Ende einer Welt

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Trutzburg einer Welt von gestern direkt an der vierspurigen Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf.© Karl Grünkopf

„Angesichts der unverantwortlichen Haltung, die der ADAC bei der Diskussion um eine Tempolimitierung auf den Bundesautobahnen einnimmt, ist mir eine weitere Mitgliedschaft in Ihrem Club aus moralischen Gründen nicht möglich.“ Mein Schreiben datiert vom 28.02.1974 und wurde vom ADAC wortreich beantwortet. Überzeugen konnten mich die Argumente nicht, und seither bekomme ich auch die ADAC Motorwelt nicht mehr zugeschickt. Die findet jetzt kein Mitglied mehr in seinem Briefkasten. Im neuen Jahr gibt’s das Zentralorgan der Automobilisten nur noch einmal im Quartal; dafür müssen die in einen Netto-Markt oder in eine Clubfiliale fahren: dort können sie ihr Magazin dann abholen. Damit einher geht eine massive Reduzierung der Auflagen. Der reiche Verein muss sparen.

Ging es damals um die Sicherheit im Straßenverkehr, geht es heute in erster Linie um die  Umwelt. Greenpeace schätzt, dass mit einem Tempolimit in Deutschland bis zu 5 Millionen Tonnen COeingespart werden können, ohne dass diese Maßnahme auch nur einen Cent kosten würde. Was den Amerikanern die Schusswaffen, sind den Deutschen ihre schnellen Autos. Selbst Die Grünen wollen diese heilige Kuh nicht ernsthaft schlachten, niemand traut sich, diesen deutschen Sonderweg zu beenden, die Auto-Kanzlerin erst recht nicht. In allen anderen Ländern dieser Welt rollt der Verkehr entspannter & klimafreundlicher, wir rollen bei Fahrten im Ausland einfach mit und finden es dann ganz toll.

Für eine Reduzierung des CO2-Verbrauchs sind mittlerweile alle: es soll sich nur nichts ändern, und kosten darf es auch nichts. Natürlich auch die Freunde von der SPD, die traditionell gute Beziehungen zur Arbeiterwohlfahrt (AWO) pflegen. Die unglaublichen Verhältnisse in den Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden erschüttern derzeit die Glaubwürdigkeit dieses Verbandes der Freien Wohlfahrtspflege im Rhein-Main-Gebiet – und finden bundesweit Beachtung. Ohnehin schon fürstlich entlohnte Führungskäfte bekamen noch Dienstwagen mit vielen hundert PS gestellt und schrieben nebenbei noch fette Honorar-Rechnungen. Auch die Frau des Frankfurter OB Peter Feldmann, der seine Brötchen einst bei der AWO verdiente, profitiert von dieser Wohlfahrt in eigener Sache. Ihr Gehalt als Leiterin einer KITA ist überdurchschnittlich hoch, und sie fährt einen Dienstwagen; davon will ihr Mann überhaupt nichts bemerkt haben.  Sein SPD-Kollege in Hannover, Stefan Schostok, ist über eine ähnliche Affäre gestolpert und muss jetzt seinen Ruhestand genießen. Hochmut kommt vor dem Fall. Welcome to Small Britain, Mr. Johnson!

Vom Weg abgekommen

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Die Hoffnung stirbt zuletzt. „Glauben an die Möglichkeiten der völligen Erneuerung der Welt“ im Friedrichstadt-Palast. © William Minke

Die Premiere am 6. März 1853 in Venedig muss ein unglaubliches Ereignis gewesen sein: eine Kurtisane mit Tuberkulose in der Hauptrolle. Nach anfangs mäßigem Zuspruch hat sich Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ zu einer der erfolgreichsten Musikdramen aller Zeiten entwickelt; jede*r hat die Ohrwürmer dieses Werkes schon einmal gehört. Um so größer sind die Erwartungen an eine Neuinszenierung; in der Komischen Oper Berlin fällt der Regisseurin Nicola Raab allerdings nicht viel ein. Violetta ist eine Sexarbeiterin, die sich in den Stoff der Vergangenheit träumt. Ein paar Rechner & Handys als Symbole unserer Zeit, ansonsten singen & spielen alle nebeneinander – ohne erkennbare Regie. So spielt auch das Orchester an diesem Abend – ohne Feuer & Leidenschaft. Violetta (Natalya Pavlova) und Giorgio (Günter Papendell) singen wunderbar, können aber eine Inszenierung nicht retten, die von Beginn an vom Weg abgekommen ist.

