Geparde aus der Mottenkiste

Rom ist weiter vom Berliner Teufelsberg entfernt als Kiew. © Rolf Hiller

Da wollten wir schon lange hin. Im Casino der ehemaligen Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte auf dem Berliner Teufelsberg findet eine temporäre Kunstausstellung statt, die keiner besonderen Erwähnung wert ist. Aber das Gelände lohnt jederzeit einen Besuch. Der Teufelsberg wurde aus Trümmern aufgeschichtet und ist die zweithöchste Erhebung der Stadt, ein lost place, wie es inzwischen leider nicht mehr viele in Berlin gibt. Hier ist die Zeit stehengeblieben, überall sind kleine, teils witzige Installationen entstanden, Sprayer fanden dort ideale Bedingungen vor. Trotz 8 Euro Eintritt („Hier ist überall Kunst!“ meint der Kassierer) sind mehr Leute auf dem Gelände unterwegs, als wir erwartet haben. In Zeiten globaler Satellitenüberwachung und digitaler Kontrolle unserer Daten muten die Türme auf dem Teufelsberg anachronistisch an; trotzdem denke ich immer wieder an den Krieg in der Ukraine. Rom ist von Berlin weiter entfernt als Kiew.

Dass er sich die Entscheidung, dieses Land mit schweren Waffen zu unterstützen, nicht leicht gemacht hat, ehrt Olaf Scholz. Er personifiziert gewissermaßen die Stimmung im Lande – die eine Hälfte der Bevölkerung ist für die Lieferung von Panzern, die andere ist dagegen. Nach langen Querelen kam auch „seine“ SPD auf Linie; gestern wurde im Bundestag mit den Stimmen der CDU/CSU die Lieferung von schwerem Kriegsgerät beschlossen. Die Abwesenheit des Kanzlers irritierte; der Zeitenwender besuchte seinen japanischen Amtskollegen. Macht diese Lieferung einen Atomkrieg wahrscheinlicher? Vor den deutschen Geparden braucht der russische Bär einstweilen keine Bange zu haben: die Panzer stehen eingemottet beim Hersteller, nach Munition wird weltweit gefahndet. Der Tagesspiegel zitiert den Oberst a.D. Wolfgang Richter mit den Worten, die Geparde können „wahrscheinlich erst zum Jahresende“ (28.04.22) in der Ukraine eingesetzt werden. Das verrät wieder einiges über den Zustand der Bundeswehr, die jährlich 56 Milliarden Euro kostet; Deutschland besitzt damit den siebtgrößten Verteidigungsetat der Welt.

Kriegsentscheidend wird die Lieferung der Geparde an die Ukraine nicht sein, aber zwei Termine im nächsten Monat sind von großer Bedeutung. Am 9. Mai feiert Russland traditionell den Sieg über Hitlerdeutschland; bis dahin muss Zar Putin echte Erfolge seines Angriffskrieges auf die Ukraine vorweisen. Heute Morgen hörte ich im Radio, dass Russland in Transnistrien 20.000 Tonnen Sprengstoff lagert. Mitte Mai wollen sich die schwedische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson und ihre finnische Amtskollegin Sanna Marin erneut treffen, um (final) über einen Aufnahmeantrag in die NATO zu entscheiden. Der dritte Weg zwischen den Blöcken, die viel beschworene Finnlandisierung, wäre dann am Ende; die finnisch-russische Grenze ist Wikipedia zufolge 1.340 km lang. Im sog. Wonnemonat kann der Sieger der französischen Präsidentschaftswahlen erst einmal durchatmen. Ob Emmanuel Macron nach den Parlamentswahlen im Juni mit „Merci“ danken kann, ist ungewiss. Nichts wird einfacher.

Alarmismus vs Attentismus

Dichtes Gedränge auf dem Bahnsteig in Frankfurt Süd. © Rolf Hiller

Nach Ostern sind die Züge der Deutschen Bahn schon wieder so gut besetzt wie vor der Pandemie; einige Fahrgäste sitzen bei den Türen auf dem Boden. Weil der Staatskonzern im Frühjahr jede Menge Baustellen eingerichtet hat, dauert meine Fahrt gut eine Stunde länger als sonst. Der ICE fährt nicht bis Hauptbahnhof, sondern endet schon in Frankfurt Süd, wo sich die Fahrgäste in dichten Schlangen zu den Treppen vorkämpfen. Laut hupend rauscht ein Zug an uns vorbei. Kein Wunder, dass zwei Tage später meine Corona Warn App zuverlässig „Begegnungen an 1 Tag mit erhöhtem Risiko“ meldet. Die Menschen sind geduldiger als der Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), dessen Partei sich in der gelben Ampelkoalition weder bei einer Maskenpflicht im öffentlichen Raum noch bei einer Impfpflicht durchsetzen konnte. Schiebt der medial (zu) präsente Mann deshalb Frust und muss vor einer Killervariante des Corona-Virus im Herbst warnen?

