
Wir stecken seit einer halben Stunde fest in einem Tunnel. Eigentlich wollen wir wie die vielen Chinesen mit der Straßenbahn nach downtown fahren. Es gibt keine Ansage & keine Erklärung. Ich fühle mich an Dürrenmatts Erzählung „Der Tunnel“ erinnert, die ich im letzten Jahrtausend mit meinen Sprachdiplom-Schülern in der VHS Frankfurt gelesen habe. Allerdings fuhr der Zug in dieser Geschichte immer weiter in die Tiefe, ins „Nichts“. Im sog. ÖPNV lernt man die Jungen & Alten und die Armen einer Stadt kennen. Das trifft sich gut, denn ich bin auch heute wieder als Senior unterwegs; wir hatten nicht genug Kleingeld. Grundsätzlich wechseln die Fahrer nicht.
So beginnt dieser Beitrag in einer Straßenbahn. An der nächsten Haltestelle ist Schluss, wir wechseln in eine Linie zum Fisherman’s Wharf. Das Hafenviertel ist abgeranzt und zum Ballermann heruntergekommen. Im Boudin, einer Backfabrik, ein Sandwich, in einem anderen Schuppen dringend zwei Espresso. Zur Bar gehören die Tauben drinnen dazu; niemand stört sich daran. Wir werden am Pier 39 von dem Ton des Saxophonisten Stephen Dreyfuss angelockt, der gerade „Just the two of us“ spielt, und lassen uns gleich zwei CD’s signieren – http://www.stephendreyfuss.com. Mit einer dieser herrlich anachronistischen Straßenbahnen auf Holzbänken in die City. Kaufhauskrise ist auch hier, genauso viele Verkäufer wie Kunden bei Macy’s. Einkaufen macht dort keinen Spaß mehr, wir finden nichts.
Wir haben den Wein zum Diner versprochen, und da wir uns mit den Roten in Kalifornien nicht auskennen, kaufen wir den originellsten Namen. Der Cabernet Sauvignon von Joel Gott ist eine gute Wahl. Nach dem Essen schlägt der Cousin vor, die Aussicht von Twin Peaks aus zu genießen. Gerne doch, aber heute nicht mehr.




