
Mit dem Gepäck im Handwagen laufe ich zum Hafen von Kloster; wir nehmen die erste Fähre von Hiddensee nach Stralsund. Am Friedhof vor der Kirche halte ich am Friedenspfosten inne, den die japanische Friedensgesellschaft gestiftet hat. Die KI ermittelt blitzschnell, dass die Rüstungsausgaben im Jahr 2025 laut aktuellen Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI weltweit rund 2.887 Billionen US‑Dollar betragen haben; eine Billion ist eine Zahl mit zwölf Nullen! Am Sonntag waren wir in der Inselkirche und hörten wieder eine bemerkenswerte Predigt des Pfarrers Konrad Glöckner, die an das Gebot der Bibel “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” gemahnte. Nicht bloß auf Hiddensee schwindet das Gemeinschaftsgefühl: die Entsolidarisierung der Gesellschaft ist weltweit auf dem Vormarsch – man liebt nur noch sich selbst und stellt das eigene Wohl, die eigene Nation über alles. Glöckner spricht offen die blaue Wende an, die bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt im Herbst möglich ist.
Vielleicht erleben wir sogar ein blaues Wunder, orakelt der Pfarrer. Eine Besucherin dankt ihm nach dem Gottesdienst für seine “ungewöhnliche Predigt”, die nicht nur bei ihr nachhallt. Würden die Evangelikalen, die in den USA sehr einflussreich sind, die Trump unterstützen und denen er nahesteht, die Predigt von Konrad Glöcker gutheißen? Wohl kaum, denn diese einflussreiche Glaubensrichtung vertritt sehr konservative Werte in der Familien- und Gesellschaftspolitik und heißt die “America First”-Politik von Donald Trump gut, von der in erster Linie die Eliten profitieren. Einer davon ist Elon Musk, der rechtsnationale Positionen vertritt und wahrscheinlich der erste Billionär der Geschichte wird. Sein Unternehmen SpaceX hat 2025 knapp 20 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und geht jetzt an die Börse – mit einer Bewertung von 1.700 Milliarden US-Dollar. Musk beansprucht nach dem Börsengang die Mehrheit der Stimmrechte, möchte das Unternehmen führen, der Chefingenieur und der Vorsitzende des Aufsichtsrats sein. Mehr Personalunion geht nicht, mehr Risiko auch nicht.
Nicht minder irritierend sind die Details, die hierzulande über Großprojekte zirkulieren. Stuttgart 21 wird Stuttgart 31, die zweite Stammstrecke der Münchner S-Bahn soll 2037 fertig werden, nicht 2028, die Renovierung des Schloss Bellevue wird laut Planung von 2026 bis 2034 dauern. Man rechnet mit Kosten von 1 Milliarde Euro, darin enthalten 200 Millionen Euro für den Bau eines Ersatz-Gebäudes. Zuletzt wurde der Amtssitz des Bundespräsidenten in Teilen von 2004 bis 2005 renoviert. Den Vogel bei Infrastruktur-Projekten schießt derzeit der Bahnhof Zoologischer Garten in Berlin ab. Die Sanierung soll 18 Jahre dauern! Ursprünglich waren einmal 15 Millionen Euro veranschlagt; jetzt rechnet man mit 250 Millionen. Was läuft da schief im Staate Bundesrepublik Deutschland?