Um so gespannter sind wir auf „Glauben an die Möglichkeiten der völligen Erneuerung der Welt“ im Friedrichstadt-Palast Berlin. Auf der riesigen Bühne haben der künftige Intendant der Berliner Volksbühne René Pollesch, den man gemeinhin dem Diskurstheater zuschlägt, und der Schauspieler Fabian Hinrichs ein Stück mit Tänzer*innen inszeniert. Im goldigen Einteiler monologisiert er über eine fürchterliche Kindheit und eine nicht minder deprimierende Jetztzeit – „der Kapitalismus ist auch kein Zuhause“. Wer wollte solch trivialen Einsichten, die jeder Dorfkabarettist witziger auf den Punkt bringt, widersprechen. Mal gruppiert sich um Hinrichs die Chorus Line des Friedrichstadt-Palastes, mal darf man über die Bühnentechnik staunen, am Ende schwebt er durch den Raum und findet in der Apotheose des Lichtes doch noch Hoffnung. Banaler geht’s nimmer, und das Publikum klatscht zufrieden im voll besetzten Haus (bis Januar sind alle Termine ausverkauft).

Klima oder Kohle. Quo vadis SPD? Da ich diese Zeilen schreibe, ist die neue Doppelspitze mit Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans schon gewählt. Sie haben sich bekanntlich in einem quälend langwierigen Verfahren durchgesetzt. Von Aufbruchstimmung geht jetzt die Rede, man sei eine Volkspartei und strebe bei der nächsten Bundestagswahl über 30% an. Von wem die kommen sollen, steht dahin, wenn sich schon bei der Mitgliederbefragung zur Besetzung der Parteispitze nur die Hälfte beteiligen wollte. Die SPD hat die Lehrerzimmer an die Grünen verloren und die Werkbänke an die AfD, analysiert der FDP-Vorsitzende Christian Lindner schonungslos. Genau das ist das Problem der guten, alten Tante SPD: Ist sie die Partei der kleinen Leute oder der urbanen Eliten. Wer nicht weiß, wie er über die Runden kommt, dem ist das Klima egal. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Da hat Bertolt Brecht einmal recht gehabt.

Realitäten

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Trolley – New Orleans, 1955. Das Titelbild des berühmten Fotobuchs „The Americans“ von Frank Roberts. © Robert Frank . Courtesy Pace/MacGill Gallery, New York

Berlin ist Deutschlands Kinostadt, nicht bloß wegen der Berlinale. Kleine Filme, die woanders nie laufen, kann man in der Hauptstadt noch Wochen nach dem Start sehen, etwa Born in Evin. Sonntagmittag also ab über die Dächer von Kreuzberg, denn die Sputnik-Kinos am Südstern sind im 5. Stock. Das kleinere Kino ist erstaunlich gut besucht, knapp zwei Dutzend Besucher*innen wollen erfahren, wie sich die Schauspieler & Regisseurin Maryam Zaree einer Realität ihres Lebens vergewissert. Die Tochter der Frankfurter GRÜNEN-Politikerin Nargess Eskandari-Grünberg wurde im berüchtigten politischen Gefängnis Evin im Iran geboren und verbrachte dort die ersten beiden Jahre ihres Lebens. Nie wurde dieses „Familiengeheimnis“ Thema bei ihrer Mutter, einer studierten Psychologin, und deren Partner, der sich als Psychoanalytiker mit der Weitergabe von Traumata beschäftigt. Der Dokumentarfilm zeigt diese schmerzliche Recherche, lässt aber allen Beteiligten ihr Geheimnis und ihre Würde.

Das gilt unbedingt auch für die Fotografien von Robert Frank, die im C/O Berlin gezeigt werden („Unseen“ nur noch bis zum 30.11.). Sein Zyklus „The Americans“ aus dem Jahr 1959 muss damals eine Sensation gewesen sein, ein Schock, denn Frank hat auf seiner Reise durch Amerika kein „keep smiling“ dokumentiert sondern seinen radikal subjektiven Blick auf das Leben von Menschen, die nicht viel zu lachen haben. Gleichwohl werden sie nicht bloß gestellt; auch er lässt ihnen ihre Würde und ihr Geheimnis und dem Betrachter Raum. „Etwas muss für den Betrachter übrig bleiben“, schreibt Robert Frank, „er muss etwas zu sehen haben. Es ist nicht alles schon für ihn vorformuliert.“ Sein berühmtes Buch erschien übrigens 1958 zuerst in Frankreich; „Les Américains“ ist derzeit neu nur in der französischen Ausgabe bei Amazon lieferbar.

