beginnt die dunkle Jahreszeit mit Regen und Stürmen – „Herbst ist der Fachbegriff dafür“, so der Moderator Alexander Schmidt-Hirschfelder im Inforadio. An einem solchen Tag treffe ich mit einem ICE-Sprinter in Frankfurt ein. Noch darf ich reisen – aus geschäftlichen oder familiären Gründen ist das (noch) erlaubt. Für Touristen wird es nun aber auch in Deutschland schwierig; die Bundesländer erklären nach Gutdünken Städte oder zum Teil sogar Bezirke von Berlin zum Risikogebiet. Wer von dort kommt und beispielsweise in Schleswig-Holstein einen Urlaub gebucht hat, muss einen aktuellen C-Test vorweisen oder in Quarantäne. Geht’s noch ein bisschen kleinkarierter? Eine Mutter fragt sich allen Ernstes, ob ihre Tochter von Berlin-Mitte noch in den Bezirk Steglitz zur Schule fahren darf…

Ich betrete unser Bürohaus, in dem immerhin neun Firmen und Organisationen arbeiten, kurz nach 14 Uhr – keiner da nirgends. Ein merkwürdiges Gefühl. Früher war das Haus voll, immer trafen sich Leute in der großen Lichthalle auf einen Kaffee und ein Schwätzchen. Abends gehe ich umme Ecke ins „Orfeo“. Das Restaurant ist spärlich besetzt, nicht mal ein Dutzend Besucher*innen werden auf die 72 Plätze im angeschlossenen Kino verteilt. Dabei ist „Enfant Terrible“ von Oskar Roehler doch erst gestartet, seine Hommage an den größten deutschen Filmemacher durchaus sehenswert, auch wenn sie über das Klischee des pöbelnden, koksenden & saufenden Kotzbrockens nicht hinauskommt. Nach dem Kino ist das Restaurant schon leer – kurz vor 22 Uhr, als würde schon die Sperrstunde in Frankfurt gelten.

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