Der Osterverkehr in den Zügen der Deutschen Bahn hat schon einmal einen Vorgeschmack auf den Sommer geliefert, wenn man im Öffentlichen Personennahverkehr ein Vierteljahr lang für schlappe 9 Euro monatlich durch Deutschland reisen darf. Der FAZ schwant nichts Gutes: „Es wird ein endloser Sommer in endlos vollen Zügen.“ (20.04.22) Selten habe „der Staat auf überflüssigere Weise Geld rausgehauen (außer mit der Reduzierung von Benzinpreisen natürlich).“ Tatsächlich muten diese Maßnahmen wenig durchdacht und vor allem sozial ungerecht an. Hier wäre ein Zaudern des Kanzlers am Platz gewesen, nicht aber bei seinem endlosen Lavieren, ob wir der Ukraine schwere Waffen liefern sollen. Selbst ein Linker bei den Grünen wie Anton Hofreiter fordert diese Hilfe, genauso wie Annalena Baerbock und Robert Habeck. Wer bei mir Führung bestellt hat, bekommt sie auch, hat Olaf Scholz im Wahlkampf getönt. Geliefert hat er bis dato nicht.

Die Zeiten werden nicht leichter, die globalen Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine werden mit jedem Tag deutlicher. Da ist kein Basta gefragt, wohl aber ein Kanzler, der führen kann und seine Richtlinienkompetenz einsetzt. Hoffentlich wird die Rolle der größten Volkswirtschaft in der EU nach der Wahl am Sonntag in Frankreich nicht noch wichtiger. Sollte Emmanuel Macron wider alle Hoffnungen gegen Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl verlieren, käme es noch mehr auf den deutschen Kanzler an. Der mag bekanntlich „Rock, Jazz, Klassik“, wird aber wahrscheinlich einen der ganz großen Musiker des Modern Jazz nicht kennen. Der Bassist und Komponist Charles Mingus wurde am 22.04.1922 geboren. Unvergessen der Auftritt seines Sextetts in den frühen Morgenstunden beim Festival del Jazz in Verona 1972. Seine Musik wurde meine.

Out of Control

Ganz großes Fernsehen. Sebastian Koch spielt in „Euer Ehren“ einen Richter, der zunehmend die Kontrolle über sein Leben verliert. © ARD Degeto/ORF/SquareOne Productions/Mona Film/Andreas H. Bitesnich

Widersprüche müssen wir aushalten. Wir leben unser „normales“ Leben weiter, während die russische Armee in der Ukraine wütet und Völkermord begeht, wie der amerikanische Präsident Joe Biden (ganz undiplomatisch) befand. Die globalen Folgen dieses Krieges kann derzeit niemand abschätzen. Dass hierzulande die Preise massiv ansteigen und die Inflation, ist eine Folge, in anderen Teilen der Welt drohen Hungersnöte. Denn die Ukraine, aber auch Russland werden in diesem Jahr deutlich weniger Getreide exportieren. Bei uns hingegen wird ein großer Teil des Getreides (noch) als Tierfutter verwendet oder dient zur Herstellung von Biokraftstoff. Längst wissen wir alle, was zu tun wäre – weniger Fleisch essen, weniger Auto fahren. Genauso konfrontiert mich Corona täglich mit Widersprüchen. Im mäßig besuchten Chorkonzert trage ich eine Maske, im voll besetzten Raum beim Yoga nicht. Freunde begrüße ich nur noch mit einer Verbeugung, dann sitzen wir stundenlang beim Essen und erzählen. Das Bewusstsein von Widersprüchen birgt ihre Auflösung.

Manchmal aber nehmen die Ereignisse eine verhängnisvolle Entwicklung. Plötzlich gerät das Leben eines Mannes aus den Fugen. Je mehr er sich dagegen wehrt, um so mehr verstrickt er sich. Glänzend verkörpert Sebastian Koch einen Richter, dessen Sohn ohne Führerschein einen folgenschweren Unfall mit Fahrerflucht begeht. Er versucht die Tat zu vertuschen, verwickelt sich immer mehr, wird selbst zum Täter. Wie sich herausstellt, ist das Opfer der Sohn eines serbischen Clanchefs, den er vor Jahren hinter Gittern brachte. Die komplexe Geschichte mit vielschichtig angelegten Charakteren entwickelt von Beginn an eine Sogwirkung. „Euer Ehren“ (ARD Mediathek) ist eine Adaption der israelischen Vorlage „Kvod“ und durchweg gelungen. Überzeugende Schauspieler, neben Sebastian Koch etwa Paula Beer und Tobias Moretti, ein gutes Drehbuch, eine starke Regie (beides David Nawrath), tolle Bilder und eine grandiose Filmmusik. Dieser TV-Krimi setzt neue Maßstäbe, und wir fiebern schon dem Finale des Sechsteilers entgegen. Ganz großes Fernsehen!