Während die Fotografie immer auf die Realität bezogen bleibt, schafft die Kunst sich eine eigene. Das gilt besonders auch für die Digitale Kunst, die im Markt immer noch ein Nischendasein fristet, wie Wolfgang Liesen in einem Gespräch zur Ausstellung „Digitale Welten“ im Museum Sinclair in Bad Homburg erzählte. Der Geschäftsführer der Berliner DAM GALLERY beschäftigt sich schon lange mit dieser Kunst; erstaunlicherweise plädiert gerade er für eine „real existierende Galerie“. Das weit verbreitete Vorurteil ist natürlich Quatsch, solche Kunst mache der Computer. Was dem Maler der Pinsel, ist dem digitalen Künstler die Programmierung. Dennoch ist es immer noch irritierend, sich einfach eine Zip-Datei zu kaufen, die permanent neue Werke und Realitäten produziert. Womöglich würde sogar Theodor W. Adorno die Noblesse dieser Kunstwerke anerkennen. „Ernst Schoen“, notierte er in seiner „Ästhetischen Theorie“, „hat einmal von der unübertrefflichen noblesse des Feuerwerks gesprochen, das als einzige Kunst nicht dauern wolle sondern einen Augenblick lang strahlen und verpuffen.“ Bald ist schon wieder Silvester.

Ohne Worte

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Lara (Corinna Harfouch) im „Drama ungeliebten Lebens“ (Jan-Ole Gerster). © STUDIOCANAL / Frederic Batier

Uraufführungen sind immer besonders spannend und in Opernhäusern selten. Die Intendanten setzen auf bewährte Schlachtrösser von Verdi, Mozart und Wagner; damit entspricht man den Wünschen & Erwartungen des Publikums. Gleichwohl ist die Deutsche Oper in Berlin bestens besetzt, als zum ersten Mal „Heart Chamber“ von Chaya Czernowin aufgeführt wird. Zwei Werke der israelischen Komponistin wurden von der Fachzeitschrift „Opernwelt“ bereits zur „Uraufführung des Jahres“ gewählt. „Heart Chamber“ dürfte diese Ehrung wohl kaum zuteilwerden; die „Erforschung der Liebe“ im 21. Jahrhundert kommt über Tableaus der Fremdheit und Entfremdung nicht hinaus. Zwischen Mann und Frau geht gar nichts von Anfang bis zum Ende der 90 teils sehr langen Minuten. Musikalisch passiert hingegen um so mehr: Czernowin lotet mit dem fabelhaften Orchester des Hauses und grandiosen Stimmen (Patrizia Ciofi/Sopran und Dietrich Henschel/Bariton) neue Klänge & Räume aus. Bisweilen scheint ein Wispern und Summen durch das weite Rund des Hauses zu gehen. Allein, sie wäre gut beraten, sich ganz auf diese Qualitäten zu verlassen und nicht auch noch das Libretto zu verfassen.

Dass es nicht vieler Worte bedarf, um eine Geschichte zu erzählen, beweist der Regisseur  Jan-Ole Gerster mit seinem Film „Lara“. Nach seinem sensationellen Debüt „Oh Boy“ (2012) hat er sich zum Glück Zeit gelassen – und nicht schnell etwa „Oh Girl“ nachgeschoben. An ihrem 60. Geburtstag kommt Lara (beeindruckend gespielt von Corinna Harfouch) zu einer ernüchternden Bilanz ihres Lebens: mehr wäre als Pianistin möglich gewesen, stattdessen fristete sie ihr Dasein in irgendeinem Verwaltungsjob bei der Stadt Berlin. Um so mehr widmete sie sich der Förderung & Karriere ihres Sohnes (Tom Schilling) und kann doch seine Erfolge nicht anerkennen; vor der Uraufführung kanzelt sie eine Komposition von ihm als „musikantisch“ ab. Eine Vernichtung! Aber Lara steht vor den Trümmern ihres eigenen Lebens: isoliert, desillusioniert, aber nicht deprimiert. Sie spielt wieder Klavier…

Auf meinen Fahrten nach Frankfurt arbeite ich mich immer durch die letzten Ausgaben des Berliner Tagesspiegels – und stieß dabei auf eine sehr positive Rezension der Biographie „Die Weizsäckers. Eine deutsche Familie“ von Hanns-Joachim Noack (Siedler Verlag). „Kaum eine deutsche Familie“, schreibt Christine Brinck, „ist ohne Schuld durch die Geschichte gegangen, aber neu zu denken und Einsichten zu produzieren, die sich historisch niederschlagen, ist nicht jeder Familie gegeben. Die Weizsäckers haben das bis heute erstaunlich konstant und kontinuierlich geschafft.“ (11.11.19) Abends erschüttert mich die Nachricht, der Mediziner Fritz von Weizsäcker wurde nach einem Vortrag in der Schlosspark-Klinik erstochen. Der offenbar psychisch gestörte Mörder wollte eigentlich seinen Vater Richard von Weizsäcker († 31.01.2015) richten, weil der in den 60er Jahren in der Geschäftsführung von Boehringer in Ingelheim auch dafür verantwortlich gewesen sei, dass Produkte zur Herstellung des hochgiftigen Entlaubungsmittels „Agent Orange“ für den Vietnamkrieg an Dow Chemical nach Amerika geliefert wurden. Mir fehlen die Worte.

