Zum Warten verdammt

Nach dem 2. Weltkrieg stand Deutschland unter der Kontrolle der Alliierten. Das Fundstück in unserem Quartier bricht die unwirkliche Idylle in Zeiten des Kriegs in Europa. © Karl Grünkopf

Zu meinem Beitrag der letzten Woche schrieb hgamma einen kurzen Kommentar, der mir immer wieder durch den Kopf geht: „(seit Jahrtausenden) Die Hybris der Männergewalt hüben wie drüben macht sich dem Gräuel gegen schutzlose Frauen und Kinder kein Gewissen.“ Nach Putins Überfall auf die Ukraine sind Millionen Menschen auf der Flucht aus ihrer Heimat, zumeist Frauen und Kinder, weil wehrpflichtige Männer das Land nicht verlassen dürfen. Die EU signalisiert pausenlos Solidarität und verschärft weiter die Sanktionen gegen Russland. Ein Embargo der Energie-Importe im Wert von 1 Milliarde Euro (!) täglich gilt aber als ausgeschlossen – es würde die EU noch härter treffen als Russland. Unbehelligt von der Weltgemeinschaft geht der Krieg in der Ukraine in die dritte Woche, die Lage in vielen Städten wird immer auswegloser, eine Schließung des Luftraums lehnt die NATO indes kategorisch ab, um eine direkte Konfrontation mit Russland zu vermeiden. Ohnmächtig müssen wir den Terror der russischen Armee hinnehmen.

Die Frage nach dem Warum hat ein Freund in einer Mail aufgenommen, die mich in der vorletzten Woche erreichte. “In Kants ‚Ewigem Frieden‘ gibt es, wenn ich recht erinnere, die verstörende Stelle, wo er die Frage, warum die Inhaber der Macht diese auch immer rücksichtslos zu ihren Zwecken einsetzen, mit einem simplen ‚Weil sie es können!‘ beantwortet. So ist das tatsächlich.“ Doch es könnte noch schlimmer kommen, wie die New York Times befürchtet: „Die unausweichliche Demütigung ist unerträglich für diesen Mann, der davon besessen ist, die Würde und Einheit dessen wiederherzustellen, was er als russisches Mutterland ansieht. Putin marschiert deshalb in einen ewigen Krieg gegen die Ukraine und einen Großteil der Welt, der Russland langsam zusammenbrechen lassen wird. Und das ist entsetzlich. Denn es gibt nur eines, was schlimmer ist als ein starkes Russland unter Putin: Und das ist ein schwaches, gedemütigtes, ungeordnetes Russland – ein Land voller nuklearer Sprengköpfe, Cyberkrimineller, Öl- und Gasquellen, das zerbricht und in dem verschiedene Fraktionen um die Macht ringen.“ (10.03.22, zitiert nach DLF / Die Internationale Presseschau).

Dass die Zeit nach Putin noch schlimmer werden könnte, ist eine äußerst unangenehme Vorstellung – lieber ein Arrangement mit einem bekannt unberechenbaren Despoten als ein Machtvakuum nach dessen Beseitigung. Und während ich diesen Satz schreibe, verdüstert sich meine Stimmung an diesem herrlichen Vorfrühlingstag merklich. „Politik ist gelebter Opportunismus“ (Gerhard Strobel). Das weiß ein Vornamensvetter von ihm wie kein zweiter: der ehemalige Kanzler, Russland-Lobbyist und Putin-Freund Schröder soll sich derzeit in Moskau aufhalten, ohne Abstimmung & Auftrag. Sei‘s drum. Wenn er etwas erreichen kann, war seine Reise nicht vergebens. „Die Hoffnung stirbt nie!“ Der Titel meines Blogs der letzten Woche gilt weiter – trotz Wladimir Putin.

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