Hätte der Richter sich nicht überschätzt und versucht, die Tat zu vertuschen, sondern sich professionelle Hilfe gesucht, beim Anwalt oder sogar bei der befreundeten Polizistin, hätte diese Geschichte einen anderen Verlauf genommen. Das gilt sicher auch für die Familienministerin a.D. Anne Spiegel, die versuchte, erst ihre SMS-Kommunikation zu beschönigen und dann ihren Familienurlaub zu rechtfertigen. Nach Katastrophen wie im Ahrtal letztes Jahr feixt man nicht wie Armin Laschet oder verschwindet einen Monat in die Ferien. Spiegel hätte sich professionell durch diesen Prozess begleiten lassen sollen, um ihre persönliche Integrität zu wahren. Ob ihre Partei Die Grünen sie dann gehalten hätte, steht dahin. Mir tat Anne Spiegel trotz ihrer Fehler am Ende leid; so viel Häme – von Bild-TV und anderen – hat sie ertragen müssen. Wer die Kontrolle über seine mediale Performance verliert, der hat schon verloren. Die beliebtesten Politiker:innen sind laut ARD-DeutschlandTREND gerade Robert Habeck und Annalena Baerbock vor Olaf Scholz. Nach seiner Zeitenwende-Rede kam vom Kanzler nicht mehr viel. Und das ist zu wenig.

Scheitern

Frank-Walter Steinmeier über Wladimir Putin: „Da habe ich mich, wie andere auch, geirrt.“ © Pixabay

Eine Seefahrt, die ist lustig. Eine Fahrt auf der Elbe in Hamburg kann auch sehr schön sein. Bei einem Familientreffen machen wir eine kleine Tour, sitzen vergnügt an Deck; natürlich geht eine leichte Brise. Zwei von uns lassen arglos die Masken fallen und werden sofort in den Senkel gestellt. Ein Terrier auf zwei Beinen – „Hochbahn-Wache“ steht auf seiner Warnweste – lässt sich die Ausweise der Delinquenten zeigen und zückt seinen Block, um die Übeltäter mit jeweils 40€ Strafe zu belegen. Die Jubilarin versucht zu vermitteln, der Terrier knurrt und läßt ab von den Jungs. Der ganze Wahnwitz der aktuellen Corona-Lage hierzulande spiegelt sich in dieser Situation. Im ÖPNV (dazu zählen auch Fähren) herrscht weiter Maskenzwang, selbst bei Windstärke 9 an Deck. Der Terrier war vollkommen im Recht, wir schütteln danach alle schicksalsergeben den Kopf und freuen uns auf das Menü am Abend. Wahrscheinlich ist es, in Deutschland zumal, nicht möglich, bei der Maskenpflicht auf einer Fähre zwischen Deck und Kabine zu unterscheiden.

Fehler passieren, und es ehrt den Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, dass er Irrtümer und Fehleinschätzungen zugibt und korrigiert – aber doch nicht in einer Talkshow und bei Twitter. Als One-Man-Show kann man dort unterwegs sein, nicht aber im politischen Geschäft. Nach der Volte beim Thema Isolationspflicht musste der Medien-Minister noch einen Tiefschlag verkraften: es wird in Deutschland keine Impfpflicht geben. Das ist genauso eine Niederlage für den Kanzler, denn Olaf Scholz hatte sich ganz klar dafür ausgesprochen – einen eigenen Gesetzentwurf wollte die gelb dominierte Dreier-Koalition aber nicht ins Parlament einbringen. Dass Scholz die Dinge laufen lässt anstatt von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch zu machen wird sich noch rächen. Die Mehrheit der Deutschen ist für eine Impfpflicht und für mehr Maske im Alltag und weiß sich damit in guter Gesellschaft mit den meisten Expert:innen. Vielleicht versuchen sich Lauterbach & Scholz jetzt erst einmal an der Einführung eines zentralen Impfregisters, das in Zeiten der Pandemie ja ganz sinnvoll wäre.

Ein Lavieren bei der Einschätzung des russischen Diktators kann man dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier nicht mehr vorwerfen: „Meine Einschätzung war, dass Wladimir Putin nicht den kompletten wirtschaftlichen, politischen und moralischen Ruin seines Landes für seinen imperialen Wahn in Kauf nehmen würde. Da habe ich mich, wie andere auch, geirrt.“ Alte Irrtümer schützen aber nicht vor neuen Fehlern, wie die polnische Zeitung Rzeczpospolita kommentiert: „Worauf warten wir nach Butscha noch? Auf den Einsatz von Chemiewaffen? Atomwaffen? Oder vielleicht warten wir auch auf gar nichts mehr, sondern gehen zum Tagesgeschäft über, weil wir die Bilder der russischen Barbarei satt haben. Die Verbrechen werden langsam zum Alltag.“ (07.04.22) Nach dem ersten Schock des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, den Sondersendungen im Fernsehen und im Radio, den immer neuen Eilmeldungen, haben wir uns in der siebten Woche des Krieges an das Grauen gewöhnt. Leider! Becketts Wort ist wahrer denn je: „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ Aber wie?