Zukunft

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„Trans Nature“ von Miguel Chevalier im Museum Sinclair Haus in Bad Homburg. © Karl Grünkopf

Die Zukunft gehört der Bahn, schwadronieren gerne Politiker, die nie mit dem Zug fahren. Die Gegenwart verspielt die DB fast jeden Tag. Mir schwant schon nichts Gutes am letzten Sonntag, und ich steige deshalb im Hauptbahnhof ein. Alle Befürchtungen werden übertroffen: die Wagen 31 – 38 fehlen ganz, die Nummern der Waggons können nicht angezeigt werden, natürlich auch nicht die Reservierungen. Los geht‘s im überfüllten Zug bis Berlin-Südkreuz. Dort dürfen wir aus Sicherheitsgründen nicht weiterfahren: der Zug ist überfüllt, zu viele Fahrgäste stehen in der Mitte. Die DB lockt mit 25-€-Gutscheinen, wenn die Fahrgäste in den Zug wechseln, der via Leipzig nach Frankfurt fährt. Wir kommen auch in Halle und Erfurt nicht gleich weiter: zu viele stehen in den Gängen. Dass wir Frankfurt nur mit einer Verspätung von 38 Minuten erreichen, grenzt an ein Wunder. Dass die Klimaanlage wieder einmal zu stark kühlt und das WLAN nicht funktioniert, passiert eben bei der DB, die angeblich einen Investitionsbedarf von 50 Milliarden € hat. Neulich erzählte mir ein Vielfahrer, dass mit zusätzlichen 5 Millionen Fahrgästen zu rechnen sei, wenn die Mehrwertsteuer für Bahn-Tickets auf 7% gesenkt wird. Dann ist endgültig Schluss mit lustig beim Zugfahren.

Entspannte Reisen werden wir bald nur noch virtuell erleben, ähnlich wie die Idylle der Natur. Diesem  Thema hat sich das Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg in einer spannenden Ausstellung gestellt: „Illusion Natur. Digitale Welten“. Wir sehen die Natur in den Arbeiten der Künstler, wie sie schon (längst) nicht mehr existiert: für sich und ohne menschlichen Zugriff. Besonders beeindruckend ist ein mit schwarzer Folie ausgeschlagener Raum mit einer riesigen Leinwand: hier erleben die Besucher*innen nicht die Illusion einer heilen Natur, der Künstler Miguel Chevalier hat vielmehr eine „Trans-Nature“ geschaffen, in die man vollkommen eintauchen kann; es fehlen nur Liegestühle. Wie immer sind in diesem kleinen, feinen Museum treffende Zitate direkt auf die Wände geschrieben. „Der Mensch lebt von seinen Illusionen“ (Wilhelm Raabe). Diese Ausstellung läuft noch bis zum 02.02.2020. Ich komme wieder.

Von seinen Illusionen lebt auch der Haushaltsausschuss des Bundestags. Es wird sich als Täuschung erweisen, dass die sog. Kunst-Scheune zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie beide Solitäre nicht durch seine schiere Größe und Wucht erschlägt. Oder dass man mit den nun bewilligten 364 Millionen € auskäme. Die Chance, das völlig verhunzte Berliner Kulturforum städtebaulich neu zu gestalten, wurde schändlich vertan, alldieweil andere Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vergammeln und über schmale Ankaufsetats verfügen. Schon lästern Spötter über das Taj Mahal der Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Schlimmer hätte die Zukunft des Kulturforums nicht aussehen können.

