Labor Day

Gestern gingen die endlos langen Schulferien in Amerika zu Ende, und ein bisschen geht am Labor Day, dem ersten Montag im September, auch der Sommer zu Ende. Wir checken im „fridge“ des Hamilton aus und schwingen durch die Drehtür direkt in die Sauna. Schwül-heiß ist es wieder in DC, der Onkel wartet schon im Benz, wir wechseln für die letzten beiden Tage vor der Abreise nach NYC das Quartier und sind zu Gast in der weitläufigen Doppelwohnung der Verwandten, die vor über fünfzig Jahren in Amerika ankamen – und hier ihr Glück machten.

Wir finden unser Glück einstweilen im Mittagsschlaf und gehen danach mit der Tante zum Schwimmen in den Privatpool zwischen den Luxus-Hochhäusern. Leider besteht dieser Service mit eigenem Bademeister nur bis zum Labor Day, und ab heute ist Schluss mit Baden. Entspannt & müde klingt der Tag aus.

Da ich diese Zeilen schreibe, wird mir noch einmal bewusst, dass wir erst seit drei Tagen unterwegs sind, schon haben sich neue Routinen gebildet, nach dem Aufwachen gegen 7h die Mails bearbeiten und den Blog schreiben. Morgen verlagert sich das mobile Büro nach NYC. Wir werden auf Empfehlung nicht mit dem Zug fahren sondern nehmen den Golden Bus – schneller und deutlich günstiger.

The Day After

Bäh. Vor hundert Jahren habe ich das letzte Mal Porridge gegessen und natürlich vollkommen vergessen, wie eklig Haferschleim schmeckt. Zwei Croissants, 4 Eier, Saft und Tee – 48 Dollar weg oh weh. „Aber Porridge ist so gesund“, ermutigt mich Susanne.

Was wir vergessen haben? Einen Power-Adapter. Zum Glück haben sie im Hamilton einen einfachen, der es tut, aber wir möchten uns doch zur Sicherheit einen kaufen. In den Geschäften stoßen wir allenthalben auf Freundlichkeit & Unverständnis. Anyway wir geben nicht auf und fahren zum Observation Tower nach Virginia, wo man einen phantastischen Blick über die Stadt hat. Vorher im Nirgendwo im Irgendwo noch einen Burger & dazu Chlorwasser. Mahlzeit!

Oben auf der Aussichtsplattform sind wir fast allein – es gibt doppelt so viel Personal wie Besucher. Kein „Overtourism“ wie in Venedig, wo 54.00 Bewohner von über 30 Millionen Touristen heimgesucht werden. Zurück im Hamilton, inzwischen kommen wir mit dem komplizierten Fahrkartenautomat besser zu recht. Es ist überall das gleiche Problem weltweit; in DC gibt es zumindest ab und an freundliche Automatenhelfer.

Nach dem lebensnotwendigen Mittagsschlaf mit dem Taxi zu einem libanesischen Restaurant, wo die Reunion mit arabischen Grooves zu Ende geht. Oh, what a Day!

Arrival

Fliegen ist wie Viehtransport. Eine endlose Reihe von Lämmern wartet in Tegel auf das Einchecken, weil die Staralliance Lufthansa dilettantisch geplant hat. Ohne Susannes Energie hätten wir womöglich nicht den Anschluss nach DC in Frankfurt geschafft! Was anders ist als bei der letzten Reise in die USA 2007? Wir fliegen mit Stützstrümpfen Economy Premium, es gibt mehr Unterhaltungsangebote an Bord – ich entschied mich für den Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (gute Wahl!) – und es gibt Smart Phones, d.h. eine ganz andere Vernetzung & Kommunikation.

Anders als bei der Ankunft in NYC vor elf Jahren, die an die Einreise in die DDR erinnerte, werden wir in DC freundlich empfangen. Sie brauchen wieder meine Fingerabdrücke, und ich muss die Brille absetzen. Beim nächsten Mal scannen sie das Gesicht, und beim übernächsten Mal wird es keine Beamten mehr geben. Schöne, neue Welt.

Per Bus & U-Bahn ins Hamilton Hotel, wo The Germans in eine Family Reunion unserer Tante purzeln – achtzig Menschen feiern & lernen sich kennen; sie ging 1960 aus Palästina nach Amerika. Licht aus nach deutscher Zeit um 4.00h nachts. Wir sind angekommen.