Namaste

Beste Stimmung fast ohne Masken: Maluma rockt die Frankfurter Festhalle. © Rolf Hiller

Ausverkauft! Das Konzert des kolumbianischen Sängers Maluma in der Frankfurter Festhalle war bis auf den letzten Platz besetzt; der Veranstalter hätte noch mehr Tix verkaufen können. Geplant war sein Auftritt fast auf den Tag genau vor zwei Jahren – und musste dann wegen des Lockdowns geschoben werden. Natürlich gelten (noch) die strengen Hygiene-Regeln, die Kontrolle am Eingang ist genau. Kaum wird es in dem riesigen Konzertraum dunkel, fallen die allermeisten Masken; schätzungsweise 80% des Publikums tragen keine mehr. Dass die Handys ausgemacht werden sollen, schert ebenso niemand. Noch vor Beginn des Konzerts springen alle von ihren Sitzplätzen auf, die Begeisterung kennt keine Grenzen. Es wird geknipst, gefilmt und gepostet, was das Zeug hält. Das Mädel in der Reihe vor mir schießt Selfies wie am Fließband. Ohne Tattoo fällt man genauso in der begeisterten Menge auf wie mit Maske. Lange habe ich nicht mehr solch eine Stimmung erlebt bei einem Konzert; Maluma, der Star des Reggaeton und seit 2010 im Geschäft, hat’s echt drauf.

Die Durchsetzung des Hausrechts, also die Verpflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske, wäre an diesem Abend schwerlich möglich gewesen; man hätte das Konzert nur abbrechen können. Der Hunger bei jungen Leuten nach Live-Events und Parties ist nach der Abstinenz der letzten beiden Jahre gewaltig. Zumindest bei ihnen rennt die Bundesregierung mit dem neuen Infektionsschutzgesetz, das ab dem Wochenende bundesweit gilt, offene Türen ein. Ansonsten hält sich die Begeisterung über die weitgehende Abschaffung der Maskenpflicht in Grenzen. Viele Politiker:innen setzen auf die Vernunft, also das freiwillige Tragen, oder auf das Hausrecht. Einige Veranstalter haben schon angekündigt, dass in ihren Häusern weiterhin die Pflicht zum Tragen einer Maske bestehen bleibt. Alles in allem wird die Lage noch unübersichtlicher und dürfte bald die Gerichte beschäftigen. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern haben jedenfalls die Hotspot-Regelung bis Ende April für ihr gesamtes Gebiet verfügt.

Nicht bloß beim neuen Infektionsschutzgesetz hat sich der kleinste Partner der Dreier-Koalition durchgesetzt, auch bei der Diskussion um ein allgemeines Tempolimit gibt die FDP den Ton an. Experten zufolge könnten so 4% des Kraftstoffs eingespart werden; die Senkung der Raumtemperatur um 1 Grad bringt übrigens eine Ersparnis von 6%. Wann, wenn nicht jetzt, wäre der Moment gekommen, im letzten Industrieland der Welt endlich ein Tempolimit einzuführen. Von den Grünen, die in der Ampel ansonsten einen guten Job machen, ist dazu nichts zu vernehmen. Dabei kostet diese Maßnahme keinen Cent und würde doch eine alte Forderung ihrer Klientel erfüllen. Genauso wenig ist zu verstehen, warum die beiden stärksten Parteien der Regierung nicht auf einer sozialen Komponente bei der staatlichen Subvention der explodierenden Energiepreise bestanden haben. Dieses Primat der Geschlossenheit könnte sich noch rächen. Wir fahren freiwillig nur 110 km/h auf Autobahnen, tragen weiter Maske, und ich verbeuge mich zur Begrüßung. Das ist kein Aprilscherz. Namaste.