 

 

 

Eine Quote für die Note

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Back to the Roots: das Gard Nilssen Trio live & ohne Noten im Auster Club. © Karl Grünkopf

Am letzten Abend des JazzFest Berlin schließt sich der Kreis. Wie zu Beginn im Gropius-Bau steht wieder der ewige Avantgardist Anthony Braxton auf der Bühne. Mit einer verschworenen Gemeinschaft, die seine geheimnisvollen, graphisch-bunten Notierungen lesen & spielen können, entwickelt er seine rätselhaft-beliebigen Klangwelten und erreicht das Publikum so wenig wie das KIM Collective mit seiner„Fungus Opera“. Auch die anderen „Deutschlandpremieren“ überzeugen nicht, etwa Eve Rissers schlichte Spielereien auf einem präparierten Klavier inkl. Rhythmusmaschine. Sie war zuletzt 2016 beim JazzFest, ein Jahr später schon einmal der Trompeter Ambrose Akinmusire, dessen aktuelles Projekt „Origami Harvest“ man schnell vergessen wird. Warum wurde statt dessen nicht an die quicklebendige New-Jazz-Szene in der DDR erinnert, 30 Jahre nach dem Mauerfall. Cony Bauer, Ernst-Ludwig Petrowsky, Joe Sachse oder Günter „Baby“ Sommer sind Meister der freien Improvisation. Noten brauchen solche Jazzer nicht!

Dass große Formationen und Bigbands nicht ohne Noten auskommen, versteht sich natürlich von selbst. Aber das Festival setzt heuer zu sehr auf „akademischen“ Jazz, wie er an den Hochschulen gelehrt wird. Was die Absolventen dort nicht oder zu wenig lernen, ist, was den Jazz erst ausmacht: Improvisation und ein eigener Personalstil. Charlie Parker, John Coltrane oder Ornette Coleman sind und bleiben einzigartig, während die Notenspieler mit klassischem Ernst musizieren – und oft nur langweilen wie etwa das Australian Art Orchestra. Insofern fordere ich eine Quote im nächsten Jahr: nur die Hälfte der Musiker*innen darf vom Blatt spielen, die anderen können zeigen, was sie als Jazzer draufhaben.

Trotz Noten überzeugt der Schlagzeuger Christian Lillinger mit seinem bereits in Donaueschingen aufgeführten Projekt „Open Form For Society“, aber den herzlichsten Applaus heimst „Melodic Ornette“ von Joachim Kühn mit der wunderbaren hr-Bigband ein. Wegen Sanierungsarbeiten am Haus der Berliner Festspiele könnte dem JazzFest im nächsten Jahr ein Umzug in das ehemalige Weddinger Krematorium „Silent Green“ drohen. Eine gute Gelegenheit, sich von allzu vielen Performances, Premieren, Projekten – und Noten zu verabschieden. Back to the Roots, back to Jazz! Also gleich zwei Tage später in den Kreuzberger Auster Club zum kurzen Auftritt des Trios um den großartigen norwegischen Schlagzeuger Gard Nilssen. Nadine Deventer ist im Publikum. Ob sie auch so emotional berührt wird wie von Anthony Braxton und dem KIM Collective,  ist nicht auszumachen; die Kuratorin des JazzFest ist mit ihrem Smartphone beschäftigt. Dabei sein ist alles.

Irgendwann hört der Spaß auf

Die 5 glorreichen Sieben in der Bar jeder Vernunft
Schräg & überdreht: Katharina Thalbach läßt es richtig krachen. © Barbara Braun / BAR JEDER VERNUNFT

Wieder mal in die „Bar jeder Vernunft“. Eine Premiere steht auf dem Programm: „Die 5 glorreichen Sieben“, eine trashige Western-Show von fünf Frauen. Sie wollen es krachen lassen wie die Kerle und sich einen Herzenswunsch erfüllen. Die sog. Story, über die man getrost hinweggehen kann, beginnt schwerfällig, die Überleitungen zwischen den Songs kommen hölzern und krampfhaft witzig daher – bald sitze ich in einem Karl-May-Film. Dabei gibt es durchaus ein paar tolle Momente, etwa wenn Katharina Thalbach „I was born“ herrlich schräg & überdreht anstimmt; Anna Mateur und Meret Becker können neben dem alten Zirkuspferd durchaus bestehen. Nach der Pause hat das Quintett aber einen kompletten Blackout. Anders lässt sich die Szene im Bordell voller Zoten im Klartext nicht erklären. Plötzlich sind wir im falschen Film, und es läuft eine sog. Sexkomödie von Alois Brummer. Zum Glück geht’s bald wieder mit Karl May weiter – bis zum umjubelten Finale. Es genügt, wenn’s vergnügt. Die Show läuft noch bis zum 17. November und ist restlos ausverkauft. I’m amazed!

