Kunst im Bau

Das Dach des Schloss Bellevue hat der Künstler Christian Awe umgestaltet. © Rolf Hiller

Das Interesse ist riesig – viele möchten die Ausstellung “Freiraum Kunst – Akademie der Künste goes Bellevue” sehen. Innerhalb der ersten Stunden wollten sich eine halbe Million Menschen einen kostenlosen Slot buchen, und die Server brachen zusammen. Bekanntlich wird der Amtssitz des Bundespräsidenten acht Jahre lang aufwändig saniert. Die Idee für eine ästhetische Zwischennutzung des Schloss Bellevue hatten ein Journalist und einige Künstler. Frank-Walter Steinmeier nahm diese Initiative auf, und die Akademie der Künste stellte innerhalb kurzer Zeit eine Ausstellung zusammen, die derzeit der Renner in der Hauptstadt ist, nicht zuletzt, weil sie nur 14 Tage läuft und an einem spektakulären Ort stattfindet. Ästhetisch nimmt sich das mit heißer Nadel gestrickte Projekt weniger spannend aus. Man musste rasch vorhandene Arbeiten auftun, diese in den Räumen platzieren – von plakativen Werken einer Katharina Grosse bis zur Video-Installation “Geburtshaus Goebbels” von Gregor Schneider spannt die Ausstellung einen (allzu) weiten Rahmen. 

Dennoch kann man durchaus Entdeckungen machen im Schloss der Kunst auf Zeit. Gleich am Eingang verstört die knapp zwanzigminütige Video-Performance “Rufen bis zur Erschöpfung” von Jochen Gerz aus dem Jahr 1972. “Der Künstler ruft unablässig ‘Hallo’ ins Leere, bis ihm die Stimme versagt.” (Programmheft) Diese erstaunliche Arbeit nimmt die unendlichen Posts in die Leere und Weite der Sozialen Medien prophetisch voraus. Das “Hallo” bleibt ohne Antwort und wird immer verzweifelter. Ganz anders dagegen der Dokumentarfilm “Die Mauer” von Jürgen Böttcher, der die letzten Tage des “Bollwerks des Sozialismus” festhält. Zu sehen sind auch gespenstische Fahrten der S-Bahn durch geschlossene und verfallene Stationen wie den Potsdamer Platz, einst ein pulsierendes Zentrum im Berlin vor der Teilung. Im Eingang hängt übrigens “Die Bundespräsidentin”, ein Acrylbild von El Bocho aus diesem Jahr. Vielleicht zieht in acht Jahren eine Frau ins frisch renovierte Schloss Bellevue – es wäre an der Zeit für eine Bundespräsidentin. 

Mit aktueller Kunst kann der amerikanische Präsident bekanntlich nichts anfangen. Donald Trump liebt Protz & Prunk und feierte seinen 80. Geburtstag mit einem Käfigkampf wie im alten Rom. Seine Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit werden inzwischen selbst bei einflussreichen Republikanern kritisch gesehen; seine erwartbare Replik: er tut sie als “Dummköpfe” ab. Der völkerrechtswidrige Angriff auf die Mullah-Diktatur im Iran war ein kostspieliger und sinnloser Fehlschlag – das Regime in Teheran hat schnell die strategische Bedeutung der Straße von Hormus ausgemacht. “Denn der Iran geht”, resümiert die Rheinische Post aus Düsseldorf, “das ist die bittere Wahrheit, gestärkt aus diesem Konflikt hervor. Die Führung in Teheran hat den bislang massivsten Versuch der USA und Israels, das Regime zu Fall zu bringen, überstanden – trotz des Todes von Spitzenpolitikern wie Ajatollah Ali Chamenei zu Kriegsbeginn. Schlimmer noch: Teheran hat der Welt bewiesen, dass es die globale Wirtschaft durch die Blockade von Seewegen als Geisel nehmen kann.“ (19.06.2026) Die Bilanz könnte nicht schlechter sein. 

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