Der Rubel rollt

Russland verlangt die Zahlung seiner Energieexporte in Rubel und unterläuft so die Sanktionen des Westens. © Pixabay

Es ist trocken, viel zu trocken in Deutschland. Noch nie waren unsere Pflanzen im Vorgarten schon im März auf unser Gießen angewiesen. Jeden Tag schleppe ich eine Gießkanne herunter – die Leitung ist seit dem Winter immer noch zu. Neben den vielen aktuellen Problemen wird die Wasserknappheit uns noch zu schaffen machen. Selbst in Brandenburg, wo es über 3.000 Seen gibt, fehlt das Wasser. Umso überraschender, dass Tesla in diesem Bundesland in einem Wasserschutzgebiet seine erste Giga Factory in Europa hochziehen konnte. Der Bau – teilweise mit nachgeschobenen oder vorläufigen Genehmigungen – wurde in nur 2 Jahren errichtet und gilt schon jetzt als Erfolgsgeschichte der Industrieansiedlung hierzulande. Die ersten dreißig E-Autos wurden von Elon Musk mit großem Tamtam persönlich an die Kunden übergeben; die Politprominenz mit dem Kanzler an der Spitze gab sich die Ehre. Zwar fahren die Wagen emissionsfrei, aber allzu gerne wird übergangen, dass der Strom der Batterien nicht grün ist, sondern zum größten Teil aus fossilen Kraftwerken stammt.

Tesla gilt mit einer Marktkapitalisierung von über 250 Milliarden Euro als wertvollster Autokonzern der Welt und hat seinen charismatischen Gründer Elon Musk zum reichsten Menschen der Welt gemacht. Der Mann hat Visionen, kann sie verkaufen und umsetzen. Einer Dystopie gleichen hingegen die kruden Allmachtsphantasien von Wladimir Putin, der gerade die Ukraine mit einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg überzieht. Der russische Autokrat ist fest davon überzeugt, dass der Untergang der Sowjetunion vor 25 Jahren die „größte geopolitische Katastrophe“ des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Diesen Zerfall zu revidieren ist das erklärte Ziel des ehemaligen KGB-Agenten, der dabei keinerlei Skrupel kennt. Das hätten wir uns alle klar machen können, nicht bloß die vielen Putin-Versteher und Kooperationspartner. „Unbekümmert sahen sie hinweg“, hält der britische Observer fest, „über die Zerstörung von Grosny, die Kriegsverbrechen in Aleppo, die Raketenangriffe auf zivile Flugzeuge, die Invasion auf der Krim, die Zerstörung der russischen Demokratie, die endemische Korruption, die endlosen Lügen und die Vergiftung von Alexander Litwinenko, Sergej und Julia Skripal und Alexej Nawalny. Und erst jetzt erkennen sie alle plötzlich, dass der Kreml vielleicht doch kein seriöser Geschäftspartner ist“. (20.03.2022).

Genauso fanatisch wie seine großrussischen Expansionspläne verfolgt Putin die Destabilisierung des Westens. Das dürfte dem versierten Schachspieler auch jetzt wieder mit der Forderung gelingen, dass die russischen Energieexporte künftig in Rubel zu zahlen sind. Er kann darauf setzen, dass es in der EU kein einheitliches Embargo geben wird; jedes Land verfolgt seine eigenen Interessen, Ungarn hat schon ein Veto angekündigt. Zwar sind die Verträge in Dollar und Euro abgeschlossen, aber glaubt ernsthaft irgendjemand, Putin würde sich einem Urteil des internationalen Gerichtshofes beugen. Niemals. Und wieder wird es dem neuen Zaren gelingen, einen Keil in die EU zu treiben. Unsere Naivität der letzten Jahre rächt sich jetzt bitter. Deshalb gibt es hierzulande auch kaum mehr funktionierende Sirenen, Bunker oder zivile Schutzräume für die Bevölkerung, vom Zustand der Bundeswehr ganz zu schweigen. Am Wochenende wählt das Saarland – der erste Stimmungstest nach der Bundestagswahl. Die SPD liegt in den Umfragen deutlich vorn. An Olaf Scholz und Karl Lauterbach dürfte das wohl nicht liegen.

Mangelwirtschaft

Mehl wird wieder rationiert im Supermarkt; das Foto entstand am 18. März gegen Mittag. © Rolf Hiller

Im Weingeschäft treffe ich meinen Jazzfreund aus der Nachbarschaft; Hamsterkäufe haben hier noch nicht stattgefunden. Wir sprechen über die bedrückende Lage und sind beide gegen eine Schließung des Luftraums über der Ukraine; zu groß wäre die Gefahr eines 3. Weltkriegs. Er zeigt mir ein dickes Buch, das er gerade gekauft hat: „Putins Netz“ von Catherine Belton, das jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt. Ihr 2020 – trotz „juristischer“ Anfeindungen – in England erschienenes Buch (Originaltitel: »Putin’s People«) wurde von The Economist, der Financial Times, The New Statesman und The Telegraph zum Buch des Jahres gekürt. Bin gespannt, was der Jazzfreund berichtet, wenn wir uns das nächste Mal uff de Gass‘ treffen.