Leicht kann aus Spaß blutiger Ernst werden, wenn ewige Demütigungen & Erniedrigungen plötzlich in Gewalt umschlagen. Das Indianerspiel in einer Seouler Luxusvilla endet tödlich für den Besitzer, aber der Film „Parasite“ – heuer ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes – verheißt den Underdogs aus der Unterstadt dennoch keinerlei Hoffnung. „Der Aufstieg ist ausgeschlossen, das ist reines Phantasma“, befindet der Regisseur Bomg Joon-ho über die zementierten Klassenverhältnisse in Südkorea; seine Diagnose scheint auf spätkapitalistische Gesellschaften insgesamt zu passen. Auch „Joker“ (sensationell gespielt von Joaquín Phoenix) besitzt von Anfang an keine Chance. Die durch ihn inspirierte Revolte der Clowns hat keine Perspektive. Der Joker sitzt am Ende wieder in der Psychiatrie und lacht irrwitzig. Womöglich ist das die letzte Geste des Widerstands. Wir alle leben weiter, über unsere Verhältnisse und auf Kosten der Zukunft.

Trotzdem können wir uns noch immer freuen, etwa wenn der Entertainer Rick Maverick als Elvis-Double eine Hochzeitsgesellschaft aufmischt, alldieweil in Berlin das JazzFest 2019 spektakulär im Martin-Gropius-Bau von Anthony Braxton eröffnet wird. Ich habe meinen Jazzfreund Werner van Treeck gebeten, seine Eindrücke dieses Events wiederzugeben. Er hat vor einiger Zeit „Dummheit – Eine unendliche Geschichte“ im Reclam Verlag veröffentlicht und ist ein profunder Musikkenner. „Anthony Braxton gehört zur ersten (Gründungs-)Generation der Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM) in Chicago. Erste Aufnahmen gab es 1967/68 (bei Delmark), und 1969 (mit Gunter Hampel und Willem Breuker bei Birth Records); seitdem eine fünfzigjährige, nicht mehr überschaubare Produktivität in einer eigenwilligen Personalstil-Entwicklung im Rahmen vorwiegend frei improvisierter Musik, auf der Grundlage von rund 500 Kompositionen. Eine Art Synthese dieser Musik stellt das ‚Sonic Genome‘ dar, das in rund 6 Stunden mit etwa 60 MusikerInnen im Gropius Bau aufgeführt wurde: Eine hybride Konstruktion, gespielt zunächst vom gesamten Orchester, dann in wechselnden Konstellationen und Besetzungen im gleichen Atrium oder in verschiedenen Räumen, zwischen diesen wandernd, sich neu zusammensetzend, nach groben Verabredungen, doch frei entschieden von MusikerInnen… und Zuhörern, die ebenfalls zwischen Gruppen und Räumen sich frei bewegen und zwischendurch auch zum wieder vereinigten Gesamtorchester zurückkehren. Was für den Komponisten und seine MusikerInnen eine enorme Herausforderung ist, ist dies erst recht für das Auditorium: Wer überblickt 500 Kompositionen oder auch nur Teile davon, stiftet Beziehungen zwischen ihnen, vermag so etwas wie eine Synthese über die ganze Spielzeit nachzuvollziehen? So faszinierend das Projekt ist, so zufällig und willkürlich erscheinen die ausgewählten und erwanderten Klangerlebnisse. Vielleicht muß man sich von traditionellen Werkvorstellungen lösen, vielleicht ist dies ein Vorgriff auf eine musica perennis.“ Alles ist möglich, aber ein Ziel gibt es nicht. Da gratulieren wir noch rasch der alten Dame FAZ, die heute ihren 70. Geburtstag feiert. Zumindest dieses Ziel wurde erreicht.

Gambler

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Kein Erfolg bei den lustigen Weibern: Falstaff wird verhöhnt und vertrieben. © Monika Rittershaus

Stößchen! „Die lustigen Weiber von Windsor“ sind Nachbarinnen in spießigen Doppelhaushälften irgendwo im Nirgendwo deutscher Vorstädte; das Bühnenbild passt trefflich ins trutschige Ambiente der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Genau dort hatte das Erfolgsstück von Otto Nicolai, dessen Story so unterhaltsam ist wie eh und je, am 9. März 1849 Premiere. Der tapsige Falstaff – herrlich René Pape im Fat-Kostüm mit gewaltigem Schmerbauch – stellt den lustigen Weibern nach und wird nach Herzenslust bloß gestellt. Der Regisseur David Bötsch setzt ganz auf Trash, so dass man glaubt, im falschen Haus zu sein: nicht in der Staatsoper, sondern in der Komischen, die ihre Saison mit „The Bassarids“ eröffnete; selbst das Satyrspiel inszeniert Barrie Kosky dort ohne seine Ledermännchen. Die wunderbaren Sänger*innen in der Staatsoper – allen voran Michael Volle und Anna Prohaska – haben sichtlich Freude in diesem Schwank, den der junge Dirigent Thomas Guggeis musikalisch souverän zusammenhält.