Zwei Tage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hatte mich ein anderer Freund gefragt, wie lange der Krieg meiner Ansicht nach dauern würde. Drei Wochen höchstens, gab ich zurück, ohne dass ich diese Einschätzung hätte näher begründen können. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass sich Putin und seine Strategen gründlich verschätzt haben. Die Ukraine leistet gegen die überlegene russische Armee erbitterten Widerstand. Die Lage für die Bevölkerung in den umkämpften Städten wird immer verzweifelter. Während es dort für die Freiheit um Leben und Tod geht, beklagen wir hierzulande die ökonomischen Folgen des Krieges, wie es der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Rede im Bundestag gestern anprangerte. Kein Wort des Kanzlers dazu, keine Aussprache, weiter ging es mit der Tagesordnung – „die deutsche Politik lieferte der Welt damit ein beschämendes Schauspiel“ (Tagesspiegel, 18.03.22). Vor der Brutalität des Krieges treten seine Konsequenzen für uns (noch) zurück. Täglich strömen Zehntausende Flüchtlinge nach Deutschland und werden in Berlin von vielen freiwilligen Helfer:innen empfangen & versorgt. Die Kosten für fossile Energie gehen durch die Decke; der Discounter Aldi hat die Preise für 400 Produkte erhöht. Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Speiseöl werden knapp und dürfen nur einzeln gekauft werden. Russland hat übrigens einen Exportstopp für Weizen, Gerste und Roggen erlassen, und in der Ukraine dürfte heuer im März deutlich weniger Getreide ausgebracht werden.

Über der Weltlage mit den sich verschärfenden wirtschaftlichen Problemen (Rohstoffmangel, Teuerung, fehlende Produkte, stockende Logistik) ist die Pandemie in den Hintergrund getreten, obwohl das RKI täglich neue „Rekorde“ meldet: Inzidenz knapp über 1.700, fast 300.000 Neuinfektionen. Das Gesundheitssystem scheint nicht überlastet zu werden. Deshalb hat die Ampel-Koalition ein neues Infektionsschutzgesetz verabschiedet, das bis auf einen Basisschutz fast alle Beschränkungen bundesweit aufhebt. Nun obliegt es den Landesparlamenten, sogenannte Hotspots (Landkreise oder Städte) festzustellen, für die verschärfte Regeln erlassen werden können.Tunlichst informiere man sich vorher, wenn wieder einmal ein Ausflug nach Haßberge oder Rostock ansteht; beide Landkreise haben heute die höchsten Inzidenzen. Sechs von zehn Bundesbürgern sind übrigens gegen die Lockerungen. Ihnen dürfte nicht der Sinn nach einer Party zum Freedom-Day stehen wie Wolfgang Kubicki und seinen Kumpels in der FDP. Mir auch nicht. Ich werde beim Einkaufen weiter Maske tragen. Freiwillig.

Zum Warten verdammt

Nach dem 2. Weltkrieg stand Deutschland unter der Kontrolle der Alliierten. Das Fundstück in unserem Quartier bricht die unwirkliche Idylle in Zeiten des Kriegs in Europa. © Karl Grünkopf

Zu meinem Beitrag der letzten Woche schrieb hgamma einen kurzen Kommentar, der mir immer wieder durch den Kopf geht: „(seit Jahrtausenden) Die Hybris der Männergewalt hüben wie drüben macht sich dem Gräuel gegen schutzlose Frauen und Kinder kein Gewissen.“ Nach Putins Überfall auf die Ukraine sind Millionen Menschen auf der Flucht aus ihrer Heimat, zumeist Frauen und Kinder, weil wehrpflichtige Männer das Land nicht verlassen dürfen. Die EU signalisiert pausenlos Solidarität und verschärft weiter die Sanktionen gegen Russland. Ein Embargo der Energie-Importe im Wert von 1 Milliarde Euro (!) täglich gilt aber als ausgeschlossen – es würde die EU noch härter treffen als Russland. Unbehelligt von der Weltgemeinschaft geht der Krieg in der Ukraine in die dritte Woche, die Lage in vielen Städten wird immer auswegloser, eine Schließung des Luftraums lehnt die NATO indes kategorisch ab, um eine direkte Konfrontation mit Russland zu vermeiden. Ohnmächtig müssen wir den Terror der russischen Armee hinnehmen.

Die Frage nach dem Warum hat ein Freund in einer Mail aufgenommen, die mich in der vorletzten Woche erreichte. “In Kants ‚Ewigem Frieden‘ gibt es, wenn ich recht erinnere, die verstörende Stelle, wo er die Frage, warum die Inhaber der Macht diese auch immer rücksichtslos zu ihren Zwecken einsetzen, mit einem simplen ‚Weil sie es können!‘ beantwortet. So ist das tatsächlich.“ Doch es könnte noch schlimmer kommen, wie die New York Times befürchtet: „Die unausweichliche Demütigung ist unerträglich für diesen Mann, der davon besessen ist, die Würde und Einheit dessen wiederherzustellen, was er als russisches Mutterland ansieht. Putin marschiert deshalb in einen ewigen Krieg gegen die Ukraine und einen Großteil der Welt, der Russland langsam zusammenbrechen lassen wird. Und das ist entsetzlich. Denn es gibt nur eines, was schlimmer ist als ein starkes Russland unter Putin: Und das ist ein schwaches, gedemütigtes, ungeordnetes Russland – ein Land voller nuklearer Sprengköpfe, Cyberkrimineller, Öl- und Gasquellen, das zerbricht und in dem verschiedene Fraktionen um die Macht ringen.“ (10.03.22, zitiert nach DLF / Die Internationale Presseschau).