Ein Gambler ganz anderer Art ist die lebende Legende John McLaughlin. Der Meistergitarrist, geboren am 4. Januar 1942 in Yorkshire, hat Musikgeschichte geschrieben. Er war beim Geniestreich „Bitches Brew“ von Miles Davis dabei und hat dann selbst mit seinem Mahavishnu-Orchester die Fusion von Jazz und Rock vorangetrieben und durch seine Shakti-Alben mit indischen Partnern neue Welten erkundet; nicht zu vergessen natürlich das legendäre Konzert 1981 „Friday Night in San Francisco“ mit Paco de Lucia und Al di Melos. Meine Erwartungen an das Konzert des Meisters in der Darmstädter Centralstadion sind hoch – zu hoch. John McLaughlin & The 4th Dimension spielen prima, aber es fehlen die magischen Momente. Die sind zum Glück auf „The Inner Mounting Flame“ oder einer meiner Lieblingsaufnahmen von John McLaughlin „Extrapolation“ (1969) für immer festgehalten.

Damals war der Magier Harry Keaton noch nicht auf dieser Welt, und ich konnte natürlich nicht wissen, dass ich ihn einmal im kleinen Wiesbadener Thalhaus Theater erleben würde. Eigentlich ist er auch ein Gambler, der bei jedem Auftritt seinen Ruf riskiert. Nicht seine Zaubertricks verblüffen mich am meisten, sondern seine Mental-Magie. Wie schafft der Kerl es nur, sich 30 Begriffe (u.a. Sollbruchstellenverursacher), die wir Zuschauer aufschreiben durften, in der richtigen Reihenfolge zu merken? Wie kann einer in einer Rede plötzlich einen, zuletzt sogar 4 Buchstaben weglassen, so dass eine beeindruckende dadaistische Suada ohne Sinn entsteht? Würden solche Tricks einem Boris Johnson helfen, der bis jetzt noch jede Abstimmung im Unterhaus verloren hat? „Och, och, och“, rufen wir mit Harry und staunen über das immer neue Vexierbild Brexit. Good luck!

Wer bin ich?

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Versöhnung ausgeschlossen: Der großartige Bariton Günter Papendell (links) steht für das Apollinische und Dionysus Sean Panikkar. © Monika Rittershaus

Wieder eine spektakuläre Premiere in der Komischen Oper Berlin. Nach „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg 2015 haben sich Barrie Kosky (Regie) und Vladimir Jurowski (musikalische Leitung) nun mit einem ähnlich komplexen Werk beschäftigt: Hans Werner Henzes 1966 entstandene Oper „The Bassarids“. Das selten gespielte Werk ist das Ereignis der noch jungen Saison! Nur ein Teil des Orchesters sitzt im Graben, einige Musiker spielen in den Rängen, die anderen teilen sich die Bühne mit dem Chor. Das Licht im Saal bleibt während der Aufführung an, wir erleben „The Bassarids“ (gesungen wird auf Englisch) als Zuschauer und als Beteiligte. Vordergründig geht es um den ewigen Konflikt zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen, doch in der griechischen Mythologie ist nichts eindeutig, trägt noch jeder eine geheime Schuld oder ein unbekanntes Schicksal. Ganz am Ende geht das Licht doch aus. Auf einem über die ersten Reihen gelegten Steg steht Dionysus (grandios der Tenor Sean Panikkar) ringt mit den Händen, verdreht die Augen und atmet nur noch. Dieser Sieger ist auch ein Besiegter seines Schicksals. Wir sind gebannt, als das Licht wieder angeht. Begeisterter Applaus für alle Mitwirkenden dieser Aufführung der Extraklasse!

Zwei Tage später treffe ich in Mainz meinen Freund Elektro-Putzi. Wir kennen uns seit fünfzig (!) Jahren, aber diesen Namen habe ich noch nie gehört. Das Gespräch sprudelt und springt durch die Jahre – wir erinnern & vergewissern uns miteinander. Das Restaurant „Como Lario“, in dem wir wieder hocken, wurde als erstes ausländisches Restaurant in Mainz 1962 eröffnet; hier bei Bruno futterte einst Ministerpräsident Helmut Kohl Pasta, und hier haben wir manche große Pizza verzehrt. Noch einen Wein in der Altstadt, und die Wege der Freunde & Nomaden trennen sich wieder. Elektro-Putzi. Herrliches Kinderwort. So nannte er sich, wenn irgend etwas automatisch aufging.

Wer bin ich? fragt sich auch Amphitryon im gleichnamigen Stück von Molière, das wir in einer Inszenierung von Herbert Fritsch an der Berliner Schaubühne erleben. Aus einem „raffinierten, bitterbösen Spiel um Schein und Sein“ (Monatsprogramm) wird da allemal ein harmlos bunter Theaterabend, der ohne Nachhall bleibt, was keinesfalls gegen die Schauspieler*innen gemünzt ist. Sie gehören teils schon lange zur lustigen Fritsch-Schar, in die sich Joachim Meyerhoff – er ist neu an der Schaubühne – trefflich einreiht. Während es in der Komischen Oper um Leben und Tod geht, wird die Identitätsfrage am Ku’damm verjuxt. Bitterernst geht es dagegen morgen im britischen Unterhaus zu. wenn es zum Schwur über den Brexit kommt. Hätte Shakespeare solch ein Stück schreiben können?

 

 

 

 

Wiener Welten

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Die Freunde des Mobilvereins in der Pause bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. © Gitti Grünkopf

In schöner Regelmäßigkeit wird Wien zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. Es braucht nur ein paar Stunden, um diese Wahl persönlich zu überprüfen. Wie an Flughäfen gibt es am Hauptbahnhof bequeme Sitzgruppen; überhaupt gibt es in Wien viele Möglichkeiten, im sog. Öffentlichen Raum zu rasten & zu entspannen. Unsere Hoteliers schätzen durchaus Berlin, aber in ihrer Stadt sei es weniger hektisch, das Leben verlaufe ruhiger hier. Das spüren wir sofort und lassen uns treiben. Ein lebendiger Einzelhandel fällt auf, es gibt wenige Filialisten mit dem immer gleichen Angebot, die deutsche Städte und ihre Fußgängerzonen so monoton machen. Im Viertel Neubau entdecken wir gleich mehrere Fotogeschäfte; unweit des Hotels hat sich eines davon ganz auf Leica spezialisiert. Wenn wir mit der Straßenbahn 49 ins Zentrum fahren – das Netz des ÖPNV ist hervorragend -, kommen wir an winzigen Lädchen mit Antiquitäten & Kruschtel vorbei, entdecken witzige Boutiquen und verlockende Restaurants.

Alles so schön cool wie in Schöneberg, aber Wien ist natürlich auch ein Hotspot für Touris aus aller Welt. Und die buchen im Package den Goldenen Saal des Musikvereins gleich mit, dessen Akustik in aller Welt gelobt wird. Dieses Erlebnis wollten wir uns nicht entgehen lassen und kauften schon im Mai die Katze im Sack. Denn zu diesem Zeitpunkt lag das Programm noch nicht vor. Ein Best-of-Mozart erwartet uns auf harten, unbequemen Stühlen für 50 € das Stück auf dem Balkon; zum Abschluss dann natürlich noch die „Schöne Blaue Donau“ und der „Radetzky-Marsch“. Oha! Ein Konzert, das wir nicht vergessen werden. Nicht wegen der recht ordentlich gespielten Musik, natürlich in Rokoko-Kostümen, sondern wegen der vielen Besucher aus Asien. Sie scheint das Konzert kaum zu interessieren; unablässig sind sie mit ihren Smart-Phones zu Gange, obwohl auf japanisch und chinesisch darauf hingewiesen wurde, das digitale Alter Ego auszuschalten. Die Mädels an der Tür kommen kaum nach mit Ermahnungen und müssen kurz vor dem Ende des Konzerts ganze Horden ziehen lassen, die den Saal verlassen. Draußen warten schon die Gruppen-Fähnchen und Busse. Weiter geht’s zum nächsten Hotspot.

Wie unsere sympathischen Hoteliers verlassen wir am Wochenende wieder die beste Stadt aller Welten. Unser Hotspot heißt Dürnstein. Dort haben wir uns mit den lieben Pongs auf einige Tage in der Wachau verabredet. Das Publikum von gestern hätte sicher an den schrecklichen Kitschläden im Ort seine Freude gehabt, wir steigen hinauf zur Ruine hoch über der Donau. Damals war die Burg schier unbezwingbar, man hätte die Bewohner allenfalls aushungern können. Hier wurde einst der König von England, Richard Löwenherz, gefangen gehalten, und eine rührende Geschichte rankt sich um seine Befreiung. Der Minnesänger Blondel sei von Burg zu Burg gezogen und habe dabei immer das Lied angestimmt, das sein Herr so liebte. Und tatsächlich erklang eines Tages aus einem Kerker die zweite Strophe… In Wahrheit wurde damals von England ein horrendes Lösegeld für Richard bezahlt; singen musste dafür keiner. Fake News gab es schon, als Social Media noch in ferner Zukunft lag. Servus!