Dass die Zeit nach Putin noch schlimmer werden könnte, ist eine äußerst unangenehme Vorstellung – lieber ein Arrangement mit einem bekannt unberechenbaren Despoten als ein Machtvakuum nach dessen Beseitigung. Und während ich diesen Satz schreibe, verdüstert sich meine Stimmung an diesem herrlichen Vorfrühlingstag merklich. „Politik ist gelebter Opportunismus“ (Gerhard Strobel). Das weiß ein Vornamensvetter von ihm wie kein zweiter: der ehemalige Kanzler, Russland-Lobbyist und Putin-Freund Schröder soll sich derzeit in Moskau aufhalten, ohne Abstimmung & Auftrag. Sei‘s drum. Wenn er etwas erreichen kann, war seine Reise nicht vergebens. „Die Hoffnung stirbt nie!“ Der Titel meines Blogs der letzten Woche gilt weiter – trotz Wladimir Putin.

Die Hoffnung stirbt nie!

Wolodymyr Selenskyj an Wladimir Putin: „Setz Dich zu mir, sag mir, wovor Du Angst hast.“ © Pixabay

Wir haben es nicht geschafft, leider! Wir waren nicht bei der größten Friedensdemonstration seit Jahrzehnten auf der Straße des 17. Juni in Berlin. Die Veranstalter meldeten eine halbe Million Teilnehmer:innen, die Polizei ging von über 100.000 Menschen aus, die gegen Putins Überfall auf die Ukraine demonstrierten. Mucksmäuschenstill sei es während der Schweigeminute gewesen; nur die Vögel hätten gezwitschert. Ein starkes Signal für die Ukraine, die nach einer Woche Krieg zunehmend in Bedrängnis gerät. Das UN-Flüchtlingshilfswerk rechnet mit 10 Millionen Menschen, die ihre Heimat verlassen werden; davon suchen vermutlich 6 Millionen einen sichereren Ort im Land. Die größte Flüchtlingswelle seit dem 2. Weltkrieg droht. Anders als 2015 zeigen sich dieses Mal auch Polen und Ungarn gastfreundlich und haben schon Hunderttausende aufgenommen. Die Hilfsbereitschaft ist im Moment (noch) beeindruckend. Jede:r überlegt, wie der Ukraine geholfen werden könnte. Morgen hat eine Mitarbeiterin Geburtstag und bittet in einem Facebook-Post, in diesem Jahr auf Geschenke zu verzichten – und zu spenden.

Unter Tränen berichtete eine Deutschlehrerin aus Kiew im Radio, es gebe in der Ukraine Gerüchte , die Russen wollten das AKW Tschernobyl in die Luft sprengen. Wir wollen es nicht glauben, wir wollen nicht wahrhaben, wozu Putin fähig ist. Nach dem Aufstehen mache ich morgens immer sofort das Radio an und höre mit Schrecken, das AKW Saporischschja wurde  bombardiert. Zwar ist keiner der sechs Reaktorblöcke des größten Atomkraftwerks in Europa getroffen, aber diese Nachricht ist dennoch schockierend. Inzwischen haben die Russen das AKW eingenommen. Offensichtlich wollen sie die Versorgungsinfrastruktur unter Kontrolle bringen und die Ukraine zur bedingungslosen Kapitulation zwingen. Wie es scheint, ist Putin nicht bereit, sich auf Gespräche einzulassen. Mit dem Mut der Verzweiflung wendet sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj  direkt an den russischen ‚Zaren‘: „Ich beiße nicht. Ich bin ein ganz normaler Typ. Setz Dich zu mir, sag mir, wovor Du Angst hast.“ (zitiert aus dem F.A.Z. Newsletter vom 04.03.22).

Wenn Rationalität und Verständigung nicht mehr möglich sind, wird es gefährlich – für uns alle. Wen auch immer ich treffe uff de Gass‘ oder in Geschäften: alle sind voller Sorge. Der Überfall auf die Ukraine betrifft uns jeden. Was die Menschen dort durchmachen, können wir uns nicht vorstellen. Anfang der Woche war für einige Zeit die Heizung ausgefallen, und ich saß in Decken gehüllt am Rechner; es wurde unangenehm frisch in meinem Zimmer. Nach ein paar Stunden war es wieder warm und alles wieder in Ordnung, wahrscheinlich dank russischer Rohstoffe. Nichts ist in Ordnung! Wie mag es den Bürger:innnen in Kiew gehen, die seit einer Woche Nacht für Nacht angsterfüllt in den kalten U-Bahn-Stationen kampieren? Kanzler Olaf Scholz hat recht mit seiner Diagnose einer Zeitenwende, manche sprechen gar von einem Epochenbruch. Was das bedeutet, weiß niemand. Wir sollten auch, aber nicht nur mit dem Schlimmsten rechnen. „Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt, die Hoffnung stirbt nie!“ (Anonymous)

Realitätsschock

„Nach dem 11. September 2001 wird der 24. Februar 2022 als das zweitwichtigste Datum in die Geschichte des 21. Jahrhunderts eingehen: als Datum der Rückkehr des Krieges in Europa.“ (Le Parisien / Paris, 25.02.22) © Pixabay

Wir sind explizit gewarnt worden. Vor den heftigen Gewaltszenen in dem kasachischen Film „Baqyt“ (Happiness), der den Panorama Publikums-Preis (PPP) von radioeins und rbb Fernsehen bekommen hat. Mit Wucht erzählt die Regisseurin Askar Uzabayev vom Scheitern einer Ehe, dem Versuch einer Frau, aus der Hölle ihres Lebens auszubrechen. Als sie ihrem Mann mit Charme & List nahebringen will, er solle sich doch eine Jüngere suchen, rastet der vollkommen aus – sie muss ins Krankenhaus. Dass sie von ihrer Schwägerin, einer fiesen Apparatschik, dazu gedrängt wird, ihren Bruder nicht anzuzeigen, spiegelt die Verhältnisse im neuntgrößten Land (!) der Welt wider. Schließlich entlädt sich die über Jahrzehnte angestaute Wut der Frau (großartig: Laura Myrzakhmetova); wie von Sinnen schlägt sie mit einem Hammer auf den schlafenden Schläger ein. Am Ende von „Baqyt“ – bei der Berlinale uraufgeführt – bugsiert sie ihren Mann im Rollstuhl zurück in die Wohnung; vom Gericht dazu verurteilt, auf immer bei ihm zu bleiben. Die Gewalt hat ein Ende, die Hölle auf Erden nicht.

„Wir – Festivalmacher*innen, Künstler*innen, Filmemacher*innen… – sind in Gedanken bei unseren Freund*innen in der Ukraine und stehen ihnen in einem Aufruf zum Frieden zur Seite“. Das wurde gestern in einem Berlinale-Statement zur Situation der Ukraine per Mail verbreitet. „Wir sind heute in einer anderen Welt aufgewacht“, sagte Außenministerin Annalena Baerbock nach einer Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt. Stimmt, aber über Nacht wurde die Welt keine andere. Seit Wochen informieren die Amerikaner über russische Truppenbewegungen, ihr Präsident Biden sprach aus, was Kanzler Scholz erst nicht über die Zunge gehen wollte: im Falle einer Invasion in der Ukraine wird Nord Stream 2 gestoppt. Seit Jahren wurden die deutschen Putin-Versteher von den NATO-Partnern dafür kritisiert, seit Jahren ist der Zustand der Bundeswehr bekannt. Jetzt rächt sich diese Naivität bitter. Ebenso ist es illusorisch zu glauben, Zar Putin hätte die Sanktionsdrohungen der EU nicht einkalkuliert. Schon bei der Aussetzung des Swift-Abkommens gibt es wieder keine Einigkeit in der EU. Angeblich verfügt Russland derzeit über fast 700 Milliarden Euro an Devisenreserven; auf Gas, Kohle und Öl von dort ist besonders Deutschland weiter angewiesen.

Zur Wahrheit zählt auch, dass die NATO ohne die Amerikaner nicht viel taugt. „Nur die USA garantieren die Sicherheit Europas“, hält die Magdeburger Volksstimme (19.02.22) fest. Heute zieht die kroatische Zeitung Jutarnji List aus Zagreb einen naheliegenden Vergleich und malt eine düstere Perspektive aus: „Putins Angriff auf die Ukraine ist eine Kopie von Hitlers Angriff auf Polen am 1. September 1939. Die transatlantische Allianz muss jetzt koordiniert und entschlossen Putin entgegentreten. Andernfalls wird es das Ende der liberalen Demokratie sein.“ (25.02.22) Diese Zitate habe ich der Internationalen Presseschau im Deutschlandfunk entnommen, die ich sehr empfehlen kann. Gerade hat der russische Außenminister Sergej Lawrow der ukrainischen Regierung die demokratische Legitimation abgesprochen. Zynischer geht’s nicht. Nicht auszudenken, was wäre, wenn der amerikanische Präsident noch Donald Trump hieße…